Reformpapst?

Von Benedikt Bögle

An Papst Franziskus scheiden sich die Geister. Während eine große Menge dem bescheidenen Papst zujubelt, wollen andere in ihm den großen Häretiker auf dem Stuhl Petri sehen; während einige in den Reformen des Heiligen Vaters den Niedergang der Kirche vorgezeichnet sehen, geht anderen der Reformwille des Papstes nicht weit genug. Nur: Betreibt Papst Franziskus überhaupt eine Reform der Kirche? Mit dieser Frage beschäftigt sich der italienische Soziologie-Professor Marco Marzano in seinem Buch „Die unbewegliche Kirche. Franziskus und die verhinderte Revolution“, auf Deutsch bei Herder erschienen.

Der Soziologe fragt zunächst: Hat denn der Papst überhaupt Reformen vorangetrieben? Gradmesser dafür sind für ihn die Fragen nach dem Zölibat, dem Priestertum der Frau, die Struktur der Kurie und die Sexualmoral der katholischen Kirche. Man hätte auch andere Momente nutzen dürfen, nur scheinen diese Aspekte tatsächlich im Empfinden vieler Katholiken wenigstens in Europa vorrangig einer Reform bedürftig. Das Ergebnis verwundert nicht: Gemessen an diesen Faktoren ist Papst Franziskus kein großer Reformer, ein Revolutionär schon gar nicht. Marco Marzano resümiert, der Papst habe „keine Reform durchgeführt und die Erwartungen derer, die auf strukturelle Veränderungen in der Organisation des Katholizismus gehofft hat, nicht erfüllt“.

Weiter  fragt der Autor, wie und ob eine Reform der Kirche überhaupt möglich sei. Der Soziologe betrachtet die katholische Kirche unter einem soziologischen Gesichtspunkt als „große Bürokratie“. Diesen Konstrukten sei eigen, Reformen erst dann durchzuführen, wenn es gar nicht mehr anders gehe; nur als letzten Ausweg könne die Kirche also Reformen durchsetzen. Diese große Krise indes habe die Kirche nicht oder zumindest noch nicht erreicht. Die Mitgliederzahlen gehen weltweit nicht zurück, in Europa nur geringfügig. Das reicht, meint der Autor, noch nicht für die großen, umwälzenden Reformen.

Copyrigth: Herder-Verlag

Stattdessen habe sich Papst Franziskus auf Ersatzhandlungen verlegt. Er fahre eine Politik der Freundschaft gegenüber „heterodoxen“ Lehren etwa der Pius-Brüder oder Vertretern der Befreiungstheologie. Letztlich schreibt Marzano: „Wenn die Interpretation, die ich auf diesen Seiten vorgelegt habe, sich als korrekt erweisen sollte, dann wird Franziskus sein Pontifikat eher unspektakulär und ohne weitere Überraschungen zum Abschluss bringen.“

Viel Interessantes findet sich auf den Seiten von „Die unbewegliche Kirche“. Der soziologische Blickpunkt ist interessant, die Bewertung der vermeintlichen aktuellen Krise ebenso. In vielem wird dem Autor zuzustimmen sein. Und doch: Hat Papst Franziskus die Kirche nicht schon reformiert? Tragen nicht seine großen Gesten, seine theologischen Ausführungen und seine immer wieder gehörte Mahnung nach einer armen Kirche Früchte? Hat Franziskus nicht neue Gedanken im Zusammenspiel von Rom und den Bischofskonferenzen etabliert? Haben diese ekklesiologischen Aspekte nicht Wirkungen auf die ganze Theologie? Wird nicht auch das als Reform angesehen werden können, wenngleich es sich nicht in ganze Konkrete Normen niedergeschlagen hat?

