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Die Passion Christi

Von Benedikt Bögle

Copyright: Diogenes

Die Passion Christi beschäftigt die Menschheit seit zweitausend Jahren. Nicht nur der Glaube beschäftigt sich mit dem Leiden des Mannes aus Nazareth, sondern auch die Kunst, die Musik und die Literatur. Einen neuen Baustein zu dieser langen Geschichte liefert nun die Schriftstellerin Amélie Nothomb: „Die Passion“ ist bei Diogenes erschienen. Erzählerisch stellt sich die Autorin ein Selbstgespräch Jesu während seines Leidens vor: Von der Gefangenschaft bis zum Tod am Kreuz und einer eher nur angedeuteten Auferstehung. Diese Erzählung – sprachlich durchweg gelungen – birgt spannende Elemente. So entwirft Nothomb etwa den Gedanken, Jesu habe gewusst, was mit ihm geschehen werden, aber nicht wie es geschehen werde. Er wusste von seiner Hinrichtung, nicht aber, dass diese am Kreuz erfolgen würde. Das scheint ein theologisch nicht uninteressanter Beitrag zu der Frage zu sein, wie in Jesus – wahrer Mensch und wahrer Gott – menschlicher und göttlicher Wille, menschliches und göttliches Wissen zusammengedacht werden können.

Andere Elemente sind wenig originell. Natürlich muss Jesus eine Liebesbeziehung zu Maria Magdalena unterstellt werden. Spätestens seit „Sakrileg“ ist das weder originell noch spannend noch interessant – und trotzdem wird diese Behauptung immer wieder aufs Neue aufgegriffen, wohl, um zu jedem Preis modern zu wirken. Schade ebenfalls, dass die Auferstehung am Ende nur angerissen wird. Diese Gedanken hätten gerne noch weiter aufgegriffen werden können. So beliebt ein durchaus lesenswerter knapper Band, der in Teilen neue Aspekte des Leidens Jesu beleuchten kann, in Teilen wenig neu erscheint.

Amélie Nothomb: Die Passion
Diogenes 2022, 124 Seiten, EUR 12

Schneeblind

Von Benedikt Bögle

Copyright: btb

Ari hat sein Theologiestudium geschmissen und will Polizist werden. Plötzlich bietet sich ihm eine Stelle im Norden Islands: Ari verlässt Reykjavik und seine Freundin, um in Siglufjördur seinen Dienst anzutreten. Zunächst ist die Arbeit beschaulich; Verbrechen werden in der kleinen Stadt nicht begangen, die Lage ist friedlich. Das ändert sich, als der prominenteste Einwohner der Stadt plötzlich stirbt: Ein berühmter Schriftsteller stürzt bei den Proben zum neuesten Theaterstück der Stadt. Es könnte an seiner Alkoholisierung gelegen haben; Ari aber glaubt an ein Verbrechen. Er beginnt zu ermitteln und geht teilweise eigene Wege hinter dem Rücken seines Vorgesetzten. Wenig später wird dann noch eine beinahe tote Frau gefunden, die bewusstlos im Schnee liegt. Hängen die beiden Verbrechen zusammen? Was hat so plötzlich das Verbrechen in das abgelegene Siglufjördur gebracht? Hat es mit der Vergangenheit des Schriftstellers zu tun?

„Schneeblind“ ist der erste Band einer neuen Island-Reihe vom Bestseller-Autor Ragnar Jonásson. Eindrücklich fängt er die Stimmung in der isländischen Kleinstadt ein, die latente Feindseligkeit gegenüber dem zugezogenen Ari, das trügerische Bewusstsein, bei ihnen würden keine Verbrechen begangen. Der Plot ist spannend, das Ergebnis von Aris Ermittlungen überrascht den Leser. Jónasson schafft es, langsam einen Spannungsbogen aufzubauen und den Leser immer tiefer in seine Erzählung zu ziehen. Ein sehr gelungener Thriller.

