Die Geschichte von Peter Hase

Von Benedikt Bögle

Peter ist ein sehr unvorsichtiger Hase: Er weiß ganz genau, dass er sich nicht in den Garten von Herrn Gregers schleichen und sich an dessen Gemüse bedienen soll. Herr Gregers kann wütend werden. Und wenn er wütend wird, kann das durchaus gefährlich sein. Und trotzdem kann Peter es nicht lassen. Wieder schleicht er in den Garten des alten Mannes und bedient sich ausgiebig an Lattich, Bohnen, Radieschen und Petersilie. Es scheint alles gut zu werden – bis der kleine Hase Peter doch noch von Herrn Gregers erwischt wird und schnell die Flucht antreten muss – gerade noch rechtzeitig entwischt er dem alten Mann. „Die Geschichte von Peter Hase“ von Beatrix Potter ist ein Klassiker, den der Diogenes-Verlag nun neu aufgelegt hat. Eine wunderbare Geschichte und wunderbare Bilder – und am Ende steht sogar eine kleine Moral, die vor dem unberechtigten Diebstahl warnt.


Beatrix Potter: Die Geschichte von Peter Hase
Diogenes 2020, 55 Seiten, EUR 9

Liebe Kirche…

Von Benedikt Bögle

Schwester Teresa Zukic liebt ihre Kirche – aber sie hadert auch mit ihr, mit gewissen Gläubigen, mit gewissen Gruppierungen. Eine Sammlung von Briefen ist nun bei Herder erschienen: „Liebe Kirche… Briefe an den lieben Gott und sein Bodenpersonal“. Teresa Zukic wendet sich an Gott selbst und an den Papst, an die vermeintlich „Frommen“ in den Kirchengemeinden wie auch an Geschieden-Wiederverheiratete oder Opfer des sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Mit Kritik spart die Ordensschwestern nicht – aber auch nicht mit vielfältigen Erweisen einer tiefen Liebe zur Kirche und zu ihrem Gott, mit aufbauenden Worten und der Zuversicht, dass diese Kirche den Menschen dienen kann. Bahnbrechend neues wird in diesem Band nicht berichtet. Es ist der Stil, der diesen Band besonders macht: Die ehrliche, bisweilen gar überschäumende und überzeugende Art einer Frau, die ihr Leben in den Dienst Gottes und der Kirche gestellt hat. Man wird nicht mit dem Inhalt jedes dieser Briefe einverstanden sein müssen, um dennoch wertvolle Impulse aus diesem schmalen Bändchen ziehen zu können.

Teresa Zukic: Liebe Kirche. Briefe an den lieben Gott und sein Bodenpersonal
Herder 2020, 160 Seiten, EUR 14
Copyright des Bildes: Herder

Die Pfarrei der Zukunft

Von Benedikt Bögle

Die Kirche steht in Deutschland wie auch in den größten Teilen Europas im Umbruch. Die von uns gewohnten Strukturen werden in Zukunft kaum oder gar nicht mehr möglich sein. Dass eine (politische) Gemeinde einer Pfarrei entspricht, der wiederum ein Priester als Pfarrer zugeteilt ist, wird in Zukunft nicht mehr funktionieren: Wenn es immer weniger Priester – aber auch weniger Diakone, Pastoral- und Gemeindereferentinnen – gibt, kann schlicht nicht mehr jede Gemeinde in der ihr gewohnten Form weiterleben und den Glauben weiter feiern. Die Pfarrei der Zukunft muss gesucht und gefunden werden. Die denkbaren Modelle sind vielfältig. Das Bistum Essen hat sich hier an ein großes Projekt gewagt: Alle Pfarreien waren aufgerufen, Voten zum anstehenden Strukturprozess abzugeben. In einem „Pfarrentwicklungsprozess“ (PEP) konnten sich die Gläubigen selbst einbringen. Nun haben die Verantwortlichen eine Auswertung dieser Voten vorgenommen: „Gesucht: Die Pfarrei der Zukunft. Der kreative Prozess im Bistum Essen“ ist das Ergebnis. Herausgegeben von Markus Etscheid-Stams, Björn Szymanowski, Andrea Qualbrink und Benedikt Jürgens ist dieser Band bei Herder erschienen.

Copyright: Herder

Schon das Vorwort des Essener Bischofs Franz-Josef Oberbeck drückt einen ehrlichen Respekt vor diesem Prozess und den Voten der Pfarreien zum Ausdruck. Als Bischof wolle er „lokale Kompetenzen und Verantwortlichkeiten sehr ernst“ nehmen. Was folgt, ist eine detaillierte Zusammenfassung und Auswertung der Voten, flankiert von theologischen Impulsen. Bemerkenswert erscheint hier der Umgang mit dem anstehenden Strukturprozess. Jedes deutsche Bistum wird sich bald – bisweilen sehr bald – mit der Zukunft von Kirche vor Ort beschäftigen müssen. Das Bistum Essen zeigt mit dem Prozess wie auch mit diesem Band, dass dieser Prozess nicht „von oben herab“ verordnet werden muss und kann. Der Band zeigt zudem, dass die theologische Wissenschaft diesen Prozess begleiten und bereichern kann. Für den allgemeinen Leser dürfte sich dieser Band für Impulse sicher eignen, seine wahre Kraft aber dürfte er im Bistum Essen entfalten.