Marco Marzano: Die unbewegliche Kirche. Franziskus und die verhinderte Revolution
Herder 2019, 240 Seiten, EUR 22

Verbotene Wörter

Von Benedikt Bögle

Bestimmte Wörter – es ist beinahe jedem klar – sollten in Deutschland nicht mehr benutzt werden. Sie haben durch die nationalsozialistische Schreckensherrschaft einen Beigeschmack bekommen, der ihre weitere Verwendung eigentlich verbietet. Mit der Geschichte dieser Wörter beschäftigt sich nun der Journalist Matthias Heine in seinem neuen Buch: „Verbrannte Wörter. Wo wir noch reden wie die Nazis – und wo nicht“, erschienen im Duden-Verlag. Der Autor spürt dabei den verschiedensten Wörtern nach und legt ihre Geschichte offen.

Wer etwa hätte gedacht, dass der „Eintopf“ ein von den Nazis propagierter Begriff war? Die deutschen Haushalte sollten sparsamer leben, an bestimmten Sonntagen im Monat nur noch Eintopf essen und die Ersparnis an Arme und Bedürftige weitergeben. Darf man den Begriff heute noch verwenden? Ja, meint Heine: „Da das Wort im Gegensatz zu anderen NS-Ausdrücken keine Verhüllungs- oder Vorbereitungsvokabel für Mord, Folter und Vernichtung ist, kann man es unbedenklich benutzen.“ Ein solches Fazit steht hinter jedem Wort, das Matthias Heine präsentiert. Damit gibt er ganz konkrete Anwendungen zur Nutzung eines Begriffes, ohne zu unterkomplex oder vereinfachend zur werden. Vielmehr stößt er Denkprozesse an.

Bei vielen der Begriffen sollte jedem demokratisch denkenden Menschen klar sein, dass ihre Verwendung unter keinen Umständen gerechtfertigt ist. „Untermensch“ etwa ist, und dem Autor ist in seinen Ausführungen vollkommen zuzustimmen, „eine der folgenreichsten Mordvokabeln des NS-Systems und sollte für immer verschwinden.“

© Duden-Verlag

Bei anderen Wörtern ist das gar nicht so einfach: Darf man noch von „Mädel“ sprechen? Oder von Kulturschaffenden? Die Antworten des Autors überraschen bisweilen, erscheinen auf den ersten Blick seltsam. Insgesamt schärft Heine das Verständnis für den Gebrauch der Wörter, die sich die Nationalsozialisten zu eigen machten und ihnen dabei eine Bedeutung gaben, die bis heute mitschwingt. „Volksverräter“ etwa: „Wer Volksverräter sagt, könnte auch gleich mit erhobenem rechten Arm herummarschieren. Er muss damit rechnen, für einen Nazi gehalten zu werden.“ „Verbrannte Wörter“ eignet sich als Geschichtsbuch genauso wie als Anleitung für Menschen, die viel mit Sprache zu tun haben und sich immer wieder fragen sollten, ob ihr Vokabular denn eigentlich noch angemessen ist.

Matthias Heine: Verbrannte Wörter. Wo wir noch reden wie die Nazis – und wo nicht
Duden-Verlag 2019, 222 Seiten, EUR 18

Ein Jahrzehnt in Wörtern

Von Benedikt Bögle

Wörter sind wandelbar: Ihre Bedeutung kann sich über Jahrzehnte hin verändern, manche Wörter verschwinden beinahe ganz aus unserem Wortschatz oder werden häufiger, rücken in den Vordergrund. Mit Wörtern lassen sich nicht nur Geschichten erzählen, sondern auch Geschichte. Das versucht auch Hans Hütt in seinem kleinen Büchlein „Die 60er. Ein Jahrzehnt in Wörtern“, erschienen im Duden-Verlag.

Der Autor sammelt in seinem Werk Begriffe, die das Jahrzehnt ab 1960 geprägt haben. Sie stammen aus den verschiedenen Bereichen Alltag, Familien, Freizeit, Gesellschaft und Kultur, Verkehr oder Wirtschaft. Entstanden ist ein sehr kurzweiliges und schön zu lesendes Büchlein, das mit Humor nicht spart und gleichzeitig informativ ist.

