Internationales Privatrecht

Von Benedikt Bögle

Copyright: C.F. Müller

Das internationale Privatrecht (IPR) erfreut sich unter Studenten keiner großen Beliebtheit; in manchen Bundesländern – wie etwa in Bayern – gehört es nicht zum Pflichtstoff und kann allenfalls Teil eines Schwerpunktes sein. Gleichzeitig steigt die Bedeutung des Internationalen Privatrechts: In einer globalisierten Welt gibt es immer mehr Sachverhalte mit internationalem Bezug. Dann stellt sich zwangsläufig die Frage: Welches Recht ist hier anzuwenden? Diese Frage beantwortet das internationale Privatrecht. Wer sich kurz und knapp in die Materie einarbeiten will, sollte sich an einen Band aus der Reihe „JURIQ“ von C.F. Müller halten: „Internationales Privatrecht“ von Klaus Krebs bietet eine hervorragende Einführung in das Internationale Privatrecht. Zunächst behandelt der Autor den „allgemeinen Teil“ des IPR – also die gemeinsamen Vorschriften. Dann folgen die besonderen Teile, also das internationale Familien- und Erbrecht, das Gesellschaftsrecht, das Vertragsrecht. Am Ende geht Klaus Krebs noch auf die internationale Zuständigkeit ein. Der Autor bietet ein hervorragendes, knappes, an Beispielen reiches Lehrbuch zum Internationalen Privatrecht, das zur ersten Einarbeitung nur empfohlen werden kann.

Klaus Krebs: Internationales Privatrecht
C.F. Müller, 3. Aufl. 2019, 145 Seiten, EUR 19

Familien- und Erbrecht

Von Benedikt Bögle

Copyright: C.F. Müller

In der Reihe „JURIQ Erfolgstraining“ ist bei C.F. Müller der Band zu „Familien- und Erbrecht“ von der Richterin am BGH Dr. Ute Brenneisen erstellt worden – und sehr zu empfehlen. Die erste Hälfte dieses Bandes widmet sich dem Familienrecht. Und während viele für Studenten konzipierte Darstellungen hier sehr oberflächlich bleiben – in manchen Reihen ist zum Familienrecht gar nichts vorgesehen – schafft es Dr. Brenneisen hier hervorragend, auf einem Raum von nur gut 100 Seiten auch etwas detailliertere Fragestellungen aus dem Familienrecht zu präsentieren. Gleiches gilt für die zweite Hälfte des Bandes, die dem Erbrecht vorbehalten ist. Gerade hier überzeugt die Autorin mit zahlreichen kurzen Fällen, die sehr gut gelöst sind. Der ganze Band folgt einem überzeugenden und übersichtlichen Aufbau. Immer wieder werden ganz im Sinne der Reihe Aufbauschemata geboten. Die Sprache ist durchweg klar und verständlich, die Beispiele gut gewählt, die im Familien- und Erbrecht unausweichlichen Rechnungen übersichtlich. Mit diesem Band kann man hervorragend in da Familien- und Erbrecht einsteigen!

Ute Brenneisen: Familien- und Erbrecht
C.F. Müller, 4. Aufl. 2020, 225 Seiten, EUR 20

Der Schlüssel zum Erbrecht

Von Benedikt Bögle

Einen hervorragenden Start ins Erbrecht bietet der bei C.F. Müller erschienene Band „Erbrecht“ aus der Reihe „Start ins Rechtsgebiet“ – symbolisch sehr passend mit einem Schlüssel versehen. Das passt wirklich gut: Dieser Band dient als Schlüssel in die Materie des Erbrechts; hier kann erstes Wissen schnell und übersichtlich erlangt werden. Erarbeitet wurde der Band von Saskia Lettmaier, die damit das Werk von Karl-Heinz Gursky fortführt. Im Vorwort schreibt die Autorin: „Die Reihe verfolgt dabei kompromisslos das Ziel, dem Leser durch eine besonders intensive Strukturierung des Textes und die Art seiner drucktechnischen Gestaltung, die Informationsaufnahme und das Einprägen des Gesagten zu erleichtern.“ Und kurz darauf: „Studenten des Grundstudiums können sich so unschwer auf die Erarbeitung eines Überblicks über das Rechtsgebiet beschränken. Umgekehrt eignet sich das Buch aber auch für denjenigen, der sich im Rahmen der universitären Schwerpunktbereichsprüfung vertiefter mit dem Erbrecht bzw. der erbrechtlichen Gestaltung befasst.“