Ragnar Jónasson: Schneebild
btb 2022, 351 Seiten, EUR 12tbtb

Der 13. Mann

Von Benedikt Bögle

Von Benedikt Bögle

Rechtsanwalt Rocco Eberhardt übernimmt ein neues, für ihn eher ungewöhnliches Mandat. Timo Krampe wurde in seiner Kindheit Opfer sexuellen Missbrauchs. Das Perfide: Die Behörden selbst hatten absichtlich Kinder an Pädophile vermittelt im Glauben, den Kindern und Jugendlichen so ein liebevolles Zuhause schaffen zu können. Lange wurde über das Versagen der Behörden geschwiegen, Timo Krampe und sein Pflegebruder Jörg Grünwald wollen nun aber ein ausführliches Zeitungsinterview geben. Nur: Grünwald verschwindet, das Interview platzt. Kurz darauf taucht die Leiche von Grünwald auf. Eberhardt nimm sich des Falles an und steht plötzlich auf der Seite der Opfer, nicht der Täter. Bald kommt ein führender Berliner Politiker ins Visier Eberhardts. Der Rechtsanwalt ermittelt gemeinsam mit dem Rechtsmediziner Jarmer und seinem alten Freund und Ermittler Tobias. Das Trio kann den Politiker beinahe des Mordes überführen und sogar eine Anklage erzwingen. Am Ende aber wartet eine große Überraschung.

„Der 13. Mann“ ist der zweite Band von Florian Schwiecker und Michael Tsokos. Das Autoren-Duo aus Rechtsanwalt und Gerichtsmediziner hat einen spannenden Fall geschaffen, der in Teilen – und das erschrickt – auf wahren Begebenheiten beruht. Der Plot ist spannend, die Geschichte wird nicht langweilig. Am Schluss denkt man als Leser gar, der Fall sei gelöst, als sich alles noch einmal um 180 Grad wendet und eine völlig neue Geschichte entsteht. Ein wirklich spannender Twist. Das gleicht dann auch die ein oder andere erzählerische und stilistische Schwäche aus. Empfehlenswert!

Schwiecker / Tsokos: Der 13. Mann
Knaur 2022, 336 Seiten, EUR 12,99

Die vergessliche Mörderin

Von Benedikt Bögle

Copyright: Atlantik

Eine junge Frau sucht den Meisterdetektiv Hercule Poirot auf: Sie glaubt, einen Mord begangen zu haben. Poirot ist verdutzt. Hat sie nun einen Mord begangen oder nicht? Müsste man sich nicht erinnern können, falls man einen anderen Menschen getötet hat? Schnell verlässt die junge Frau Poirot wieder; er weiß weder ihren Namen noch ihre Adresse. Zufällig aber kann ihm die Krimi-Autorin Ariadne Oliver helfen: Sie erinnert sich an die junge Frau. Und tatsächlich: Bei ihren Eltern ist sie nicht, in ihrer Londoner WG aber auch nicht. Ist die Frau verschwunden? Poirot und Ariadne Oliver stürzen sich in die Ermittlungen und fragen sich, was es bedeuten könnte, dass die Frau „vielleicht“ einen Mord begangen hat. Und tatsächlich: Im Londoner Wohnhaus der Frau ist kürzlich eine Bewohnerin aus dem Fenster gesprungen. Es sah zwar nach Selbstmord aus, vielleicht aber könnte jemand nachgeholfen haben? Und dann ist da noch die Stiefmutter von Poirots Klientin: Sie leidet in letzter Zeit immer wieder an seltsamen Erkrankungen, die auf eine Vergiftung zurückzuführen sein könnten. Ist das ein versuchter Mord, der „vielleicht“ begangen wurde?

Die Lösung des Falls überrascht. „Die vergessliche Mörderin“ von Agatha Christie lässt den Leser bald schon ahnen, dass mit der vermeintlichen Mörderin etwas nicht ganz stimmen kann; immer wieder kann sie sich an lange Zeiträume nicht erinnern, in denen sie sodann glaubt, einen Mord begangen zu haben. Doch lange bleibt unklar, ob die junge Frau Täterin oder Opfer ist. Hat sie denn nun jemanden getötet? Die Lösung des Falles erscheint am Ende wieder ganz einfach. Einmal mehr liegt das große Talent von Agatha Christie darin, Details in ihrem Roman zu verstecken. Was jeder für wahr hält und niemand mehr hinterfragt, ist am Ende der Schlüssel zur Lösung. Ein spannender und ausgefallener Fall von Agatha Christie, der am Ende wirklich sehr überrascht.

Agatha Christie: Die vergessliche Mörderin
Atlantik, 2. Aufl. 2020, 219 Seiten, EUR 12