© Duden-Verlag

So etwa weiß der Autor über den Hawaiitoast zu sagen: „Exotik bringt’s. Die Fleisch- und Käsewirtschaft liefert quadratischen Kochschinken, der nach nichts schmeckt, und Käse, dessen einziges Talent darin besteht, zu schmelzen.“ Welche Bedeutung hatte das Twisten in den 60er-Jahren? Wie war das mit der Pizza? Was bitte war der Bittenfelder Weg? „Die 60er. Ein Jahrzehnt in Wörtern“ ist ein schönes Buch; ältere Generationen mögen sich darin an ihre Kindheit erinnert fühlen, jüngere erhalten einen Einblick in die deutsche Welt vor beinahe 60 Jahren.

Hans Hütt: Die 60er. Ein Jahrzehnt in Wörtern
Duden-Verlag 2019, 127 Seiten, EUR 12

Lernmethoden für Juristen

Von Benedikt Bögle

Die richtige Lernmethode zu finden, ist nicht einfach. Wie soll man für die anstehende Klausur lernen, wie kann man das Wissen möglichst sicher lange behalten? Diese Fragen stellen sich viele Studenten, Juristen aber ganz besonders. Denn das für das erste und zweite juristische Staatsexamen zu lernende Wissen scheint bisweilen alle Grenzen zu sprengen. Also verwundert es auch nicht, dass es gerade auf dem Gebiet der Juristerei viele Lernhelfer gibt, deren Qualität oft stark variieren. Einer dieser Ratgeber: „Lernapotheke für Juristen“ von Thomas Kahn, der 2014 zum ersten Staatsexamen antrat. Sein Ratgeber ist lebensnäher als viele andere und er langweilt nicht mit seitenweisen Ausführungen zur Lernpsychologie.

Zu Beginn ist Kahn der Überzeugung, die klassische Einteilung in verschiedene Lerntypen – etwa in auditive oder visuelle Typen – tauge nichts; Recht hat er vermutlich. Der Autor beschäftigt sich dann mit der Frage: Wie sollte man richtig Karteikarten schreiben? Die Tipps sind gut, leider aber erklärt Kahn dies alles an der App „Anki“, für die der Autor selbst kostenpflichtig seine Karteikarten zu nicht ganz niedrigen Preisen anbietet. Tatsächlich liest sich das wie bezahlte Eigenwerbung. Gut sind seine Gedanken aber dennoch: Nicht zu viel auf eine Karte, nicht alles überhaupt auf Karten schreiben. Definitionen könne man sich beispielsweise hervorragend merken, wenn man sie wie ein Gedicht lern – Zeile für Zeile.

Zum Thema Konzentration beim Lernen kann Thomas Kahn seine „Pomodoro“-Methode, die im Wesentlichen aus der natürlich nicht neuen Idee besteht, einen gewissen Zeitraum – hier sind es 25 Minuten – konzentriert am Stück zu arbeiten, konsequent eine Pause einzulegen und dann weiterzuarbeiten, präsentieren. Guter Ansatz, der wohl aber viel Eigenantrieb fordert. Die „Lernapotheke für Juristen“ bietet insgesamt viele hilfreiche Tipps; revolutionär ist nicht alles, muss es aber natürlich auch nicht sein. Das Buch ist schnell gelesen und verstanden, Überflüssiges findet sich in den Ausführungen nicht. Der von Amazon besorgte Druck darf leider als windig bezeichnet werden – aber die „Lernapotheke“ wird wohl auch kein geliebter Klassiker werden, der immer wieder gelesen wird – einmal sorgfältig lesen und verstehen dürfte genügen.

