Strafstation im Referendariat

Von Benedikt Bögle

Copyright: C.F. Müller

Eine gute Anleitung für die Strafstation während des Referendariats ist beim Verlag C.F. Müller erschienen: „Referendarausbildung in Strafsachen“ von Tim Charchulla und Marcel Welzel. Zunächst ist der Band eher auf die Praxis als auf die Klausursituationen zugeschnitten. Den Autoren geht es darum, auf die Tätigkeit bei der Staatsanwaltschaft vorzubereiten und die ersten wichtigen Hinweise für diese Zeit zu geben. Insofern beginnt der Band mit der Ausbildung bei der Staatsanwaltschaft und gibt hier Hinweise zu den Akten, zu den möglichen Verfügungen des Staatsanwalts, schließlich zur Anklageschrift. Ein zweiter Teil beschäftigt sich dann mit der Ausbildung beim Strafrichter – meist geht dieser Aspekt verloren. Eine Ausbildung ist aber – je nach Bundesland – eben nicht nur bei der Staatsanwaltschaft, sondern auch beim Richter am Amtsgericht möglich. Auch zum Strafverteidiger führt der Band praktische Hinweise aus. Am Schluss des Bandes stehen dann Hinweise zu den strafrechtlichen Klausuren. Auf diese Weise verbindet der Band vieles in einem: Wegweiser für die praktische Ausbildung, Anleitung für die Klausuren. Auf nur gut 200 Seiten kann das natürlich nicht jedes Detail abdecken – muss es aber auch nicht. Dieses Buch eignet sich perfekt für den Einsteig in die Strafstation. Wer sich mit diesem Band auseinandersetzt, weiß zumindest grob, was ihn in der praktischen Ausbildung und in den Klausuren erwarten wird. Das weitere Wissen kann darauf aufbauen und sich auf Detailwissen konzentrieren.

Tim Charchulla und Marcel Welzel: Referendarausbildung in Strafsachen
C.F. Müller, 4. Aufl. 2018, 229 Seiten, EUR 24,99

Das gesamte Strafrecht

Von Benedikt Bögle

Copyright: Nomos

In fünfter Auflage ist bei Nomos der Kommentar „Gesamtes Strafrecht“ erschienen. Er fügt sich in die Reihe der Nomos-Handkommentare ein und übernimmt deren typische Gestaltung. Auf knapp 4.000 Seiten werden in erster Linie das Strafgesetzbuch (StGB), die Strafprozessordnung (StPO) und das Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) kommentiert. Das mag zunächst verwundern: Das „gesamte“ Strafrecht erweckt ja den Eindruck, auch Nebengesetze würden kommentiert – etwa das JGG oder auch das BtMG. Das aber ist auch der Fall: Die Herausgeber haben sich hier für einen Aufbau entschieden, der auch aus anderen Kommentaren bekannt ist. Norm für Norm sind die drei großen genannten Gesetze kommentiert. Die Nebengesetze werden sodann nicht unter eigener Überschrift kommentiert, wohl aber im Zusammenhang mit anderen Normen. Die Straftaten nach dem Tierschutzgesetz beispielsweise werden im Zusammenhang mit § 303 StGB (Sachbeschädigung) behandelt, die relevanten Stellen aus dem BtMG im Wesentlichen vor den §§ 211 ff. StGB (Straftaten gegen das Leben).

Dieser Aufbau überzeugt: Würden die zahlreichen Nebengesetze eigens kommentiert, wäre vermutlich jede Übersichtlichkeit verloren. Gleichzeitig ermöglicht der Band ein gutes Zurechtfinden, da am Beginn angegeben wird, an welchen Stellen die strafrechtlichen Nebengesetze einer Kommentierung zugeführt werden. Damit gilt für diesen Band, was auch für die anderen Bände der „Nomos Handkommentar“-Reihe gilt: Sie gehen bei weitem nicht so sehr in die Tiefe, wie andere Kommentare. Dafür aber bieten sie einen schnellen Überblick. Das wird noch unterstrichen durch die optische Gestaltung: Fundstellen aus der Rechtsprechung werden nicht im Fließtext, sondern als Fußnote angeboten. Das steigert die Leserlichkeit erheblich. Gerade preislich sticht die Reihe hervor. Mit 158,00 Euro ist der Band zwar alles andere als billig. Bedenkt man aber, dass schon Fischers Kommentar nur zum StGB (C.H. Beck) knapp 100 Euro kostet, ist die Handkommentar-Reihe von Nomos durchaus preislich im Vorteil – und bietet sich etwa für Studierende an, auch wenn die Nomos-Reihe im Examen kein erlaubtes Hilfsmittel ist.

