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Das Geheimnis der Schnallenschuhe

Von Benedikt Bögle

Copyright: Atlantik

Poirot muss zum Zahnarzt – und fürchtet sich. Jedes Mal auf Neue ist ihm der Besuch unangenehm und jedes Mal fällt ihm ein Stein vom Herzen, wenn es geschafft ist. Doch dieses Mal soll der ärztliche Eingriff Nachwehen zeitigen: Nur kurz, nachdem Poirot die Zahnarztpraxis verlässt, ist sein Arzt tot. Es sieht alles nach einem Selbstmord aus, der noch plausibler wird, als nur wenige Stunden ein Patient des Zahnarztes stirbt. Offenbar hatte der Arzt ihm eine zu hohe Dosis eines Mittels gespritzt, seinen Fehler später bemerkt und sich anschließend selbst gerichtet. Doch Poirot traut der Sache nicht; irgendetwas stimmt nicht – der Zahnarzt war weder der Typ für einen Selbstmord noch für eine falsche Medikamentendosierung. Wenig später wird auf einen weiteren Patienten ein Attentat ausgeübt. Eine dritte Patientin verschwindet schließlich. Stimmte irgendetwas mit der Praxis nicht?

Poirot taucht tief in die Ermittlungen ein – und deckt am Ende, wen würde es wundern, die Verbrechen auf. Wie immer erzählt Agatha Christie eine spannende Geschichte, die bis zum Ende undurchschaubar bleibt. Die Rätsel werden immer mehr und nur der berühmte Meisterdetektiv Hercule Porto kann sie lösen. Ein spannender und unterhaltsamer Roman!

Agatha Christie: Das Geheimnis der Schnallenschuhe. Ein Fall für Poirot
Atlantik 2021, 264 Seiten, EUR 12

Klage, Gutachten und Urteil

Von Benedikt Bögle

Copyright: C.F. Müller

Von Walter Zimmermann ist bei C.F. Müller erschienen: „Klage, Gutachten und Urteil.“ Der Band bietet eine Anleitung für Rechtsreferendare, die sich im Rahmen von Prüfungsarbeiten – und auch in der späteren Praxis – mit diesen drei juristischen Formen auseinandersetzen müssen. Der Autor gibt dabei Anleitungen und Hilfestellungen: Wie sollen Klage, Gutachten und Urteil aufgebaut werden? Worauf ist zu achten? Welchen Aufbauregeln muss, welchen sollte man folgen? Wo liegen häufige Fehlerquellen? Die Ausführungen zeigen sich als durchaus verständlich. Die Gliederung ist recht kleinteilig, was in diesem Fall allerdings nicht unbedingt zu einer gesteigerten Übersichtlichkeit führt. Schön ist, dass Walter Zimmermann jeweils ein ausführliches Beispiel für Gutachten, Klage und Urteil bietet. Wünschenswert wäre es da allerdings, auch eine Musterakte zu haben: Man sieht zwar das fertige Ergebnis etwa des Gutachtens, aber nicht, aus welchen Unterlagen dieses erarbeitet wurde. Nun kostet eine Musterakte zwar viel Platz; allerdings bestehen ja auch viele Prüfungsarbeiten im Examen aus einer solchen Akte oder zumindest einem entsprechenden Auszug. Dagegen bietet sich dieser Band auch gut als Nachschlagewerk an: So führt der Autor etwa eine ganze Vielzahl an Tenorierungsvorschlägen auf, an denen man sich orientieren kann.

Walter Zimmermann: Klage, Gutachten und Urteil. Eine Anleitung für die zivilrechtlichen Ausbildungs- und Prüfungsarbeiten mit Beispielen
C.F. Müller, 21. Aufl. 2019, 218 Seiten, EUR 26

Zimmermann: ZPO-Fallrepetitorium

Von Benedikt Bögle

Copyright: C.F. Müller

Der Band „ZPO-Fallrepetitorium“ von Walter Zimmermann, erschienen bei C.F. Müller, weist einen klaren Aufbau auf: Insgesamt behandelt der Autor in seinem Band 568 Fälle. Daraus wird schon deutlich: Es handelt sich nicht, wie man vom Titel her vielleicht meinen könnte, um ein Fallbuch, das Fälle aufwirft und dann wie in einer Klausur mustergültig löst. Vielmehr handelt es sich bei den Fällen um kurze oder etwas längere Probleme, die Fragestellungen aus der ZPO behandeln. Dabei deckt der Band die ganze Fülle zivilprozessualer Probleme ab, vom Rechtsweg bis zum Schiedsverfahren, von der Zustellung bis zur Berufung. Die behandelten Probleme sind mal länger, mal kürzer, überschreiten aber kaum zwei Seiten. Damit kann der Leser sehr konkret abgesteckte Thematiken vertiefen. Walter Zimmermann bietet dabei durchweg viele Beispiele. Er bleibt nicht abstrakt und theoretisch, sondern zeigt die Bedeutung der Fragen für die Praxis. Das ist gerade am Beginn des Referendariats mehr als hilfreich.

