Bereicherungsrecht im Mehrpersonenverhältnis

Von Benedikt Bögle

Das Bereicherungsrecht wird im BGB eigentlich nur innerhalb weniger Paragraphen behandelt – von § 812 bis § 822. Und dennoch ist die Literatur zu diesem eigentlich so kurzen Abschnitt kaum zu erfassen. Viele Fragen bleiben auch bei Lektüre des Gesetzestextes offen – das zeigt etwa die „Saldotheorie“, die unbillige und gegen die Wertung des Gesetzgebers verstoßende Rechtsfolgen der §§ 812 ff. zu umgehen versucht. Aber auch die Mehrpersonenverhältnisse bringen immer wieder Probleme aufs Tableu. Wer hat hier jetzt eigentlich an wen geleistet?

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Deshalb beschäftigt sich auch eine bei Mohr Siebeck erschienene Monographie nur mit dem Bereicherungsrecht im Mehrpersonenverhältnis: „Ungerechtfertigte Bereicherung. 2. Teilband: Dreiecksverhältnisse – Bereicherungshaftung – Konkurrenzen – Erkentnnisleitende Grundgedanken – Reformvorstellungen“ wurde von Dieter Reuter innerhalb der auch von Michael Martinek verantworteten Reihe zur Ungerechtfertigten Bereicherung verfasst. Der Titel zeigt bereits die wesentlichen Probleme auf. Die Gliederung des Bandes ist sehr übersichtlich, insbesondere differierende Meinungen werden sehr klar untergliedert. Das dient der Übersichtlichkeit. Sicherlich wird dieser Band für das notwendige Examenswissen etwas zu tief schürfen. Für eine spezielle Haus- oder Studienarbeit aber kann dieser Band sicherlich die erste und beste Anlaufstelle sein.

Dieter Reuter und Michael Martinek: Ungerechtfertigte Bereicherung. 2. Teilband: Dreiecksverhältnisse – Bereicherungshaftung – Konkurrenzen – Erkentnnisleitende Grundgedanken – Reformvorstellungen
Mohr Siebeck, 2. Aufl. 2016, 689 Seiten, EUR 149

Ein psychopathischer Mörder

Von Benedikt Bögle

In einem kleinen Dorf, mitten in den Bergen Norditaliens, wird ein toter Mann gefunden. Seine Tötung: Grausam, die Augen sind ihm ausgerissen worden, seine Nase fehlt. Wer ist zu solch einer Tat fähig? Der Täter scheint keine Werkzeuge benutzt zu haben, der Mord ist das Werk seiner bloßen Hände. Kommissarin Teresa Battaglia beginnt zu ermitteln, begleitet von ihrem neuen, noch sehr unsicheren Kollegen. Die Ermittlern ist sich schnell sicher: Hier geht ein Serientäter vor, der kaum dazu in der Lage ist, menschliche Empfindungen nachzuvollziehen. Die Bewohner des Bergdorfes kooperieren kaum. Haben sie etwas zu verbergen? Kann es sein, dass sie nicht mitbekommen haben, wer da mitten unter ihnen lebt und mordet? Und wie hängt das alles mit einem Gespenst aus dem Wald zusammen, das ein kleines Mädchen immer wieder sieht? Kindliche Einbildungskraft oder Realität?

Eiskalte Hölle“ von Ilaria Tuti ist ein Thriller, der auf jeder Seite begeistert. Die Autorin entwickelt eine geniale Geschichte und versteht es, sie grandios zu erzählen. Schnell nimmt der Roman ein hohes Tempo auf und verliert es bis zur letzten Seite nicht. Kommissarin Battaglia überzeugt als Protagonistin, die für den Leser nicht zu durchschauen ist, eine ebenso zielstrebige wie einfühlsame Frau. Die Suche nach dem Täter wird zu einer Suche nach den Opfern – in mehrere Hinsicht. Am Ende steht ein Täter, über den die Autorin schreiben kann: „Er strahlte eine unglaubliche Stärke aus, die über die rein körperliche hinausging. Eine Lebenskraft, die man fast mit Händen greifen konnte.“ Ein ungewöhnliches Ende, das man als Leser nicht erwartet hatte, ein Roman, der in jeder Hinsicht überzeugen kann. „Eiskalte Hölle“ ist der erste Roman der italienischen Autorin Tuti. Als Leser darf man nur hoffen, dass viele weitere folgen mögen.

Ilaria Tuti: Eiskalte Hölle
Penguin 2019, 416 Seiten, EUR 10

Ist Theologie noch relevant?