Copyright: C.F. Müller

Dem ist tatsächlich nichts mehr hinzuzufügen. Der Band führt sehr sachte in das Erbrecht ein, ohne bei allzu oberflächlichen Informationen stehen zu bleiben. Die Autorin bietet Fälle, wo es sinnvoll ist, überfrachtet ihre Einführung aber nicht durch zu viele Fälle. Gleichzeitig werden für kompliziertere Fälle Stammbäume geboten. An Übersichtlichkeit bleibt somit nichts zu wünschen übrig und gleichzeitig ist die Auswahl des Stoffes sehr gelungen. Einzig zu wünschen wäre noch eine Zusammenstellung von Definitionen und Schemata. Die werden schließlich in jeder Klausur und von jedem Studenten ohne Kompromiss erwartet – dann dürfte man aber umgekehrt auch erwarten, diese in einer übersichtlichen Weise geboten zu bekommen. Gleichwohl bleibt dies der einzige Wermutstropfen eines ansonsten hervorragenden Werkes.

Karl-Heinz Gursky / Saskia Lettmaier: Erbrecht
C.F. Müller, 7. Aufl. 2018, 206 Seiten, EUR 19,99

Der unfehlbare Papst

Von Benedikt Bögle

Als vor 150 Jahren – im Jahr 1870 – das Erste Vatikanische Konzil stattfand, stand ein Themenkomplex im Mittelpunkt der Beratungen wie auch der öffentlichen Wahrnehmung: Die dogmatische Definition der Unfehlbarkeit des Papstes. Umstritten war dabei vieles: Sollte ein solches Dogma überhaupt verkündet werden? War eine Unfehlbarkeit des Papstes biblisch und aus der Tradition heraus zu begründen? Und wenn ja: Ist der Papst aus sich heraus unfehlbar oder nur, wenn und soweit er in Übereinstimmung mit dem Bischofskollegium handelt? Dass sich verschiedene Parteien unter den Konzilsvätern bildeten, ist verständlich. Eine wichtige Rolle nahm dabei auch Papst Pius IX. ein, der Partei für diejenigen Bischöfe ergriff, die heftig für das neue Dogma kämpften.

Copyright: C.H. Beck

Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf hat über diesen Papst nun eine Biographie vorgelegt. Wolf zeichnet dabei ein ambivalentes Bild eines ambivalenten Menschen. Giovanni Mastai Ferretti, der spätere Pius IX., litt unter epileptischen Anfällen. „Eigentlich hätte Mastai Ferretti die geistliche Laufbahn überhaupt nicht einschlagen können“ (S. 310). Zu groß schien die Gefahr, der Priester könnte während der Messfeier einen Anfall erleiden und die gewandelten Gaben von Brot und Wein könnten auf den Boden fallen. Ein Dispens machte die geistliche Laufbahn trotzdem möglich. Wolf meint dazu: „Ob es sich bei diesem Schritt um eine Berufung zum Priestertum oder eher um eine Notlösung handelte, ist umstritten.“ (S. 63) Gleichwohl wurde Mastai Ferretti Priester, Bischof, schließlich Papst. 

Obwohl Mastai Ferretti kein Liberaler oder gar Reformer gewesen sei, wurde er zu einem solchen stilisiert. Gerade die römische Bevölkerung setzte große Hoffnung in ihren neuen Papst und weltlichen Herrscher. „Einen liberalen Papst Pius IX. hat es nie gegeben. Er existierte allenfalls in den Wunschvorstellungen der Reformer, in den Wunschträumen der Kämpfer für die nationale Einigung Italiens und nicht zuletzt in den Texten und Liedern italienischer Dichter.“ (S. 180). Und so erwies sich Pius IX. sowohl politisch als auch theologisch als eher konservative Natur. Als er 1854 die unbefleckte Empfängnis Mariens dogmatisierte, wischte er alle theologischen Bedenken fort und legte einen ersten Grundstein für ein neues Verständnis päpstlicher Unfehlbarkeit. 

