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Indische Küche – authentisch

Von Benedikt Bögle

Denken wir an indische Küche, wird sich wohl bei den meisten Menschen mehr oder weniger schnell ein Currygericht vor dem inneren Auge zeigen. Fleisch und Gemüse, gekocht in einer Currysauce. Dazu: Reis. Das mag auch indisches Essen sein, die Küche des Subkontinents hat aber viel mehr zu bieten. Das zeigt ein Kochbuch der indischen Food-Autorin Sonal Ved: „Die echte indische Küche“ ist im Hölker Verlag erschienen. 500 Rezepte bietet die Autorin, die die Vielfalt der indischen Küche widerspiegeln – wobei: Eigentlich gibt es gar nicht die eine indische Küche.

Copyright: Völker Verlag

Es gibt vielmehr die Küche indischer Regionen – konsequent ist das Buch in sechs Regionen aufgeteilt. Die Autorin kocht sich durch Nordindien, Zentralindien, Westindien, Südindien, Ostindien und Nordostindien. Die Struktur ist in jeder Region gleich: Nach einer kurzen Vorstellung der Region kommen Vorspeisen und Snacks auf den Tisch, anschließend Geflügel und Eier, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Vegetarisches, Reis, Brote und schließlich Desserts. Wem einige Zutaten unbekannt sein mögen, kann sich an einen tollen Glossar zu Beginn des Bandes halten. Dieses Kochbuch vereint eine unglaubliche Vielfalt mit kurzen, eingängigen Rezepten und tollen Bildern. Sehr zu empfehlen!

Sonal Ved: Die echte indische Küche. 500 authentische Rezepte aus allen Regionen
Hölker Verlag 2019, 496 Seiten, EUR 49

Arabische Kultur

Von Benedikt Bögle

Die arabische Kultur ist im Westen relativ unbekannt – dabei hat sie unglaubliche Schätze hervorgebracht, die auch die europäische Kultur nachhaltig geprägt haben: Etwa die Überlieferung der Philosophie des Aristoteles, die Erfindung des Schachspiels oder der Kaffee, der heute weltweit kaum mehr von der Kultur weggedacht werden könnte. Das wohl war auch der Grund für Karim Pamuk über die arabische Kultur zu schreiben: „Kiffen, Kaffee und Kajal. Eine kurze Kulturgeschichte von allem, was uns lieb und orientalisch ist“ ist beim Gütersloher Verlagshaus erschienen. In mehr oder weniger kurzen Geschichten schreibt der Kabarettist und Schriftsteller über die Kultur des Orients – und das teilweise sehr gelungen. Vor allem der biographische Einschlag des Mannes, der 1970 in der Türkei geboren wurde und später nach Deutschland kommt, ist spannend. Gerne hätte man davon mehr gelesen. Stattdessen bringt der Autor auch kurze Einblicke in die arabische Geschichte ein, die beinahe schon unübersichtlich wirken; man hat den Eindruck, Pamuk wolle schlicht mehr darbieten, als es dem Umfang dieses kleinen Büchleins gut getan hätte. Immer wieder versucht der Autor seinen Humor einfließen zu lassen – bisweilen ist das unterhaltsam, bisweilen aber auch eine Nuance zu viel für ein Buch, das ja nicht einfach witzig sein will, sondern tatsächlich die orientalische Kultur näherbringend möchte. In Teilen hat Karim Pamuk das auch erreicht – wenngleich nicht durchgängig auf dem gleichen unterhaltsamen Niveau.

Kerim Pamuk: Kiffen, Kaffee und Kajal. Eine kurze Kulturgeschichte von allem, was uns lieb und orientalisch ist
Gütersloher Verlagshaus 2019, 221 Seiten, EUR 18
Copyright des Bildes: Gütersloher Verlagshaus

Ein Kommentar zum jüdischen Neuen Testament?

Von Benedikt Bögle

Ein „Kommentar zum jüdischen Neuen Testament“ – tiefe Einsichten möchte man davon erwarten. Die christliche Theologie versteht ja zum Glück immer mehr, wie wichtig nicht nur ihre jüdischen Wurzeln sind, sondern wie wichtig gerade auch der Dialog mit dem Judentum ist. Antworten zu jüdischen Wurzeln im Neuen Testament erwartet man, Anregungen für den Dialog mit unseren jüdischen Brüdern und Schwestern. Bei SCM ist ein solcher Kommentar erschienen. Er stammt von David H. Stern und wurde von Sieglinde Denzel und Susanne Naumann übersetzt.