Thomas Kahn: Lernapotheke für Juristen
Selbstverlag, 97 Seiten, EUR 12,95

Was Blogger kochen

Von Benedikt Bögle

Ungewöhnlich ist es tatsächlich nicht mehr: Menschen, die ihr Essen fotografieren und über die sozialen Medien mit der ganzen Welt teilen. Foodblogger fotografieren und kommentieren das Essen aus dem Restaurant, der Imbiss-Bude oder ganz einfach das, was sie zu Hause gekocht haben. „Bekanntlich hat Essen in unserer Gesellschaft den Status einer Ersatzreligion angenommen. Weniger dramatisch formuliert ist vielen Menschen heute nicht mehr egal, was sie ihrem Körper zuführen, und das ist gut so“, schreibt die Journalistin Eva Biringer im Vorwort zu „Wie wir kochen. Die besten Foodblogs und ihre leckersten Rezepte“, herausgegeben von Julia Stelzner, erschienen bei Prestel.

Die freie Journalistin stellt in ihrem Buch die wichtigsten Foodblogs des deutschsprachigen Raums zusammen: Die Betreiber von 27 Blogs finden Platz im schön aufgemachten Buch. Jeder einzelne Blogger – in mehreren Fällen kochen auch zwei Personen zusammen – stellt sich den Fragen der Journalistin. Der Leser erfährt, was die begeisterten Köche essen, wenn es ihnen schlecht geht, wie sauber so eine Küche nach dem großen Kochen ist oder ganz einfach, was das ausgefallenste Essen ist, das die Blogger je gegessen haben. Jeder Food-Blog wird vorgestellt, kurz und knapp schildert Julia Stelzner die Geschichte des Blogs und schreibt über Schwerpunkte der Köche. Dann haben die selbst das Wort und stellen ausgewählte Rezepte vor.

© Prestel

Entstanden ist ein sehr buntes Kochbuch, in dem Essen jeglicher Art einen schönen Platz findet: Pesto-Tortellini wie rohe Artischocken als Salat, Rote-Bete-Brownies oder Grünkohl-Pasta. Ein sehr bunter Mix, in dem – nicht, das es erstaunen würde – Fleisch keine große Rolle mehr zu spielen scheint; muss es wohl auch nicht angesichts der vegetarischen Konkurrenz von Kartoffeln, Käse und immer wieder: Rote Bete. „Wie wir kochen“ ist ein sehr gelungenes Buch, in dem man gerne blättert, das Hunger macht und eine gute Vorlage für eigene Kochideen ist.

Julia Stelzner: Wir wir kochen. Die besten Foodblogs und ihre leckersten Rezepte
Prestel 2017, 187 Seiten, EUR 24,95

Justizroman

Von Benedikt Bögle

Thirza Zorniger hat eine chaotische Kindheit hinter sich: Der Vater ein berühmter wie peinlicher Schauspieler, die Mutter verzweifelt, später krank. Thirza wächst bei ihrem Großvater, einem gescheiterten Richter, und ihren Großtanten in Pasing auf. Sie will Richterin werden, studiert Jura und landet nach verschiedenen Stationen tatsächlich auch am Landgericht München I im großen Justizpalast. Petra Morsbach hat aus diesen Lebensdaten einen großartigen Roman gemacht: „Justizpalast“, erscheinen 2017 im Penguin Verlag.

Die Autorin entspinnt ein Leben vor den Augen des Lesers: Ein juristisch mehr oder weniger erfolgreiches Leben, privat unglücklich und doch glücklich. „Justizpalast“ berichtet von der Arbeit einer Richterin und durchwandert dabei – fast schon nebenbei – beinahe alle deutschen Rechtsgebiete: Es geht um Strafrecht wie um allgemeines Zivilrecht, rechtsdogmatische Fragen und Kartellrecht, prozessuale Fragen und verfassungsrechtliche Bedenken. Es geht um die große Frage nach Gerechtigkeit und die Möglichkeit, sie vor Gericht zu erstreiten.