Insofern spricht Wolf von einer „Erfindung des Katholizismus“: Ein veränderter Blick auf die Vergangenheit impliziere einen „Einheitskatholizismus vor der Katastrophe von 1789“ (S. 151). In seinem neuen Buch nähert Wolf sich der Person und Bedeutung Pius IX. Er tut dies auf sachliche Art und verzichtet auf viele seiner eher polemischen oder zynischen Formulierungen, die man von Hubert Wolfs Publikationen gewohnt ist. Vielmehr zeichnet Wolf sehr überzeugend das Bild eines Papstes, der von den einen als charismatische Figur gefeiert, von anderen für psychisch krank gehalten wird. Hubert Wolf erliegt der Versuchung eindeutiger Zuordnungen nicht. Er schreibt so weder eine Hagiographie noch eine Verdammung, sondern das sehr lesenswerte Bild eines Menschen, der nicht schwarz war noch weiß, sondern von beiden Farben etwas hatte.

Hubert Wolf: Der Unfehlbare. Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert. C.H. Beck 2020, 432 Seiten, EUR 28

Das Grab der Jungfrau

Von Benedikt Bögle

Amerikanische Wissenschaftler haben einen alten Papyrus gefunden: Es handelt sich dabei um einen Brief, in dem der Apostel Johannes einem Glaubensbruder mitzuteilen scheint, dass Maria, die Mutter Jesu, gestorben ist. In diesem Brief teilt er auch den Ort ihres Grabes mit. Die Wissenschaftler horchen auf: Dieser Brief würde belegen, dass Maria nicht, wie es der katholische Glaube bekennt, nach ihrem Tod in den Himmel aufgenommen wurde – sondern begraben wurde. Die Brisanz ist deutlich – und fordert ein erstes Opfer. Einer der Entdecker wird getötet. Sein Kollege William Oakbridge bricht sofort nach Rom auf, um in den vatikanischen Archiven nach dem Gegenstück seines Brieffragments zu suchen. Er erhofft sich Hilfe von seinem alten Freund Montebello und dessen ehemaligen Vorgesetzten, Kardinal Ambroso. Doch aus einem wissenschaftlichen Sensationsfund wird bald eine ebenso gefährliche wie spannend Jagd: Ein Geheimbund will sich unbedingt den alten Brief verschaffen – ebenso wie zwei Unbekannte, denen tatsächlich ein Diebstahl gelingt.

Copyright: C.H.Beck

Stefan von der Lahr hat mit „Das Grab der Jungfrau“ einen sehr rasanten, packenden, bis zu letzt spannenden Kriminalroman geschaffen, der auf voller Linie begeistert. Bis zur Auflösung ist die Rollenverteilung sehr unklar: Wer kämpft hier eigentlich gegen wen? Wer sind die geheimen Hintermänner? Dabei spart von der Lahr auch nicht mit grandiosen Überraschungen; immer weitere Wendungen lassen diesen Roman nie zur Ruhe kommen, lassen ihn mit jeder Seite spannender werden. Der Plot erinnert bisweilen etwas an Dan Brown: Ein wissenschaftliches Geheimnis droht den Glauben der katholischen Kirche zu erschüttern – und diverse Kräfte wenden sich gegen die Veröffentlichung dieses Geheimnisses. Nur: Von der Lahr kann bei weitem mehr überzeugen als Dan Brown. Nicht nur kennt sich von der Lahr deutlich besser mit der katholischen Kirche aus. Er spart sich auch das ständige Bedienen antikatholischer Ressentiment Browns und muss auch nicht in dessen Stil ewiggestrige Geschichten aufwärmen. Sein Plot – wurde die Gottesmutter wirklich begraben? – ist in dieser Form neu. Seine Auflösung überrascht den Leser und begeistert insbesondere den katholischen Leser.