Die Tote in der Bibliothek

Von Benedikt Bögle

Copyright: Atlantik

In der Bibliothek von Ehepaar Bantry wird eine Tote gefunden. Eine junge Frau, die weder Mr noch Ms Bantry kennen. Wie kommt sie in die Bibliothek ihres Landhauses? Die Ermittlungen beginnen und die Polizei hat Mr Bantry auch nicht im Verdacht – doch Miss Marple ist besorgt. Sie ist – wie es der Zufall will – eine gute Freundin von Ms Bantry. Die Hobbydetektivin fürchtet, dass an Mr Bantry doch etwas hängen blieben könnte. Auch wenn die Polizei ihn nicht im Verdacht hat, könnten die Dorfbewohner das anders sehen. Also lässt sich Miss Marple nicht lange bitten und stürzt sich in die Ermittlungen, um den wahren Täter zu finden. Bei der Toten handelt es sich um Ruby Keene. Sie arbeitet in einem nahegelegenen Hotel als Tänzerin. Dort hat sie ein älterer Mann in sein Herz geschlossen und sie großzügig in seinem Testament bedacht – das könnte ein Motiv für seine beiden Schwiegerkinder sein, die sich selbst Hoffnungen auf die Erbschaft gemacht hatten. Nur: Die beiden haben ein Alibi. Verzwickt wird der Fall, als auch die junge Pamela Reeves ermordet aufgefunden wird. Sie scheint mit dem Fall nichts zu tun zu haben – und doch hängt alles zusammen.

Miss Marple kann am Ende den Fall meisterhaft lösen. Sie durchschaut einmal mehr als einzige die verzwickten Windungen. Wie in vielen Agatha-Christie-Fällen liegt auch bei „Die Tote in der Bibliothek“ die Lösung darin, das zu hinterfragen, was alle als sicher betrachten. Erst dann tun sich weitere Möglichkeiten auf und neue Verdächtige kommen in das Blickfeld. „Die Tote in der Bibliothek“ ist ein recht kurzer Band von Agatha Christie, der entsprechend zügig erzählt wird. Die Lösung: Absolut überraschend.

Agatha Christie: Die Tote in der Bibliothek
Atlantik, 4. Aufl. 2020, 204 Seiten, EUR 10

Christentum und Moderne

Von Benedikt Bögle

Copyright: Herder

Die Frage nach dem rechten Verhältnis von Kirche und Staat, von Religion und Politik ist aktuell. Der Staat fragt sich dieser Tage nicht nur, wie mit dem Islam staatskirchenrechtlich umzugehen ist, sondern auch, welchen Weg die an die Kirche erbrachten Staatsleistungen in der Zukunft gehen sollen. Dem Verhältnis von Kirche und Staat geht Heinz Schilling in einem bei Herder erschienenen Band historisch nach: „Das Christentum und die Entstehung des modernen Europa. Aufbruch in die Welt von heute“. Schilling zeigt zunächst anhand der ausgehenden Antike, wie Christentum und Staat einander beeinflussten und stellt fest: „Das Christentum war von Anfang an auf Weltlichkeit, also auf Wirken in und auf die Welt angelegt.“ Das Miteinander kirchlicher und staatlicher Strukturen prägt die europäische Welt über Jahrhunderte. Gleichzeitig liegt Schillings Augenmerk hauptsächlich auf der Entstehung der Moderne; den Schwerpunkt seines Werkes bildet die Untersuchung der Zeit ab der Reformation, begleitet von konfessioneller Auseinandersetzung.

Heinz Schilling macht deutlich: Indem die konfessionelle Einheit Westeuropas im Zuge der Reformation zerbricht, hat das auch Auswirkungen auf den einheitlichen Staat. Differenzierungen erfolgen nicht nur auf dem Gebiet der Religion, sondern eben auch der Politik wie der Künste. Dabei geht der Autor gerade der Reformation auf den Grund; seine Ausführungen entziehen sich jeder Oberflächlichkeit, die in Luther nur den modernen Reformator sehen will, und betont gerade auch dessen Verwurzelung in seiner Welt und Zeit. Zugespitzt formuliert Schilling gar, allgemeingeschichtlich könne man die Konfessionalisierung positiv bewerten: „als einen gewaltigen Differenzierungsschub“.

Heinz Schilling zeigt, welche Auswirkungen das Christentum auf die Entstehung des modernen Staates hatte. Er schildert, was die jeweiligen Konfessionen zur Entwicklung von Städten, Staaten und Kultur beigetragen haben und auf welches christliche Erbe das westliche Europa daher zurückblicken kann. Entstanden ist so ein sehr schöner Band, der in vielem auf bereits Veröffentlichtes zurückgreift, gleichzeitig aber – wie der Autor selbst betont – eben keinen „Sammelband“ darstellt, sondern ein in sich stimmiges Ganzes mit einem erkennbaren roten Faden. Dabei drückt sich der Autor durchgängig gut verständlich aus – ein sehr interessanter Band.