© Penguin Verlag

Neben der Unterbesetzung deutscher Gerichte beleuchtet Petra Morsbach aber auch große Literatur und fragt nach der Schuld der Justiz während der Nazizeit. Bisweilen meint man, das Buch hätte gar keinen roten Faden – nicht, dass es stören würde; ganz im Gegenteil. Aus einzelnen Episoden wird ein großer und wirklich großartiger Roman, der sich auf Gespräche mit etwa 50 Richterinnen und Richter stützen kann und somit einen realistischen Einblick in die deutsche Gerichtsbarkeit ermöglichen dürfte.

Petra Morsbach: Justizpalast
Penguin Verlag, 2. Aufl. 2018, 480 Seiten, EUR 12

Kommunion für den evangelischen Ehepartner?

Von Benedikt Bögle

Neu ist Debatte um die Möglichkeit des Kommunionempfangs für evangelische Christen mit Sicherheit nicht. Aufwind indes erhielt sie durch die Diskussionen der deutschen Bischofskonferenz im vergangenen Jahr, inwieweit der evangelische Partner einer konfessionsverbindenden Ehe zur Kommunion gehen dürfe. Wenn ein evangelischer und ein katholischer Christ eine christliche Ehe leben, gemeinsam Zeugnis vom Glauben an Jesus Christus ablegen, ihre Kinder in diesem Glauben erziehen – darf diese Gemeinschaft der beiden Christen dann beim Kommunionempfang enden? Mit dieser Frage beschäftigt sich nun auch ein von Jörg Bremer herausgegebener Sammelband: „Ein Kelch für zwei. Zur ökumenischen Debatte um die Kommunion bei konfessionsverbindenden Paaren“, erschienen bei Grünewald.

Deutlich wird an mehreren Aufsätzen, dass die Frage nicht nur akademischer Natur ist. Es gibt die konfessionsverbindenden Paare, für die es ein Ärgernis darstellt, innerhalb eines katholischen Gottesdienstes nicht gemeinsam zur Kommunion gehen zu dürfen. Deutlich wird auch, dass es hier schon Lösungen in der Praxis gibt, während die akademische Theologie noch debattiert. Der Journalist Hans Leyendecker – selbst aus der katholischen in die evangelische Kirche konvertiert – nimmt offensichtlich eine deutliche Diskrepanz zwischen Bewegung im Kirchenvolk und der theologischen Wissenschaft wahr, wenn er schreibt: „Der Veränderungswille der Dogmatiker in der katholischen Kirche hat Bonsai-Format.“ Man wird ihm wohl entgegnen dürfen, dass es die Aufgabe der Theologie ist, Praxis zu begründen und – notfalls eben auch kritisch oder ablehnend – zu hinterfragen. Gleichwohl hat sich die Theologie zu fragen, was sie falsch macht, wenn sie nur als unbeweglicher Hüter alter Dogmen, nicht als dynamische Wissenschaft wahrgenommen wird.

© Grünewald

Walter Kardinal Kasper schreibt über die Notwendigkeit theologischer Debatten: „Die Eucharistie ist ein zu hohes Gut, als dass man sich mit rein pragmatischen Lösungen zufriedengeben kann. Die Eucharistie ist – wie alle Sakramente – für katholische wie für evangelische Christen ein Sakrament des Glaubens“, so Kasper. Wer also zur Kommunion trete, müsse sich die Frage nach seinem Glauben stellen. Der Jesuit Ansgar Wucherpfennig fragt in seinem Beitrag, was es denn bedeute, dass Jesus Christus selbst Gastgeber der Eucharistie ist. Darf denn dann überhaupt jemand ausgeschlossen werden? Der Theologe plädiert auf eine vertiefte Diskussion: „Deshalb braucht es dringend eine neue gemeinsame ökumenische Verständigung darüber, welche Punkte im Verständnis von Eucharistie und Abendmahl essentiell sind, damit eine konfessionsverbindende Gottesdienstgemeinschaft entstehen kann.“

Es folgen weitere Beiträge über die kirchenrechtliche Vorgaben, die Absichten des Dokuments „Mit Christus gehen“ der deutschen Bischofskonferenz oder die konkrete Gestaltung konfessionsverbindender Trauungen. Der Band zeigt mit großer Deutlichkeit, dass die Positionen unterschiedlich sind und die Debatten längst noch nicht am Ende. Ein buntes Spektrum an Autoren nähert sich dem Thema, das – und gerade dies zeigt das Buch sehr eindrücklich – für viele christliche Familien ein essentielles ist.