Subtil, ohne einen direkt moralisierenden Ansatz, vermag der Autor zudem grundsätzliche Fragen zu diskutieren: Was bedeutet Menschen ihr Glauben? Wie weit sind sie für ihn zu gehen bereit? Was ist eigentlich der Kern des christlichen Glaubens? Bis zum Schluss scheut man ein wenig davor zurück, moralische Urteile über die Protagonisten dieses Romans zu fällen. Von der Lahr muss sich keiner holzschnittartigen Charaktere bedienen, die nur in schwarz und weiß gezeichnet würden. Die besondere Stärke des Autors zeigt sich nicht nur in der genialen Geschichte, sondern eben auch im Mit- und Gegeneinander seiner Protagonisten. „Das Grab der Jungfrau“ ist der zweite Roman des Autors, der bei C.H. Beck erscheint. Bereits erscheinen ist „Hochamt in Neapel„. Nach „Das Grab der Jungfrau“ kann man sicher sein: Von diesem Autor wird man noch einiges hören – und er wird wieder begeistern.

Stefan von der Lahr: Das Grab der Jungfrau
C.H. Beck 2020, 400 Seiten, EUR 19,95

Kluftingers ältester Fall

Von Benedikt Bögle

Noch immer muss Kommissar Kluftinger über einem alten Fall brüten: 1985 wurde eine junge Lehrerin getötet und in einem „Funkenfeuer“ verbrannt. Kluftinger hatte damals bereits ermittelt und einen Verdächtigten festgenommen, der für die Tat auch verurteilt wurde. Nur: Der Verurteilte hat die Tat nicht begannen, Kluftinger muss noch vor dem Tod des vermeintlichen Mörders seinen Irrtum einsehen und macht sich schwere Vorwürfe. Umso wichtiger ist ihm dieser Fall, umso dringender will er den wahren Täter finden. Seine Ermittlungen konzentrieren sich bald auf eine Clique damals Jugendlicher, deren Klassenlehrerin das Mordopfer war. Irgendetwas haben sie mit dem Mordfall zu tun – aber ist unter ihnen auch der Täter, von heimlicher Liebe zum Mord getrieben? Der Fall kommt ins Rollen, als einer der Beteiligten Selbstmord begeht. Zumindest sollen die Ermittler an einen Selbstmord glauben – in Wahrheit haben die Schuldigen von damals wieder gemordet.

Copyright: Ullstein

Für einen Kluftinger-Roman bleibt „Funkenmord“ tatsächlich bis zum Schluss spannend. Kluftinger ermittelt nicht nur, sondern muss – auch das keine Neuheit vom Autorenduo Klüpfel und Kobr – auch privat einiges regeln. Seine Frau Erika leidet unter Depressionen, der Kommissar muss eigenständig mit einer Waschmaschine umgehen, ist erstaunt über die Preise eines Thermomix und gibt sich einmal mehr seiner Vorliebe für Kässpatzen hin. Zugleich gibt es auf dem Kommissariat eine neue Kollegin, die als Ersatz für den im letzten Band getöteten Strobl dienen soll und den Männerhaufen ein wenig durcheinanderbringt. Es wirkt, als würde Kluftinger immer mehr zu einem Menschen. Während er in den ersten Bänden eigentlich nur eine wandelnde Parodie, eine völlig überzeichnete Witzfigur war, kann man mittlerweile so etwas wie einen Charakter erahnen. Das ist erfreulich. Gleichzeitig rekurriert dieser Band immer wieder auf den Vorgänger, „Kluftinger“ (2019). Selbst wer diesen Band gelesen hat, dürfte sich nicht mehr an alle Details erinnern. Das macht es teilweise schwer, der Erzählung ganz zu folgen. Insgesamt aber: Ein spannender und sehr kurzweiliger Roman.