Von Benedikt Bögle

Hat die Theologie noch Relevanz? Ist es noch von Bedeutung, was Theologen erforschen und lehren, was Studenten in einem mehrjährigen Studium lernen? Die Antwort: Ja. Das beweist eindrücklich ein bei Grünewald erschienener Band: „Relevante Theologie. Veritatis gaudium – die kulturelle Revolution von Papst Franziskus“ wurde von Annette Schavan herausgegeben. Der Anlass ist eben dieses Schreiben: Veritas gaudium, das sich mit der Rolle der Theologie beschäftigt. Zahlreiche Autoren setzten sich im vorliegenden Sammelband mit dem Schreiben, aber auch ganz allgemein mit der Frage nach einer Relevanz der Theologie auseinander.

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So beginnt etwa der Münchner Jesuit Andreas Batlogg mit einer Reflexion der „Freude“ im Pontifikat von Papst Franziskus. Ein Abschnitt aus diesem Aufsatz erscheint besonders bedenkenswert: „Theologie, der spiritueller Tiefgang abgeht, Theologie, die nicht durchbetet, durchmeditiert, manchmal auch durchlitten ist – so pathetisch das aufs Erste klingt -, bleibt steril, weil sie den „Duft des Evangeliums“ (EG 39) verloren hat.“

Es folgen Anmerkungen zur Theologie aus wirtschaftswissenschaftlicher und auch aus naturwissenschaftlicher Perspektive. Die Perspektiven sind ökumenisch und innerkahtolisch, stehen mal mehr, mal weniger im Dialog mit dem Schreiben des Papstes – zeigen aber allesamt: Theologie ist relevant und wird es auch bleiben. Ein interessanter Sammelband. Schade nur, dass ständig über das Schreiben von Papst Franziskus gesprochen wird, ohne das dies – wenigstens in Auszügen – abgedruckt wäre.

Annette Schavan (Hg.): Relevante Theologie. Veritatis gaudium – die kulturelle Revolution von Papst Franziskus
Grünewald 2019, 272 Seiten, EUR 22

Kindhäuser / Schumann: Strafprozessrecht

Von Benedikt Bögle

Wer ein studentenfreundliches und übersichtliches Lehrbuch zum Strafprozessrecht sucht, sollte sich dringend an den entsprechenden Band der Nomos-Reihe „Die Blauen“ halten: „Strafprozessrecht“ von Urs Kindhäuser und Kay Schumann bietet beinahe alles, was man sich von einem entsprechenden Lehrbuch wünscht. Die Autoren bieten eine Übersicht über die Materie, die für Einsteiger verständlich, aber auch für Fortgeschrittene noch hilfreich sein dürfte. Am Beginn jeden Abschnittes stehen kurze Einführunsgfälle, die die Problematik aufzeigen und im Verlauf der Ausführungen gelöst werden.

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Die Gliederung ist übersichtlich, die Sprache verständlich und immer wieder unterbrochen durch Aufzählungen, die einem ersten Überblick dienen. So behandeln die beiden Autoren grundsätzliche Fragen und die Geschichte des Strafprozessrechts, gehen sodann aber auch auf alle wichtigen rechtlichen Fragen vom Vorverfahren bis zu Berufung, Revision und Wiederaufnahme des Verfahrens durch. Sehr zu empfehlen!

Urs Kindhäuser und Kay Schumann: Strafporzessrecht
Nomos, 5. Aufl. 2019, 448 Seiten, EUR 24

Klüpfel und Kobr können auch Thriller

Von Benedikt Bögle

Volker Klüpfel und Michael Kobr sind wegen ihrer Romane um den Allgäuer Ermittler Kluftinger bekannt geworden: Der etwas behäbige Polizist ist bei den Leserinnen und Lesern beliebt. Die Romane sind eine Mischung aus Spannunsgliteratur und leichter, weil erheiternder Unterhaltung. Nun hat das Autoren-Duo beschlossen, ein neues Genre zu wagen: Sie haben einen Thriller veröffentlicht, „Draussen“ ist bei Ullstein erschienen. Auch in diesem Metier überzeugen Klüpfel und Kobr. Und darum geht’s: Ein Mann lebt mit zwei Jugendlichen zusammen. Obwohl er nicht ihr leiblicher Vater ist, verhalten sie sich wie eine Familie. Allerdings sind sie auf der Flucht: Sie leben am Rande der Gesellschaft, die Kinder gehen nicht zur Schule. Immer wieder verändern sie ihren Aufenthaltsort, üben sich in Überlebensstrategien in der freien Wildbahn. Sie sind auf der Flucht.