Heinz Schilling: Das Christentum und die Entstehung des modernen Europa. Aufbruch in die Welt von heute
Herder 2022, 472 Seiten, EUR 28

Talberg 1977

Von Benedikt Bögle

Copyright: Heyne

Maria Leiner führt ein einsames und zurückgezogenes Leben. Sie lebt in einem kleinen Haus mitten im Wald, auf einer abgelegenen Lichtung. Ein langer Fußmarsch trennt sie vom Dorf Talberg. Marias Leben dreht sich um ihren Hund und vor allem um den angrenzenden Wald – sie ist im Dorf als „Hexe“ bekannt und fühlt sich wohl tatsächlich auch selbst so. Ihr beschauliches Leben gerät aber plötzlich durcheinander: Sie erhält Briefe von ihrer lange totgeglaubten Tante. Dann taucht auch noch ein seltsamer Wanderer auf, der in ihrem Stall übernachten möchte. Irgendetwas ist im Gange – nur weiß Maria nicht genau, was. Die Probleme werden größer, als der Wanderer plötzlich vermisst wird. Maria scheint ihn als letzte gesehen zu haben. Was ist mit dem Mann geschehen? Und was hat es mit einem weiteren Mann auf sich, der Maria ständig beschattet?

„Talberg 1977“ ist der zweite Band der Talberg-Reihe von Max Korn. Dieses Buch kann aber ohne Bedenken auch dann gelesen werden, wenn man „Talberg 1935“ noch nicht kennt. Max Korn schildert eingängig und bedrückend das einfache Leben von Maria Steiner. Sie ist nicht direkt eine sympathische Heldin. Zwar hatte sie es in ihrem Leben nicht einfach, doch wird im Verlauf des Buches immer deutlicher, dass auch Maria die ein oder andere Leiche im Keller hat – vielleicht sogar im wörtlichen Sinn? Irgendetwas versteckt die alte Frau in ihrem dunklen Keller. Ein finsteres und altes Geheimnis, das der Leser nur langsam erahnen kann.

Der zweite Teil des Buches überrascht da ein wenig: Plötzlich geht es nicht mehr nur um Maria und ihre Verbrechen in der Vergangenheit; es geht jetzt auch um zwei jüngere Männer, die es auf den Besitz der alten Frau abgesehen haben und ihr alles nehmen wollen, was sie besitzt. Max Korn – das Pseudonym eines deutschen Autors – ist ein genialer Erzähler. Er macht die bedrückende Welt mitten in den unwirtlichen Bergen und Wäldern geradezu fühlbar. Dabei dürfte sein Roman in der zweiten Hälfte etwas langsamer geschrieben sein: Die doch recht komplizierten Zusammenhänge hageln im Vergleich zum langsam erzählenden ersten Teil nun geradezu auf den Leser ein. Im Ergebnis kann das aber kaum einen Abbruch machen: „Talberg 1977“ ist ein genialer Roman.

Max Korn: Talberg 1977
Heyne 2022, 381 Seiten, EUR 15

Franziskus und die Pandemie

Von Benedikt Bögle

Copyright: Herder

Marco Politi gilt als Kenner des Vatikans und von Papst Franziskus. Nach „Franziskus unter Wölfen“ und „Das Franziskus-Komplott“ ist ein neuer Band von ihm bei Herder erschienen: „Im Auge des Sturmes.“ Schon der Untertitel wirkt etwas bemüht: „Franziskus, die Pest und die Heilung der Welt“. Es geht – die „Pest“ deutet es bereits an – zunächst um die Corona-Krise. Politi erzählt eigentlich nur nach, was die Corona-Pandemie für die Kirche und den Vatikan bedeutete: Dass Kirchen geschlossen wurden, Messen ausfallen mussten, der Papst die morgendliche Messe aus Santa Martha streamen ließ und in einem Aufsehen erregenden Gebet auf dem leeren Petersplatz die ganze Welt bewegte. Für die Kirche waren und sind das sicherlich prägende Monate und Jahre; Politis Ausführungen bringen dem Leser, der sich auch nur ein wenig mit diesen Fragen auseinandergesetzt hat, aber nichts neues.

Ähnlich geht es weiter: Der Autor beleuchtet nun die Haltung von Papst Franziskus zu nationalistischen und autoritären Bewegungen auf der ganzen Welt. Es geht sodann um innerkirchliche Probleme: Die Frage nach der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, nach dem synodalen Weg in Deutschland, nach dem Umgang mit den Fällen sexuellen Missbrauchs. All das sind wichtige Themen, aber auch hier kann Politi nichts neues bieten für jene, die sich auch nur in Ansätzen mit dem (welt-)kirchlichen Geschehen der vergangenen Jahre auseinandergesetzt haben. Sein Buch wirkt eher wie eine Chronik der vergangenen zwei oder drei Jahre im Vatikan. Da werden eigentlich keine größeren Zusammenhänge aufgezeigt, auch theologisch vermag der Autor die Problemfelder nicht einzugrenzen oder zu erläutern. „Im Auge des Sturmes“ dürfte daher für viele Leser keinen großen Gewinn bringen, fasst gleichzeitig aber wichtige kirchliche Entwicklungen der vergangenen Jahre übersichtlich zusammen.