Zugleich verfügt dieser Band über ein „Vier-Punkte-System“. Neben jeder Fragestellung ist so vermerkt, ob die Ausführungen Grundlagen betreffen, etwas schwierigere Fälle für Studenten sind oder Fälle für Referendare. Zugleich ist auch markiert, ob es sich um entlegene, komplizierte Probleme handelt. So ist dieses Fallrepetitorium – eigentlich auf das Referendariat ausgelegt – eben auch für Studierende geeignet, die entsprechend gekennzeichnete Ausführungen einfach überspringen können. Zugleich schafft Zimmermann es so, eine weitere Ordnung in seinen Text zu bringen; es wird deutlich, was zum absoluten Grundwissen gehört, und was vielleicht kurz gelesen, aber nicht zwingend vertieft werden muss. Ein sehr empfehlenswerter Band.

Walter Zimmermann: ZPO-Fallrepetitorium. Grundlagen, Examenswissen, Referendariatspraxis
C.F. Müller, 11. Aufl. 2019, 469 Seiten, EUR 33

Tischgebete

Von Benedikt Bögle

Copyright: Verlag Neue Stadt

Das Tischgebet mag in vielen christlichen Familien nicht mehr üblich sein. Und dennoch ist es ein guter Augenblick, innezuhalten, zu danken für das, was wir erhalten haben. Wer allerdings immer das selbe Tischgebet verwendet, setzt sich womöglich einer Gefahr aus: Irgendwann spricht man die Worte ohne großen Bedacht. Sie werden zur Routine – und unterbrechen den Alltag eben nicht mehr bewusst. Das kann man ändern, indem man zwischen verschiedenen Tischgebeten wechselt. Eine Möglichkeit dazu bietet ein Buch, das beim Verlag Neue Stadt erschienen ist: „Segne, Vater, diese Gaben. Tischgebete.“ Im handlichen Format versammelt dieses kleine Heft einige Tischgebete. Darunter finden sich die absoluten „Klassiker“ der Tischgebete, längere und kürze, Gebete für Erwachsene oder auch für Kinder. Eine schöne Möglichkeit, Abwechslung in das Tischgebet zu bringen!

Segne, Vater, diese Gaben. Tischgebete
Verlag Neue Stadt 2018, 23 Seiten, EUR 4,50

Der Honig und der Stachel

Von Benedikt Bögle

Copyright: Gütersloher Verlagshaus

„Der Honig und der Stachel“ von Rabbiner Dr. Walter L. Rothschild ist ein faszinierendes Buch: Geschrieben ist es zunächst für Menschen, die überlegen, zum Judentum zu konvertieren. Es bietet eine Einleitung in den Glauben und die Glaubenspraxis des Judentums. Es geht um den Synagogengottensdienst und die Feier des Sabbats, um die Feste im Lauf des Jahres und den jüdischen Kalender, um die Heilige Schrift und die Lehrer des Judentums. „Das Buch beabsichtigt, Sie über den Glauben zu unterrichten, ohne Sie zum Glauben zu zwingen“, schreibt der Autor in seinem Vorwort. Walter Rothschild hat seinen Band sehr übersichtlich gestaltet – einzelne Fragen lassen sich auf einen schnellen Blick finden. Nun ist der Autor dieser Zeilen hier selbst kein Jude, sondern Christ. Einzelne Positionen des Autors in das Gesamt jüdischer Lehre zu verorten, fällt ihm daher naturgemäß schwer. Der Autor dieser Zeilen kann gleichwohl eines feststellen: Dieses Buch eignet sich auch hervorragend für Menschen, die nicht Juden sind und auch nicht konvertieren wollen, aber einfach interessiert sind am Glauben Israels. Es eignet sich etwa für christliche Theologen, die mehr wissen wollen über die Religion „unserer älteren Brüder“, wie Papst Johannes Paul II. es formulierte. Es eignet sich für Menschen, die im christlich-jüdischen Dialog engagiert sind und schlicht für alle, die sich für den jüdischen Glauben interessieren. Ihnen bietet dieser Band eine gut geschrieben, informative, spannende Darstellung.