Copyright: Ullstein

Nur: Vor wem? Das ist dem Leser bis zum Schluss unklar. Immer wieder verknüpfen die beiden Autoren die Handlungsstränge, immer wieder spielen Verschwörungstheoretiker und Reichsbürger eine Rolle. Man fragt sich: Flieht die „Familie“ vor einer realen Bedrohung oder eher vor Chemtrails? Und was hat das ganze mit einem Berliner Lobbyisten zur tun? Vor welcher Vergangenheit versteckt sich der Mann mit den beiden Jugendlichen? Fragen, die sich erst nach spannungsreichen 400 Seiten aufklären. Ein hervorragender Thriller, der zeigt: Klüpfel und Kobr können auch Thriller.

Volker Klüpfel und Michael Kobr: Draussen
Ullstein 2019, 379 Seiten, EUR 19,99

Mord in der Küche

Von Benedikt Bögle

Bianca Veh hat eine außerordentliche Karriere hingelegt: Die berühmte Köchin schreibt Bücher, hat eine Fernsehshow und ein Sterne-Restaurant. Besser könnte es kaum laufen – bis eines Tages ein Richter in ihrem Restaurant stirbt. Bianca Veh braucht jetzt vor allem einen guten PR-Berater, Mats Holm steht schnell an ihrer Seite und versucht, sie aus der Schusslinie der Presse zu halten. Denn alle fragen sich: Starb der Richter an verdorbenen Lebensmitteln? Dieser Verdacht ist schnell aus der Welt, aber immer noch könnte der Skandal die Köchin zu Fall bringen: Wurde der Richter bewusst getötet oder sollte vielmehr der Köchin geschadet werden? Wie konnte ein solcher Mord unbeobachtet in eine professionellen Küche vorbereitet werden? Wenn Bianca Veh das eigentliche Ziel war: Wer könnte das tun? Der Exfreund? Die Konkurrenz? Mats Holm und sein Team stehen nicht nur in PR-Fragen zur Seite, sondern ermitteln am Ende gar den wahren Mörder.

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„Riskante Rezepte“ ist der zweite Fall für den PR-Ermittler Mats Holm aus der Feder von Birand Bingül, Autor und Redakteur beim WDR in Köln. Er überzeugt mit einer guten und spannenden Story, die bis zum Schluss Überraschungen bereithält. Vor allem aber kann Bingül mit seinen wohl durchdachten Protagonisten punkten – mit menschlichen Stärken und Schwächen, mit Begabungen und Fehlern. Ein sehr interessanter Ansatz, einen PR-Experten ermitteln zu lassen; ein Ansatz, den Bingül konsequent entwickelt hat und unterhaltsam präsentiert. Sehr lesenswert!

Birand Bingül: Riskante Rezepte. Ein Fall für Mats Holm
btb 2020, 443 Seiten, EUR 10

Rund ums Huhn

Von Benedikt Bögle

Eier oder Hühner – was war denn eigentlich zuerst da? Das Huhn oder das Ei? Oder doch eher umgekehrt? Wie auch immer – beides essen wir gerne. Das wissen auch die Autoren eines beim at-Verlag erschienenen Kochbuchs: „Von Huhn und Ei. Rezepte und Geschichten aus Küche und Hühnerstall“ von Martina Meier und Kathrin Fritz. Das erste Rezept des Bandes: Hühnerbrühe, ein Klassiker – einfach und doch besonders. Dazu könnten „Hühnerklößchen“ passen. Als zweiten Gang könnte es dann gegrillte Hühnerherzen geben, gehackte Hühnerleber oder – mutig? – einen Aufstrich aus geräuchertem Hühnermagen.

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Als Hauptgang: Zitronenhähnchen oder Frikadellen, Scharfe Flügel oder auch Huhn in Reiesling. Der zweite Teil des Bandes beschäftigt sich sodann mit dem Ei und ist nicht weniger köstlich: Verlorenes Ei mit Spargel, Hollandaise natürlich oder frittierte Eier. Bodenständig und trotzdem gut: Rührei mit Spinat. Es folgen: Desserts, für die Eier natürlich kaum wegzudenken sind.

Dieses Kochbuch ist hervorragend, auch weil es nicht nur die Rezepte bietet, sondern auch Geschichten rund um Huhn und Ei erzählt. Geschichten, die der berechtigten Kritik am Wahnsinn der Legebatterien dienen. Geschichten, die zeigen, wie wertvoll Lebensmittel sind – und das man in der Folge eben auch alle Teile eines Tieres essen sollte. Und sei es ein Aufstrich aus geräuchertem Hühnermagen.

Martina Meier und Kathrin Fritz: Von Huhn und Ei. Rezepte und Geschichten aus Küche und Hühnerstall
at-Verlag 2019, 129 Seiten, EUR 34