Dölling/Duttge/König/Rössner (Hg.): Gesamtes Strafrecht. StGB, StPO, Nebengesetze
Nomos, 5. Aufl. 2022, 3740 Seiten, EUR 158

Talberg 1935

Von Benedikt Bögle

Copyright: Heyne

Talberg ist ein kleines, finsteres Dorf. Es liegt nicht weit von Passau entfernt, scheint aber doch in einer ganz eigenen Schattenwelt zu existieren. Die Menschen sind gezeichnet vom harten Kampf mit den wenig fruchtbaren Böden. 1935 – der erste Weltkrieg und seine Auswirkungen sind noch immer spürbar – wird plötzlich der Lehrer des Dorfes tot aufgefunden, gestürzt von einem hohen Aussichtsturm, den er selbst nur kurze Zeit zuvor errichten ließ. Der herbeigerufene Polizist glaubt nicht an einen Unfall noch an einen Selbstmord; seine Ermittlungen werden allerdings von vielen Seiten sabotiert. Das Interesse an einer Aufklärung der Tat scheint in Talberg mehr als gering; es scheint beinahe, als wären finstere Mächte am Zug. Als dann noch zwei weitere Einwohner sterben, lässt sich die Gefahr nicht mehr leugnen. Der Polizist muss gegen viele Widerstände ermitteln. Geheimnisse scheint es überall um ihn herum zu geben – und kaum jemand teilt sein Geheimnis freiwillig mit dem Ermittler.

„Talberg 1935“ ist der erste Teil einer Krimi-Trilogie von Max Korn – unter diesem Pseudonym schreibt ein offenbar erfolgreicher deutscher Schriftsteller. Eindringlich zeichnet er das harte Leben in einem abgeschiedenen niederbayerischen Dorf der 1930er Jahre. Er schildert die Charaktere gekonnt und entwickelt eine spannende Geschichte. Der Leser ahnt mehr und mehr, was zu den Todesfällen geführt haben mag – die Lösung überrascht am Schluss aber doch. Ein grandioser Auftakt für eine Trilogie!

Max Korn: Talberg 1935
Heyne 2021, 396 Seiten, EUR 15

Weihnachten mit Agatha Christie

Von Benedikt Bögle

Copyright: Atlantik

Agatha Christie ist für Kriminalromane bekannt; berühmte Detektive (Hercule Poirot oder Miss Marple) ermitteln und können allein aufgrund intellektueller Anstrengung komplizierte Verbrechen aufklären. Eine ganz andere Seite zeigt die britische Autorin in „Wunderbare Weihnachten“, einem in 2. Aufl. bei Atlantik erschienenen Bändchen, das Weihnachtsgeschichten versammelt. Die Kurzgeschichten sind berührend und tasten sich zum Kern des christlichen Weihnachtsfestes vor: Der Geburt Jesu, des Sohnes Gottes. Die erste Erzählung beispielsweise berichtet von einem Engel, der Maria nur kurz nach der Geburt Jesu dessen Zukunft zeigt. Will sie nicht den Sohn wieder in die Hände Gottes legen, um ihm und sich all das Leid zu ersparen? Am Ende zeigt sich: Eine List Satans, der als Engel die Erlösung durch den Gottessohn abwenden wollte. Auffällig ist, dass das Leid Jesu immer wieder eine Rolle spielt für Christie; sie spart Passion und Kreuz nicht aus. Eine nächste Geschichte erzählt Weihnachten aus der Sicht des an der Krippe stehenden Esels, die abschließende Erzählung des Bandes berichtet dann von der Himmelfahrt Mariens.

Schöne, anrührende Erzählungen sind in dem Bändchen versammelt. Sie drehen sich nicht – wie zeitgenössische Bände das tun – um all das weihnachtliche Beiwerk, um Christbäume und Geschenke, Schnee und Rentiere. Christie stößt zum Kern des Festes vor und fragt – in jeder Erzählung aufs Neue – was es denn heißt, dass Gott bei den Menschen ist. Daher ist es auch schade, dass der Verlag diese Dimension der Erzählungen – bewusst? – außen vor lässt. Das Cover zeigt Schnee, Christbäume, Elch und Geschenke. Der Klappentext berichtet etwas von Christies Phantasie für dasjenige, „was oft neben der Alltagsrealität steht“. Ja, das stimmt, aber dieser Band ist so viel mehr; er versammelt zutiefst von christlicher Hoffnung geprägte Erzählungen, die ihrerseits Mut machen und durch die Weihnachtstage begleiten können.