Markus Etscheid-Stams, Björn Szymanowski, Andrea Qualbrink und Benedikt Jürgens (Hg.): Gesucht: Die Pfarrei der Zukunft. Der kreative Prozess im Bistum Essen
Herder 2020, 394 Seiten, EUR 32

Kommentar zum Grundgesetz

Von Benedikt Bögle

Kommentare können gerade im fortgeschrittenen Bereich des Studiums wichtig sein: Man sucht ja manchmal nur die Antwort auf eine sehr detaillierte Frage. Während man in Lehrbüchern oft länger suchen muss und die Antwort vielleicht gar nicht findet, kann man bei einem Kommentar schnell auf das gesammelte Wissen zu einzelnen Normen zurückgreifen. Der große Nachteil von Kommentaren: Regelmäßig sind sie sehr teuer. Günstig kann man allenfalls gebrauchte Kommentare vergangener Jahre bekommen. Anders ist das mit der Reihe „Nomos Kommentar“: Der von Hömig und Wolff herausgegebene Band zum Grundgesetz etwa kostet nur 39 Euro. Dabei bietet er alle wichtigen Informationen, von der Präambel bis zum inkorporierten Recht aus der Weimarer Reichsverfassung. Die Sprache ist gut verständlich, der Umfang zugleich aber begrenzt. Jedem zu empfehlen, der einen handlichen und preisgünstigen Kommentar zum Grundgesetz sucht.

Amadeus Wolff / Dieter Hömig (Hg.): Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Handkommentar
Nomos, 12. Aufl. 2018, 1006 Seiten, EUR 39
Copyright des Bildes: Nomos

Beutler: Johannesevangelium

Von Benedikt Bögle

Allgemein gilt das vierte Evangelium als das „theologischste“: Johannes legt etwa eine dezidierte Christologie vor und beginnt sein Evangelium mit einer Art philosophisch geprägter Vorrede zur folgenden frohen Botschaft. Deshalb ist der Leser des Evangeliums immer wieder auch auf theologische Hilfe angewiesen, die hilft, die Schrift zu entschlüsseln und das Verständnis zu vertiefen. Eine solche Hilfe bietet der Jesuit Johannes Beutler. Sein Kommentar zum Johannesevangelium ist bei Herder erschienen.

Copyright: Herder

Am Beginn des Kommentars steht eine klassische Einleitung in das Evangelium: Wer hat es verfasst? Und wann? Wie ist das Evangelium aufgebaut? Dabei ist das Johannesevangelium für Beutler nicht nur ein historisch zu behandelnder Text; Beutler ist vielmehr von der Aktualität des Evangeliums überzeugt, wenn er schreibt: „Die gegenwärtige Epoche ist gekennzeichnet von einem rapiden Verfall der Plausibilität der christlichen Botschaft, vor allem in den westlichen Industrienationen. Wer neu oder vertieft Zugang zum Glauben sucht, möchte ihn nicht als ein System von weitgehend untereinander unabhängigen Lehrsätzen, sondern als eine einfache Botschaft erleben, die man in einem Grund-Satz zusammenfassen, annehmen und umsetzen kann. Das Vierte Evangelium entspricht in hohem Maße diesem Bedürfnis.“

Der Autor wählt dabei eine klassische Reihenfolge bei der Kommentierung der einzelnen Abschnitte. Am Anfang steht eine Arbeitsübersetzung. Es folgt eine erste kurze Einführung und Einordnung des Textes in seinen Kontext, bevor Beutler in eine detaillierte Auslegung der Bibelstelle einsteigt. Einzelne Verse werden entweder für sich oder in Gruppen zu wenigen Versen zusammengelegt erläutert. Schließlich führt der Autor seine Gedanken zusammen und versucht, die Aussage der Schrift zu aktualisieren, ins Heute zu übersetzen.

Johannes Beutler: Das Johannesevangelium. Kommentar
Herder, 2. Aufl. 2016, 576 Seiten, EUR 75

Vier Frauen und ein Mord

Von Benedikt Bögle

Mrs McGinty starb unerwartet. Ein aufregendes Leben hatte die ältere Dame nicht geführt. Alleine lebte sie in ihrem Haus, ihren Lebensunterhalt verdiente sie damit, im Haushalt wohlhabenderer Familien zu arbeiten – bis sie erschlagen in ihrem Wohnzimmer gefunden wird. Schnell fällt der Verdacht auf den Herren, dem sie eines ihrer Zimmer untervermietet hatte. Er wird zum Tode verurteilt – nur glaubt der zuständige Polizist nicht an seine Schuld. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen an diesem Fall. Etwa, dass die Mordwaffe nicht auffindbar gewesen war. Der Täter scheint sie sehr gut versteckt zu haben – während die beim Mord erbeuteten 30 Pfund nur unzureichend vor der Haustüre verscharrt wurden. Der Kommissar sucht sich Hilfe: Er beauftragt den Meisterdetektiv Hercule Poirot mit der Aufklärung des Mordes – ein weiterer hervorragender Krimi von Agatha Christie: „Vier Frauen und ein Mord“, erschienen beim Atlantik Verlag.