Marco Politi: Im Auge des Sturms. Franziskus, die Pest und die Heilung der Welt
Herder 2021, 187 Seiten, EUR 18

Gott macht Geschichte

Von Benedikt Bögle

Copyright: Herder

Mit biblischen Kommentaren ist das so eine Sache. Oft sind sie sehr umfangreich und sehr teuer. Sie überfordern einen durchschnittlichen, nicht wissenschaftlich gebildeten Leser, indem sie intensive Quellenkritik betreiben, auf das griechische oder hebräische Original eingehen und damit vertiefte Kenntnisse voraussetzen. Diese Kommentare sind wichtig, sie sind für die biblische Wissenschaft unersetzlich – und doch in vielen Fällen nichts für Gläubige, die sich für die Heilige Schrift interessieren. In diese Lücke sticht Wilfried Eisele mit einem Kommentar zum Lukasevangelium: „Das Lukasevangelium. Gott macht Geschichte.“ Der Band erinnert an zwei von Ludger Schenke erschienene Bücher zu Markus und zu Johannes. Der Aufbau von Eiseles Band ist zwar ähnlich, setzt aber durchaus auch eigene Schwerpunkte.

Eisele gliedert das Lukasevangelium in sechs größere Abschnitte. Beinahe im Stile eines Essays legt der Autor sodann die einzelnen Periskopen aus; dies geschieht nicht vollständig. Die ein oder andere Bibelstelle fehlt leider – ermöglicht so aber ein noch kompaktes und handliches Buch. Die Auslegungen sind knapp. Sie eignen sich hervorragend für Gläubige, die sich für eine bestimmte Bibelstelle interessieren und etwas nachlesen wollen. Das Buch eignet sich aber auch für alle, die sich vertiefter mit dem Lukasevangelium auseinandersetzen und es vielleicht sogar am Stück lesen wollen. Besonders hilfreich ist da ein Perikopenindex am Ende des Buches; er stellt auf, an welchem Sonntag der kirchlichen Lesejahre die jeweiligen Bibelabschnitte aus dem Lukasevangelium greifen.

Wilfried Eisele: Das Lukasevangelium. Gott macht Geschichte
Herder 2021, 157 Seiten, EUR 18

MoPeG-Synopse

Von Benedikt Bögle

Copyright: C.H. Beck

Das Gesetz zur Modernisierung des Personengesellschaftsrecht (MoPeG) stellt eine erhebliche Änderung des Rechts der Personengesellschaften dar. Es greift tief in die §§ 705 ff. BGB und in das HGB ein und führt zu zahlreichen Änderungen der beiden Gesetze. Das kann leicht unübersichtlich werden – eine Arbeitshilfe ist der bei C.H. Beck erschienene Band „MoPeG“ in der Reihe der „Beck’schen Textausgaben“. Diese Synopse stellt die geltende und die neue Rechtslage einander gegenüber. Dies geschieht in vier Abschnitten. Die ersten beiden Abschnitte sind eine Gegenüberstellung der Änderungen in BGB und HGB, wobei links die alte, rechts die neue Rechtslage aufgeführt sind. Die letzten beiden Teile drehen diese Systematik geradezu um – links die neue, rechts die alte Rechtslage.

Dieser Aufbau hat einen entscheidenden Vorteil. Im Augenblick wird das Interesse vieler Rechtsanwender darin bestehen, die noch geltende Rechtslage mit der künftigen zu vergleichen. Ausgangspunkt ist das momentane Recht. Spätestens ab Geltung der Änderungen wird sich aber auch dieses Bedürfnis ändern; vielen wird es nun darum gehen, die Vorgängernorm der geltenden Rechtslage zu finden. Insofern: Ein sehr gelungener Band, der gute Hilfestellungen leisten kann. Allenfalls der Preis mit knapp 20 Euro erscheint – es handelt sich ja „nur“ um Gesetzestexte – etwas hoch.

Carsten Schäffer (Hg.): MoPeG. Modernisierung des Personengesellschaftsrechts mit Synopsen zum BGB aF/nF und HGB aF/nF
C.H. Beck 2022, 173 Seiten, EUR 19,80