Jörg Bremer (Hg.): Ein Kelch für zwei. Zur ökumenischen Debatte um die Kommunion bei konfessionsverbindenden Paaren
Grünewald 2019, 160 Seiten, EUR 24

Rosa Luxemburg

Von Benedikt Bögle

1919 wurde Rosa Luxemburg erschossen. Welche Karriere sie in der noch jungen Weimarer Republik weiter übernommen hätte, wo sie Einfluss hätte ausüben können, welche Weichen sie gestellt hätte, muss unbeantwortet bleiben. Und doch lohnt sich ein Blick in die Biographie der außergewöhnlichen Frau. „Wer miterlebte, wie diese kleine Person, die auf einen Stuhl steigen musste, um sich Gehör zu verschaffen, darum kämpfte, am Kongress der Sozialistischen Internationale als Delegierte teilnehmen zu können, dem bleib ihre Erscheinung im Gedächtnis. Luxemburg zog schon früh Emotionen der unterschiedlichsten Art auf sich, gleichgültig ließ sie kaum jemanden“, schreibt Ernst Piper. Der Professor für Neuere Geschichte in Potsdam hat sich in einem umfassenden Werk mit Rosa Luxemburg auseinandergesetzt.

© Blessing

Piper schreibt über eine starke Frau und ihren ungewöhnlichen Weg. In Polen geboren, studierte Luxemburg in der Schweiz und kam nach Deutschland, um dort an einem sozialistischen Umbruch der Gesellschaft zu arbeiten. Als Journalistin versuchte sie, sich in den Diskurs der sozialistischen Bewegung einzubringen und die richtungsweisenden Kämpfe in ihrem Sinne zu entscheiden. Lange Gefängnisaufenthalte nahm sie dafür in Kauf, immer wieder zog sie nicht nur Begeisterung, sondern auch tiefe Ablehnung auf sich. All das schildert Ernst Piper bis hin zu Luxemburgs Tod, minutiös und dennoch gut lesbar. Für den Laien werden einzelne Daten von Parteitagen oder Reisen schnell unübersichtlich – eine grobe Zeittafel wäre daher mehr als wünschenswert gewesen.

Ernst Piper: Rosa Luxemburg. Ein Leben
Blessing Verlag, 2. Aufl. 2019, 832 Seiten, EUR 32

Papst Franziskus und sein Kirchenbild

Von Benedikt Bögle

Es scheint – leider ist das nichts neues -, als würde Papst Franziskus nicht als Theologe wahrgenommen werden. Er ist der liebe Dorfpfarrer, zu theologischen Höhen aber erhebt er sich nicht. Wenn etwas von seiner Theologie durchdringt, sind es die packenden oder auch etwas schwierigen Zitate – etwa das von den Katholiken und den Karnickeln. Dabei hat der Papst theologisch einiges zu bieten – und diesem Schatz geht nun ein Buch des Arztes und Theologen Stefan Scheingraber nach: Aufbruch zur „verbeulten Kirche“. Die Ekklesiologie von Papst Franziskus“, erschienen bei Echter. Der Autor fragt nach dem theologischen Kirchenbild des Papstes und zeigt dabei besonders deutlich die Quellen von Papst Franziskus auf.