Klüpfel / Kobr: Funkenmord. Kluftingers neuer Fall
Ullstein 2020, 489 Seiten, EUR 22,90

Coronavirus: „Trotzdem“

Von Benedikt Bögle

Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge unterhalten sich über einen Instant-Messaging-Dienst. Zwei Juristen und Schriftsteller chatten Ende März unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. Entstanden ist daraus der Band „Trotzdem“, der bei Luchterhand erschienen ist. Es handelt sich dabei um Gespräch über das Virus und seine Auswirkungen auf das gesellschaftliche und politische Leben. Dabei ist es schon schwierig, überhaupt anzugeben, worüber sich Schirach und Kluge unterhalten. Dieser sehr kleine Band umfasst 75 Seiten; gesprochen wird über die Ursache und Verbreitung des Virus, die Grundrechtsdogmatik des Bundesverfassungsgerichts, den Gang nach Canossa, die Entwicklung der Staatsphilosophie, über Nähe und Distanz in Zeiten der Ausgangssperre, über Sicherheit, Freiheit und Krieg. Man mag es schon erahnen: Werden derart viele Themen auf so knappem Raum behandelt, kann sich dahinter nur schwerlich eine gewisse Tiefe verbergen. Und so kommt es dann auch.

Copyright: Luchterhand

Irgendwie ist das natürlich nicht erstaunlich. Auch Gespräche haben es in sich, dass von einem Thema schnell auf das andere übergesprungen wird. Es ist ja ganz normal, dass ein Gedanke im Redefluss unterbrochen, später wieder aufgegriffen, schließlich fallen gelassen wird. Man hätte sich gleichwohl ein wenig mehr Redaktion, einen roten Faden in diesen Gesprächen gewünscht. Schöne Ansätze werden ja immer wieder sichtbar. So ist der Einstieg vielversprechend: Schirach erklärt herrlich einfach und anschaulich, unter welchen Bedingungen in ein Grundrecht eingegriffen werden kann: Um ein legitimes Ziel zu verfolgen und indem ein geeignetes, erforderliches und angemessenes Mittel ergriffen wird. Leider bricht auch hier das Gespräch viel zu früh ab. Man würde sich wünschen, dieser Band wäre vielleicht drei- oder vier mal so dick. Dann hätten viele Themen deutlich besser, strukturierter und eingehender behandelt werden können.

Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge: Trotzdem
Luchterhand, 5. Aufl. 2020, 75 Seiten, EUR 8

Der Schott für das Lesejahr B

Von Benedikt Bögle

Copyright: Herder

Bei Herder ist nun auch das „Schottmessbuch“ für das Lesejahr B erschienen. Nachdem in den beiden vergangenen Jahren die entsprechenden Bände für die Jahre A und C erschienen waren, ist die Reihe nun komplett aktualisiert mit der neuen Übersetzung der Bibeltexte erhältlich. Wie gewohnt enthält der Schott die Messtexte für alle Sonn- und Feiertage, kombiniert mit Einführungen zu den Sonntagen, den einzelnen Lesungen und einem kurzen, abschließenden Impuls. Der Schott bleibt damit ein Klassiker, der auch in der Zukunft unentbehrlich sein wird: Für alle, die in den Gottesdiensten eine Rolle übernehmen, aber auch für alle Katholikinnen und Katholiken, die sich auf die Feier des Gottesdienstes vorbereiten möchten. Dieser Klassiker ist nur zu empfehlen.