Copyright: Atlantik Verlag

Poirot beginnt zu ermitteln und stößt auf unerwartete Hürden. Auch er glaubt nicht an die Täterschaft des bereits Verurteilten, aber auch er findet ausschließlich Beweise, die in die Richtung des vermeintlichen Mörders weisen. Bis ihm der Durchbruch gelingt: Nur wenige Tage vor ihrem Tod las Mrs McGinty einen Artikel über Verbrecherinnen. Vier Frauen werden vorgestellt, die für ihre Taten gar nicht zur Rechenschaft gezogen wurden oder die Strafe bereits verbüßt haben. Die Frage: Was machen diese Frauen heute wohl? Daneben: Vier Bilder. Es scheint, als hätte Mrs McGinty eines der Bilder erkannt, eine der Verbrecherinnen wohnt in ihrem kleinen beschaulichen Dorf. Als sie ihre Erkenntnis der Zeitung meldet, wird die Täterin aufmerksam. Niemand soll ihre wahre Existenz erfahren – und Mrs McGinty wird erschlagen.

Nur: Wer kommt als Täter in Verdacht? Eine Geschichte beginnt sich zu entfalten, die für Agatha Christie geradezu typisch ist. Der Kreis der Verdächtigen ist mehr als begrenzt, der Detektiv muss überzeugende Kopfarbeit leisten. Wie immer aber kann es mit den vielen Charakteren schnell auch verwirrend werden – schade, dass der Verlag auf eine wenigstens kurze Auflistung der Protagonisten verzichtet hat, die es dem Leser deutlich erleichtern würde, der ansonsten spannenden Handlung zu folgen.

Agatha Christie: Vier Frauen und ein Mord. Ein Fall für Poirot
Atlantik Verlag 2019, 238 Seiten, EUR 12

Es wird wieder Morgen – Begleiter durch die Osternacht

Von Benedikt Bögle

Ostern wird in diesem Jahr für viele Christinnen und Christen nicht so sein, wie sie es gewohnt waren. Viele werden auf die Feier des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Jesu in der gewohnten Form verzichten müssen: Öffentliche Gottesdienste sind nicht mehr möglich und viele werden sich dieser Tage fragen und fragen müssen, wie sie trotzdem das Zentrum ihres Glaubens feiern wollen. Vielleicht wird es den ein oder anderen geben, der alleine oder im Kreis seiner Familie gerade die Osternacht feiern wird – und dabei vielleicht die Vigil neu entdeckt. Die großartigen Lesungen der Osternacht spannen einen großen Bogen von der Erschaffung dieser Welt bis hin zum Ende der Erde wie wir sie kennen. Wer auf der Suche nach einem Begleiter für diese großartigen Texte ist, kann sich an eine Veröffentlichung des Pustet-Verlags halten: „Und es wurde Morgen. Die biblischen Lesungen der Osternacht“, herausgegeben von Georg Steins und Egbert Ballhorn, nähert sich den Texten der Osternacht an.

Copyright: Pustet

Einführende Texte nähern sich zunächst einmal der Gestalt dieser großen Feier der Osternacht an. Dann werden die sieben alttestamentlichen Lesungen erklärt. Am Beginn steht eine Arbeitsübersetzung, dann folgt die Auslegung. Diese Texte sind gerade richtig lang: Man kann sich gut vorstellen, im Kreis der Familie die Lesung vorzutragen und im Anschluss die Gedanken der beiden Theologen vorzulesen. So kann sich in dieser so ungewohnten Situation vielleicht die Bedeutung der vielen Lesungen als Führung durch eine durchwachte und durchbetete Nacht wieder erschließen. Ebenfalls ausgelegt wird die neutestamentliche Lesung, das Halleluja und die Evangelien. Impulse zur Gestaltung der Feier und Predigtmodelle waren wohl in erster Linie für Seelsorger gedacht, die eine Osternachtsfeier in der Gemeinde vorbereiten wollen. Gerade in diesem Jahr kann aber auch das wichtige Impulse für eine Feier im kleinen Kreis, in der Familie oder gar für die Feier alleine bieten. Schon der Titel zeigt: Diese Welt wartet auf einen neuen Morgen. Der aber wird kommen – und das feiern wir Christen an Ostern.

Georg Steins / Egbert Ballhorn (Hg.): Und es wurde Morgen. Die biblischen Lesungen der Osternacht
Pustet 2020, 175 Seiten, EUR 16,95