Rabbiner Dr. Walter L. Rothschild: Der Honig und der Stachel. Das Judentum – erklärt für alle, die mehr wissen wollen
Gütersloher Verlagshaus, Sonderausgabe 2020, 431 Seiten, EUR 25

Arbeitsmethode des Zivilrichters

Von Benedikt Bögle

Copyright: C.F.Müller

Kommt man aus dem Jura-Studium in das Referendariat, ist vieles zu nächst neu. Sachverhalte stehen nicht mehr einfach fest, sondern müssen aufgeklärt werden. Wer hat welche Umstände zu beweisen? Welchen Zeugen glaubt man, welchen nicht? Einen Leitfaden durch diese Fragen kann ein bei C.F. Müller erschienen Band sein: „Die Arbeitsmethode des Zivilrichters für Referendare und junge Praktiker mit Fällen und einer Musterakte“ von Kurt Schellhammer. Der Autor führt durch die Arbeitsweise eines Richters: Konsequent beginnt der Band nach einer kurzen, theoretischen Einführung mit der Arbeit am Sachverhalt. Es folgen die einzelnen Stationen beim Kläger, beim Beklagten und in der Beweisaufnahme. Schließlich informiert Schellhammer über das Urteil, geht auf die vorläufige Vollstreckbarkeit und auf besondere prozessuale Gestaltungen – etwa die Säumnis, die Widerklage oder die Wiederaufnahme – ein. Entstanden ist so ein sehr informativer Band. Zugleich bietet der Autor aber immer wieder Beispiele und eine Musterakte, die das ganze Verfahren durchzieht und an der Schellhammer das gerade dargestellte praktisch umsetzt. Damit dient dieses Band sehr gut als eine Einführung in die Arbeitsmethode des Zivilrichters – aber auch als Nachschlagewerk, etwa für die verschiedenen Tenorierungen, die Kurt Schellhammer knapp und übersichtlich darstellt.

Kurt Schellhammer: Die Arbeitsmethode des Zivilrichters für Referendare und junge Praktiker mit Fällen und einer Musterakte
C.F. Müller, 18. Aufl. 2019, 324 Seiten, EUR 36

Theologie der Ehe

Von Benedikt Bögle

Partnerschaf, Ehe und Beziehung sind in der katholischen Kirche ein Thema, das im Zentrum theologischer Debatten steht – das zeigte nicht nur die von Papst Franziskus einberufene Familiensynode. Wer darf heiraten? Was darf, wer verheiratet ist, aber in Trennung lebt? Eine umfassende Theologie der Ehe hat die Dogmatikern Julia Knop bei Friedrich Pustet veröffentlicht: „Beziehungsweise. Theologie der Ehe, Partnerschaft und Familie“ ist eine Darstellung, die verschiedene theologische Aspekte zu Ehe und Partnerschaft aufgreift. Die Autorin beleuchtet historische Stationen des Eheverständnisses und ökumenische Sichten, wirft einen Blick auf die Liturgie der Eheschließung und lässt immer wieder auch kirchenrechtliche Aspekte einfließen. Verantwortete Elternschaft hat in diesem Band ebenso seinen Platz wie die Frage nach der Trennung von Ehepartnern. Dieser Band schafft es, nicht nur Detailfragen zur Ehe zu klären, sondern einen umfassenden Blick auf die Thematik zu werfen. Gerade deswegen eignet er sich hervorragend für Studierende als Lehrbuch, aber auch für an der Theologie Interessierte als Lesebuch.

Julia Knop: Beziehungsweise. Theologie der Ehe, Partnerschaft und Familie
Pustet 2019, 380 Seiten, EUR 29,95

Wer waren die Nationalsozialisten?

Von Benedikt Bögle

Copyright: C.H: Beck

Wer waren die Nationalsozialisten? Wer waren die Menschen, die Krieg, Tod und Verderben über einen ganzen Kontinent brachten? Was trieb sie an, wie sahen ihre Biographien aus? Dieser Frage geht Ulrich Herbert in einem bei C.H. Beck erschienenen Band nach: „Wer waren die Nationalsozialisten“ enthält eine Sammlung verschiedener Essays, die allesamt um diese Frage kreisen. Herbert stellt dabei vor allem heraus, dass in der frühen Bundesrepublik eine bestimmte Argumentation entwickelt wurde, die vor allem die Größen der NSDAP zu den Nationalsozialisten zählte: Hitler, Göring, Goebbels. Daneben wurden auch einige als Verbrecher angesehen, die vielleicht nicht in der Führungsriege handelten, aber dafür in den Konzentrationslagern ihren grauenhaften Dienst verrichteten. Die Folge: Bestimmte Nazis konnten ohne größere Probleme in die neue Bundesrepublik integriert werden – Juristen etwa, die vorher leitend in NS-Ministerien tätig waren, danach in der Führungsebene großer Unternehmer. Nochmals also die Frage: „Wer waren die Nationalsozialisten?“ Diese Frage kann ja auf zweierlei Weise gelesen werden. Zunächst: Wer war Nationalsozialist; wer also ist unter die Nazis zu rechnen, wer nicht? Daneben: Wer waren – vom Charakter, von der Biographie her – diese Nationalsozialisten?