Schott Messbuch für die Sonn- und Festtage des Lesejahres B
Herder 2020, 837 Seiten, EUR 25

Das Geheimnis der vier Briefe

Von Benedikt Bögle

Vier Menschen bekommen einen Brief, in dem sie des Mordes an einem gewissen Barnabas Pandy bezichtigt und aufgefordert werden, sich bei der Polizei zu stellen. Unterzeichnet ist der Brief vom Meisterdetektiv Hercule Poirot – der aber kennt weder das vermeintliche Mordopfer noch die vier Adressaten der Briefe, die der belgische Detektiv selbst nicht unterzeichnet hat. Was soll dieses seltsame Spiel? Tatsächlich verstarb mehrere Wochen zuvor ein gewisser Barnabas Pandy. Der alte Mann starb in seiner Badewanne, auf einen Mord wies nichts hin. Das alles stellt Hercule Poirot vor mehrere Rätsel: Wurde Barnabas Pandy das Opfer eines Mordes? Wieso aber weist der anonyme Briefeschreiber Poirot dann nicht einfach auf das unentdeckte Verbrechen hin, sondern fingiert vier Briefe des Detektivs? Geht es dem Autor einfach nur darum, seine wahre Identität zu verschleiern oder möglichst viel Aufmerksamkeit zu erlangen? Und am wichtigsten: In welchem Zusammenhang stehen die vier Empfänger der Briefe? 

Copyright: Atlantik

Unterstützt wird Hercule Poirot bei seinen Ermittlungen von einem Polizeibeamten und dem Vater eines der Mordverdächtigen. Zu dritt gehen sie verschiedene Möglichkeiten durch – bis Poirot am Ende natürlich den Fall meisterhaft löst. Autorin dieses Bandes ist nicht Agatha Christie selbst, vielmehr entstand dieser Roman erst im Jahr 2018 und wurde von Sophie Hannah verfasst. Die Autorin schafft es tatsächlich, den Stil Christies meisterhaft zu imitieren. Der Hang zu verworrenen Familiengeschichten, zu einem möglichst unblutigen und undurchschaubaren Mord, die völlig überraschende Lösung am Ende des Falles – all das weist direkt auf Agatha Christie selbst hin. Hier ist ein durchaus packender Roman entstanden, der – anders könnte es gar nicht sein – bis zuletzt überraschen kann.

Sophie Hanna / Agatha Christie: Das Geheimnis der vier Briefe
Atlantik 2020, 365 Seiten, EUR 12

Poirots erster Fall

Von Benedikt Bögle

Emily Inglethorp ist tot. Sie starb an den Folgen einer Vergiftung. Ihre Verwandtschaft glaubt schnell, den Mörder zu kennen: Ihren Mann Alfred, der allen von Anfang an suspekt war und der, so meinen die Hinterbliebenen, aus Geldgier seine Frau getötet hat. Nur Beweise für diesen Mord fehlen. Eine passende Fügung, dass sich Hastings im Landsitz des Opfers befindet. Er wiederum kennt den berühmten Meisterdetektiv Hercule Poirot, der – wie es der Zufall will – im benachbarten Dorf weilt. Poirot übernimmt willig die Ermittlungen. Die aber gestalten sich schwieriger als gedacht. Zu viele Personen haben ein Motiv, immer mehr Personen erscheinen des Mordes verdächtig. Der Verdacht gegen den Ehemann lässt sich bald entkräften – für den Zeitpunkt des Mordes hat er ein Alibi. Im Gegenzug dazu weisen immer mehr Verdachtsmomente auf den Sohn des Verstorbenen hin. Nur Hercule Poirot kann diesen Fall lösen. 

Copyright: Atlantik

„Das fehlende Glied in der Kette“ ist der erste Roman um Hercule Poirot aus der Feder von Agatha Christie. Und schon in diesem Band entwickelte die Autorin Motive, die in allen Romanen um den belgischen Ermittler eine Rolle spielen werden: Das Problem verschlossener Räume, die zunächst scheinbare Evidenz des Falles, die vertrauliche wie befremdliche Persönlichkeit des Ermittlers, die überraschende Lösung am Ende des Falles.“Das fehlende Glied in der Kette ist so etwas wie die Blaupause zu vielen weiteren Romanen. Die Brillanz etwa des „Mordes im Orientexpress“ erreicht dieser Band noch nicht. Dennoch ist er unterhaltsam und zeigt alle typischen Charakteristika eines echten Agatha-Christie-Krimis.

Agatha Christie: Das fehlende Glied in der Kette
Atlantik 2020, 224 Seiten, EUR 20