Agatha Christie: Wunderbare Weihnachten
Atlantik, 2. Aufl. 2021, 95 Seiten, EUR 12

Mord im Skigebiet

Von Benedikt Bögle

Copyright: Heyne

Sebbe hat ein Angebot bekommen, das zu gut klingt: Für wenige Wochen soll er „persönlicher Assistent“ des 17jährigen Fredrik sein, der in ganz Schweden als Klavierspieler bekannt ist. Fredrik sitzt im Rollstuhl; Sebbe bemerkt aber bald, dass der Teenager eigentlich gar keine Hilfe braucht. Er soll ihm vielmehr Gesellschaft leisten: Die Eltern arbeiten viel und haben gerade vor Weihnachten viele Termine in ihrer Event-Agentur. Sebbe beschleicht das Gefühl, dass etwas nicht stimmt in dem Luxus-Haus, in dem er seine Arbeit zu tun hat. Fredrik ist deutlich selbstständiger, als auch seine Mutter glaubt. Ist er überhaupt eingeschränkt? Die Situation wird immer gefährlicher für Sebbe. Am Ende bezahlt er mit dem Leben: Leblos wird er am Fuß eines Hanges aufgefunden, scheinbar hat er sich verlaufen und ist in der Nacht in die Tiefe gestürzt. Ein bedauernswerter Unfall.

Wie es der Zufall will, ist auch Cilla Storm mit ihrer Freundin Rosie vor Ort. Sie verbringt die Weihnachtsfeiertage im berühmten Skigebiet Idre Fjäll; Rosie ist dabei, als die Leiche gefunden wird. Erst denken sich die beiden nichts, bald aber kommen sie einigen Ungereimtheiten auf die Spur. Ist die Familie von Fredrik wirklich so erfolgreich und glücklich, wie es nach Außen scheint? War der Sturz von Sebbe wirklich nur ein Unfall – oder wurde er womöglich gestoßen? Wie immer kommen die beiden der Wahrheit auf der Spur.

„Schwedischer Todesfrost“ ist der dritte Krimi von Christoffer Holst um Cilla und Rosie. Wie auch in den beiden Bänden zuvor, kann der Plot überzeugen. Der Autor baut die Spannung immer weiter auf und schafft es, verschiedene Handlungsstränge am Ende zusammenzuführen. Im Vergleich zum zweiten Band der Reihe hat auch der Kitsch abgenommen – trotzdem bleibt auch hier das Gefühl, der Autor könnte aus seiner wirklich guten Idee noch mehr Spannung herausholen. Trotzdem: Eine spannende Geschichte!

Christoffer Holst: Schwedischer Todesfrost
Heyne 2021, 316 Seiten, EUR 10,99

Ebenfalls vom Autor erschienen:
Gefährliche Mittsommernacht
Mörderischer Nordwind

Über den Ursprung der kirchlichen Ämter

Von Benedikt Bögle

Copyright: Herder

Isidor von Sevilla zählt zu den wichtigen Autoren der frühen Kirche; er lebte am Übergang der Antike zum Frühmittelalter und war neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit Bischof im spanischen Sevilla. Bei Herder ist in der Reihe „Fontes Christiani“ nun ein eher unbekanntes, aber sehr erhellendes Werk erschienen: „De origine officiorum“ – „Über den Ursprung der kirchlichen Ämter“. Die Übersetzung samt ausführlicher Einführung ist von Gerd Kampers besorgt. Das Werk selbst gliedert sich in zwei Teile, die sich mit den kirchlichen Ämtern beschäftigen. Dabei kommt im Lateinischen eine gewisse Doppeldeutigkeit zum Ausdruck, die auch den Inhalt des Buches selbst prägt: „Officum“ kann ein kirchliches Amt wie etwa das des Bischofs bezeichnen; ebenfalls aber kann damit eine liturgische Handlung gemeint sein: „Amt“ ist dann so gemeint wie im deutschen „Hochamt“. In seinen einführenden Worten stellt Gerd Kampers fest: „Die schmale Schrift De origine officiorum des berühmten Bischofs Isidor von Sevilla ist, anders als der Titel vermuten lässt, nicht nur eine Darstellung der christlichen Liturgie und der kirchlichen Ämter, sondern ein anschauliches Dokument der liturgischen Gebräuche, des Klerus, der Mönche, Nonnen, Eheleute und Witwen, das aufschlussreiche Einblicke in das gesellschaftliche Leben im Hispano-gallischen Wisigotenreich der ausgehenden Spätantike im 6./7. Jahrhundert n.Chr. ermöglicht.“ (S. 7).