So orientiert sich „Evangelii Gaudium“ am nachsynodalen Schreiben „Evangelii Nuntiandi“ von Papst Paul VI., ebenso aber auch am lateinamerikanischen Dokument von Aparecida. In Franziskus‘ Denken nimmt dabei das Modell einer „Kirche der Armen“ großen Raum ein, wie Stefan Scheingraber zeigt. Es gehe beständig darum, das Evangelium „gegenwärtig zu machen“: „Es geht also nicht einfach nur darum, dass sich der besser gestellte Bevölkerungsanteil mit karitativen Aktionen um den schlechter gestellten Bevölkerungsanteil kümmert, sondern es wird ein Begründungszusammenhang geliefert. Papst Franziskus sagt, dass die „Opción por los pobres“ die Kirche auf den Leib zugehen lässt. Das ist ekklesiologisch höchst spannungsreich. Denn es wird gesagt, dass Kirche erst in dieser Zuwendung wird, was sie ja eigentlich schon ist: Leib Christi“, schreibt der Autor und deckt damit wirklich einen spannungsreichen Gedanken auf. Karitatives Engagement ist nicht Beiwerk der Kirche, sondern Wesensgehalt.

© Echter-Verlag

Näher geht Scheingraber im Folgenden dann auf die Ekklesiologie des Papstes ein und legt damit eine hervorragende Einführung in „Evangelii Gaudium“ vor, die zugleich auch eine Einführung in das Denken des Papstes ist. Dabei erläutert Scheingraber auch die Zusammenhänge zwischen Ekklesiologie, Mariologie und Pneumatologie und zeigt letztlich auch die gedankliche Kontinuität zwischen Papst Franziskus und seinen Vorgängern im Petrus-Amt. Entstanden ist ein sehr lesenswerter Band, eine hervorragende Einführung in die Theologie des amtierenden Papstes. Grundlage der Schrift war eine Magisterarbeit, sichtbar wird das noch an der klaren Gliederung, die dem Buch sehr gut tut.

Stefan Scheingraber: Aufbruch zur „verbeulten Kirche“. Die Ekklesiologie von Papst Franziskus“
Echter 2019, 175 Seiten, EUR 16,90

Charlotte Link: Die Suche

Von Benedikt Bögle

Zufällig wird Kate Linville, Ermittlerin der Londoner Metropolitan Police, in einen Entführungsfall hineingezogen: Sie hatte das Haus ihrer verstorbenen Eltern vermietet, die Mieter hatten es in eine Müllhalde verwandelt und die Polizistin darf nun aufräumen. Bewohnbar ist das Haus nicht mehr, also quartiert sie sich bei Familie Goldsby ein – deren Tochter kurz darauf verschwindet. Die Polizei ist alarmiert, ist sie schließlich auf der Suche nach dem Mörder anderer junger Mädchen. Die Tochter der Familie Goldsby taucht kurze Zeit später wieder auf. Die etwas mysteriösen Umstände lassen die Ermittler allerdings stutzig werden: An einem stürmischen Abend wird das Mädchen am Hafen gefunden, die beiden Retter rücken in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Cate Linville ist nicht Teil des zuständigen Polizei-Teams, kann aber nicht von dem Fall lassen. Sie stellt eigene Nachforschungen an, auch wenn das für sie höchst gefährlich wird.

© Random House Audio

„Die Suche“ von Charlotte Link ist ein spannender Thriller, der gerade am Ende mit unerwarteten Wendungen überrascht. Die Polizei muss mit ihren Ermittlungen beinahe von vorne anfangen und währenddessen erhält der Hörer immer weitere Einblicke in die wirre Psyche des grausamen Täters. Bisweilen zieht sich das Buch, beleuchtet eindringlich die privaten Beziehungen der Ermittlerin und nimmt nur langsam an Fahrt auf. Claudia Michelsen liest den Roman teilweise monoton und schleppend. Dennoch: Ein spannendes Buch, ideal für lange Autofahrten.

Claudia Michelsen liest: Charlotte Link, Die Suche.
Random House Audio 2018, 12 CDs, ca. 14 Stunden, 28 Minuten, EUR 12,99