Copyright: SCM

David Stern bezeichnet sich als messianischen Juden, man kann aus den Einführungen nur erahnen, dass er sich also als Juden versteht, der aber zugleich an Jesus Christus als den Messias glaubt. Sichtbar wird das etwa daran, dass fortwährend die jüdische Version der Namen aus dem Neuen Testament verwendet wird. Jesus ist Jeschua, Matthäus Matitjahu, Jerusalem Jeruschalajim. Viele der Aspekte aus diesem Kommentar sind zudem sehr interessant.

Leider aber handelt es sich nicht um einen wissenschaftlichen Kommentar im eigentlichen Sinn. Während der weitaus größte Teil der biblischen Wissenschaft heute etwa zu dem Schluss kommt, der zweite Thessalonicherbrief stamme nicht vom Apostel Paulus selbst, erwähnt der vorliegende Kommentar dies mit keinem einzigen Wort. An wen richtet Paulus seinen Galaterbrief? An die Region Galatien oder an die von dem Römern so benannten Provinz Galatien? Diese klassischen Eimnleitungsfragen spielen für den Autor überhaupt gar keine Rolle. Sicherlich, spannend ist, wie das Neue Testament mit jüdischen Augen gelesen wird, viele Verweise innerhalb der Schriften finden sich ebenfalls. Aber: Wirklich wissenschaftlich ist dieser Kommentar dennoch nicht.

David H. Stern: Kommentar zum jüdischen Neuen Testament
SCM 2. Aufl. 2017, 1388 Seiten, EUR 58,40

Staatsrecht II: Die Grundrechte

Von Benedikt Bögle

Wer sich mit den Grundrechten innerhalb des juristischen Studiums beschäftigen möchte oder muss, kann sich an ein Lehrbuch von Ingo von Münch und Ute Mager halten: „Staatsrecht II. Grundrechte“ ist bei Kohlhammer erschienen. Die Autoren bieten einen guten und verständlichen Überblick über die Grundrechte des Grundgesetzes und haben dabei immer auch für die Prüfung relevante Fragen im Blick. Dieses Lehrbuch arbeitet mit vielen teilweise sehr ausführlich gelösten Fällen. Die Literaturhinweise zu Beginn des Bandes sind kurz, übersichtlich und damit hilfreich. Am Ende des Bandes hätte man sich noch eine kurze Sammlung von Definitionen und Schemata gewünscht – dennoch: ein empfehlenswertes Lehrbuch.

Ingo von Münch /Ute Mager: Staatsrecht II. Grundrechte
Kohlhammer, 7. Aufl. 2018, 346 Seiten, EUR 34

Gegen Markion

Von Benedikt Bögle

Die Irrlehre des Markion von Sinope war für die alte Kirche mit Sicherheit eine der wichtigsten Irrlehren. Der Schiffsreeder vom schwarzen Meer behauptete, der Gott, von dem das Alte Testament spricht, sei nicht der Gott Jesu Christi. Um zwei verschiedene Götter musste es sich folglich handeln: Der eine hatte die Welt erschaffen, der andere war der Gott, von dem Jesus Christus sprach. Diese Lehre war dogmatisch sehr gefährlich, gerade auch, weil die Schöpfung als böse und minderwertig abgetan wurde. Gleichzeitig aber war die Lehre für die Kirche sehr wichtig, weil sie gerade in Beschäftigung mit diesen Thesen immer sicherer wurde, die Heilige Schrift Israels auch künftig zum Basis des christlichen Glaubens zu machen.

Copyright: Herder

Der Theologe Tertullian beschäftigte sich mit Markion und versuchte, ihn in seiner berühmten Schrift „Adversus Marcionem“, „Gegen Markion“ inhaltlich zu widerlegen. In vier Bänden ist diese Schrift auf Lateinisch und Deutsch bei Herder erschienen. Der erste Band enthält eine sehr umfangreiche Einleitung von Volker Lukas, der das Werk auch übersetzt hat. Zu Beginn der Teilbände finden sich Gliederung der Schrift Tertullians, die dem Leser eine gute Übersicht und ein schnelles Auffinden gesuchter Stellen ermöglicht.

Tertullian gibt sich am Beginn seines Werkes Mühe, einerseits Markion als Person despektierlich zu machen, andererseits aber den Glauben an zwei Götter diskursiv zu widerlegen. So führt er etwa aus, der Gedanke an zwei Götter sei widersinnig. Gott müsse als das Allergrößte gedacht werden. Sobald es aber zwei Götter gebe, sei keiner der beiden mehr der „Allergrößte“, müsse er doch den ersten Platz mit einem anderen teilen. So geht es weiter: Tertullian verstößt die Lehre vom bösen Schöpfergott, wehrt sich gegen die Abwertung der Sexualität bei Markion und seinen Nachfolgern und zeigt auf, dass sich der eine wahre Gott nicht erst in Jesus Christus offenbart haben kann, sondern dies schon vorher geschehen sein muss.