Das Büchlein liest sich geradezu wie ein Lexikon. Isidor präsentiert verschiedene Begriffe und erläutert sie. Dabei bringt der Autor auf sehr wenig Raum sehr viel Inhalt unter. Es geht um die Autoren der einzelnen biblischen Bücher ebenso wie um das Stundengebet, über die Feste der Kirche wie um die einzelnen Dienste innerhalb der Gemeinde. „Auf den Punkt“ würde man eine derartige Darstellung heute nennen; stilistisch kann sie durchaus Vorbildcharakter haben für alle, die einen Sachverhalt in kurzen Worten darzustellen haben. Die Edition ist sehr lesenswert; das liegt auch den zwar kurz gehaltenen, aber sehr hilfreichen Erläuterungen des Herausgebers.

Isidor von Sevilla: De origine officiorum – Über den Ursprung der kirchlichen Ämter
Fontes Christiani 95 – Eingeleitet und übersetzt von Gerd Kampers
Herder 2021, 283 Seiten, EUR 43

Schott für Advent und Weihnachten

Von Benedikt Bögle

Der Verlag Herder hat sein Angebot in der Schott-Reihe jüngst erweitert: Neben den bisherigen liturgischen Büchern für die Sonntage nach den Lesejahren (A, B und C). und einem komprimierten Band für die Kar- und Osterwoche ist nun auch der „Schott Advent und Weihnachtszeit“ erschienen. Der Band ist eine hervorragende Hilfe für alle, die im Advent und in der Weihnachtszeit die Gottesdienste der Kirche feiern. Enthalten sind zunächst die die Adventssonntag, hier mit den Lesungen der Lesejahre A, B und C und den jeweiligen liturgischen Gebeten. Für jeden Sonntag ist zudem eine kurze Hausandacht enthalten, ebenso ein Messformular für eine Rorate-Messe und kurze Andachten zu den O-Antiphonen ab dem 17. Dezember. Es folgen die Formulare für die Weihnachtstage bis hin zur Taufe des Herrn, wiederum ergänzt durch eine häusliche Andacht am Heiligen Abend, einen Hausgottesdienst zu Epiphanie und die Vesper am Weihnachtstag. Besonders schön: Auch die Ankündigung des Weihnachtsfestes aus dem Martyrologium Romanum findet sich in dem Band – gar auf Latein und Deutsch. Dieser Band der Schott-Reihe ist besonders gut gelungen. Er verbindet das aus den „klassischen“ Schott-Bänden bekannte mit neuen Elementen. Dieses kleine Büchlein kann in jedem Jahr wieder verwendet werden und viele Dienste leisten. Die wirklich nur als hervorragend zu bezeichnende Einführung von Stephan Wahle tut ihr Übriges.

Schott Advent und Weihnachtszeit
Herder 2021, 278 Seiten, EUR 22

Die Tochter der Vercingetorix

Von Benedikt Bögle

Copyright: Egmont Ehapa

Die große Gestalt des Vercingetorix war für die unbeugsamen Gallier schon immer wichtig: Asterix, Obelix und ihre Freunde verehren den großen Feldherren, verherrlichen seine Siege, schweigen aber auch gerne über seine Niederlage. Im Asterix-Band „Die Tochter des Vercingetorix“ wird das ganze Drama gallischer Freiheitsbestrebungen erneut aufgegriffen: Der große Held hinterließ eine Tochter, die für kurze Zeit bei den Galliern unterkommen soll, bis sie außer Landes gebracht wird. Das aber gestaltet sich schwieriger als gedacht: Wie der Vater verspürt auch die Tochter einen ausgeprägten Freiheitsdrang. Am Ende gelingt es ihr, zu entwischen – dadurch aber bringt sie sich in noch größere Schwierigkeiten. Asterix und Obelix aber können natürlich wie immer die Lage klären. „Die Tochter des Vercingetorix“ ist ein klassischer Asterix-Band mit viel Humor, leisen Anspielungen – wie immer beste Unterhaltung.