Ulrich Herbert fragt nach dem Judenhass und der Rolle deutscher Professoren, nach dem Russlandfeldzug und der Ermordung der europäischen Juden, nach dem Weg in den Nationalsozialismus und nach den Nachklängen in der Bundesrepublik. Entstanden ist ein sehr interessantes, informatives, fundiertes, gleichzeitig aber auch flüssig zu lesenden Buchs. Es kann allen nahegelegt werden, die sich historisch für die Zeit des Nationalsozialismus interessieren.

Ulrich Herbert: Wer waren die Nationalsozialisten?
C.H. Beck 2021, 303 Seiten, EUR 24

Einführung in das Religionsverfassungsrecht

Von Benedikt Bögle

Copyright: Nomos

Das Religionsverfassungsrecht meint „die Gesamtheit der Normen, die das Verhältnis des Staates zur Religion regeln“, schreibt Peter Unruh in seinem bei Nomos erschienenen Band „Religionsverfassungsrecht“. Und eben diese Normen legt der Autor im Folgenden dar. Zunächst: Dieser Band ist sehr übersichtlich strukturiert. Der Leser findet sich auf einen schnellen Blick sehr gut in den Ausführungen zurecht, die zudem durchweg sehr verständlich gehalten sind. Am Anfang steht die Auseinandersetzung mit der Religionsfreiheit nach Art. 4 I, II des Grundgesetzes. Es folgen etwa das Verbot der Staatskirche, das Selbstbestimmungsrecht der Religionen oder die Frage nach dem Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Auch die immer wieder umstrittenen Fragen nach dem Religionsunterricht oder den aus der Säkularisation herrührenden Staatsleistungen werden von Peter Unruh kundig und übersichtlich behandelt. Dieser Band richtet sich als Teil der Reihe „Nomos Lehrbuch“ in erster Reihe an Studierende. Entsprechend werden immer wieder kurze Fälle erläutert und am Ende jedes Kapitels Kontrollfragen gestellt, um das Gelesene zu sichern. Gleichwohl kann dieser Band aber auch allen dienen, die sich – beruflich oder aus privatem Interesse – mit dem Verhältnis von Staat und Religion in Deutschland beschäftigen wollen oder müssen. Sehr zu empfehlen!

Peter Unruh: Religionsverfassungsrecht
Nomos, 4. Aufl. 2018, 392 Seiten, EUR 15,90

Aus der Mitte des Sees

Von Benedikt Bögle

Copyright: Diogenes

Bruder Lukas fühlt sich verlassen. Gleichzeitig mit einem anderen jungen Mann war er in sein Benediktinerkloster eingetreten. Der andere, sein bester Freund innerhalb der Klostermauern, hat das klösterliche Leben hinter sich gelassen, hat geheiratet, ist Vater geworden. Jeden Tag geht Bruder Lukas zum See neben dem Kloster, schwimmt eine Runde, schwelgt in Gedanken. Wie soll es weitergehen mit dem Kloster, dessen Brüder immer älter werden, während kein Nachwuchs zu kommen scheint? Beneidet er den ausgetretenen Mitbruder oder soll er eher wütend auf ihn sein? Diese Fragen werden drängender, als eine junge Frau die Gottesdienste des Konvents besucht, immer wieder im Kloster auftaucht. Bruder Lukas beginnt sich zu verlieben – und setzt sich neu mit seiner Berufung auseinander. „Aus der Mitte des Sees“ ist ein faszinierender Roman, den Moritz Heger geschaffen und bei Diogenes veröffentlicht hat. Setzt sich Literatur dieser Tage mit christlichem Glauben oder gar zölibatärem Leben auseinander, sind bestimmte Richtungen immer wieder zu sehen: Entweder wird völlig uninformiert über den Glauben geschrieben oder aber völlig abwertend. Entweder also ist die Welt der Glaubenden eine, die sich von vornherein verschließt, oder eine, die von vornherein abzuwerten ist.

Ganz anders und deswegen so erfrischend „Aus der Mitte des Sees“. Zunächst: Der Autor beschreibt gut informiert das Leben in einem Kloster. Die Begriffe passen, ein authentisches Bild wird gezeichnet. Darüberhinaus nimmt Moritz Heger Glaubensfragen und Berufungszweifel ernst. Er stellt sich und dem Leser wirklich die Frage: Welchen Sinn hat ein klösterliches Leben? Welchen Zweifel könnte sich ein Mönch in unserer Zeit in unserem Land ausgesetzt sehen? Am Ende zeichnet der Autor das Bild einer Berufung, die sich nicht immer ohne Brüche verwirklicht – aber doch dem lebenslangen Suchen nach Gott Ausdruck verleiht. Ein faszinierender Roman.

Moritz Heger: Aus der Mitte des Sees
Diogenes 2021, 245 Seiten, EUR 22