Jean-Yves Ferri / Didier Conrad: Die Tochter des Vercingetorix
Egmont Ehapa 2019, 48 Seiten, EUR 6,90

Lehren aus Corona

Von Benedikt Bögle

Copyright: C.H. Beck

Die Corona-Pandemie hat Schwächen des deutschen Staates offengelegt. Die Bevölkerung musste erleben, wie der föderale Staat es plötzlich bedingte, dass die Regelungen an den innerdeutschen Landesgrenzen teilweise erheblich variierten. Die Bedingungen für die Lockdowns waren bisweilen unübersichtlich. In den Schulen waren lange und sind noch immer Luftfiltersysteme Mangelware. Was also hat Deutschland aus der Pandemie zu lernen? Dieser Frage geht der Wirtschaftswissenschaftler Moritz Schularick in seinem bei C.H. Beck erschienenen Buch nach: „Der entzauberte Staat. Was Deutschland aus der Pandemie lernen muss“. Wen würde es wundern: Der Autor denkt vor allem aus der volkswirtschaftlichen Perspektive heraus. Besonders eindringlich bleibt das Plädoyer, der Staat hätte mehr investieren müssen. Warum etwa, fragt der Autor, hat der Staat nicht Biontech unterstützt, um mehr Impfdosen in kürzerer Zeit produzieren zu können? Bei wirtschaftlicher Betrachtung hätte das die Lockdowns verkürzen können, die dem deutschen Staat mehr kosteten als es eine Investition in das Pharmaunternehmen je hätte.

Woran lag das Zögern? Nicht am Geld, befindet Schularick. „Es war der Gang ins Ungewisse, vor dem das Ministerium zurückschreckte. Es fehlte die Bereitschaft proaktiv Risiken einzugehen, die letztlich zu mehr Sicherheit geführt hätten.“ (S. 123). Der vorliegende Band wird so auch zu einem Plädoyer für mehr wirtschaftlichen Wagemut. In den kommenden Monaten und Jahren muss Deutschland zwingend aus der Pandemie lernen. Das wird ganz unterschiedliche Bereiche betreffen. Verfassungsrechtler werden sich die Frage stellen müssen, wie in Zukunft der Bundestag zusammentreten kann, wenn es – wie in der Pandemie – unmöglich ist, alle Parlamentarier in einem Raum zu versammeln. Gesundheitsexperten werden über die Zukunft deutscher Gesundheitsämter befinden müssen, ebenso über den Zustand der Intensivstationen. Doch auch wirtschaftspolitische Fragen müssen angegangen werden. Schularick mahnt: „Es ist erneut an der Zeit für einen Ruck in Deutschland. Es gibt keinen Grund zu trödeln. Die Einsichten aus dem letzten Jahr sind noch frisch: Die Pandemie hat der Gesellschaft einen Spiegel vorgehalten. Wir waren alle Teil eines gesellschaftlichen Großversuchs und haben mit eigenen Augen gesehen, wo die Probleme liegen.“ (S. 121).

Moritz Schularick: Der entzauberte Staat. Was Deutschland aus der Pandemie lernen muss
C.H. Beck 2021, 140 Seiten, EUR 14

Weihnachten bei Kluftingers

Von Benedikt Bögle

Copyright: Ullstein

Kommissar Kluftinger ist überfordert: Wenige Tage vor dem Heiligen Abend stürzt Ehefrau Erika beim Christbaumschmücken von der Leiter und muss ins Krankenhaus. Es liegt jetzt an Kluftinger selbst, die Weihnachtsvorbereitungen zu übernehmen. Er soll den Christbaum schmücken, die Einkäufe fürs Fest erledigen und noch dazu für Erika den Verkauf von Glühwein auf dem Christkindlmarkt stemmen. Der Kommissar macht sich ans Werk – scheitert aber mit jeder einzelnen Aufgabe. Noch dazu bekommt er Besuch von seinem japanischen Schwiegervater, der das Chaos nur noch weiter steigert. „Morgen, Kluft, wird’s was geben“ ist eine Weihnachtsgeschichte der beiden Krimi-Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr. Sie schildern in 24 kleinen Kapitel – sehr treffend mit „Katastrophen“ überschrieben – das Chaos, das Kluftinger vor Weihnachten anrichtet. In der gewohnt unterhaltsamen Art schaffen sie ein schnell zu lesendes Büchlein. Wie bei allen Kluftinger-Bücher ist man sich an einigen Stellen nicht so ganz sicher, ob man lachen oder sich nicht doch eher für den tollpatschigen Kommissar fremdschämend soll. Durch die 24 kleinen Kapitel kann man das Buch wie einen Adventskalender lesen – aber ohne Probleme lässt sich diese Kurzgeschichte auch am Stück lesen.

Volker Klüpfel / Michael Kobr: Morgen, Kluft, wird’s was geben. Eine Weihnachtsgeschichte
Ullstein 2021, 141 Seiten, EUR 14