Copyright: Herder

Die Bände zeigen die antike Diskussion um den wahren Glauben auf. Gerade in den ersten Jahrhunderten rangen die Christen eindringlich um die Frage, was der wahre Glaube, was die wahre Interpretation des Christentums sei. Einen wichtigen Baustein liefert dazu eben nicht nur die Lehre des Markion, sondern gerade die Erwiderung auf ihn.

Tertullian: Adversus Marcionem – Gegen Markion. Erster Teilband. Eingeleitet und übersetzt von Volker Lukas
Herder 2015, 196 Seiten, EUR 34

Tertullian: Adversus Marcionem – Gegen Markion. Zweiter Teilband. Eingeleitet und übersetzt von Volker Lukas
Herder 2016, 300 Seiten, EUR 40

Tertullian: Adversus Marcionem – Gegen Markion. Dritter Teilband. Eingeleitet und übersetzt von Volker Lukas
Herder 2017, 400 Seiten, EUR 44

Tertullian: Adversus Marcionem – Gegen Markion. Vierter Teilband. Eingeleitet und übersetzt von Volker Lukas
Herder 2017, 272 Seiten, EUR 38

Begeisterung Lesen

Von Benedikt Bögle

Lesen begeistert Menschen seit Jahrtausenden, seit der Erfindung der Schrift, Schriftrollen und Bücher. Bücher sind eine Möglichkeit, Gedanken auszutauschen und Ideen zu verbreiten. Bücher haben daher seit jeher die Welt verändert – die großen philosophischen Werke sicherlich ebenso wie Unterhaltungsliteratur. Und doch scheint die Befürchtung zu wachsen, mit dem Lesen könnte es eines Tages ein Ende haben: Fernsehen, Internet und Smartphones könnte die Begeisterung für das geschriebenste Wort, für dicke oder auch dünne Bücher schmälern. Dieser Befürchtung tritt Michael Busch indes entschieden entgegen. Busch ist Geschäftsführer der Thalia-Buchhandlungen, die 2019 ihren 100. Geburtstag feierte.

Zu diesem Anlass hat Busch ein im Herder-Verlag erschienenes Buch herausgegeben: „Welt, bleib wach. Das große Buch vom Lesen – eine Anstiftung“. Tatsächlich ist dieses Buch nicht nur eine Anstiftung, sondern eine ganze Flut von Anstiftungen. Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft schreiben, was sie am Lesen so lieben. Für Sigmar Gabriel etwa wäre eine Welt ohne Lesen undenkbar – und er schildert, was er eigentlich so liest. Walter Homolka schreibt, welch große Bedeutung das Lesen, das Buch für den jüdischen Glauben hat. Philipp Lahm schreibt von einer großen Welt, die sich hinter den bloßen Buchstaben verbergen kann. Ein tolles Lesewerk, das wirklich zum Lesen anstiften kann.

Michael Busch (Hg.): Welt, bleib wach. Das große Buch vom Lesen – eine Anstiftung
Herder 2019, 335 Seiten, EUR 20

Copyright des Bildes: Herder

Übersicht über das Strafrecht BT

Von Benedikt Bögle

Der Besondere Teil (BT) des Strafrechts kann bisweilen eine unübersichtliche Materie sein: Zahlreich sind die Meinungsstreite, die ein Student spätestens im Examen wiedergeben können sollte. Wie etwa findet eine Abgrenzung zwischen Raub und Erpressung statt? Ist Mord die Qualifikation des Totschlags oder ein eigener Tatbestand? Und überhaupt: Hat dieser Klassiker unter den Meinungsstreitigkeiten zwischen BGH und der „herrschenden Lehre“ überhaupt eine andere Auswirkung als die Frage, wie man den Tatbestand richtig zitiert? Antworten auf diese Fragen bieten zwei Lehrbücher aus dem Nomos-Verlag, die in der Reihe „Die Blauen“ erschienen sind. Beide Bände wurden von Urs Kindhäuser begründet. Der erste Band behandelt die Straftaten gegen Persönlichkeitsrechte, Staat und Gesellschaft und wurde von Edward Schramm weitergeführt. Der zweite Band behandelt entsprechend dann die Vermögensdelikte. Er wurde von Martin Böse aktualisiert und weitergeführt.

Im Aufbau sind beide Bände letztlich gleich – und überzeugen gleichermaßen. Zunächst fällt auf, dass nicht nur die examensrelevanten Delikte Erwähnung finden. Während etwa die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung regelmäßig nicht zum Pflichtstoff gehören, werden sie dennoch behandelt – ebenso etwa auch der Menschenhandel oder die Ausbeutung der Arbeitskraft. Wer sich „nur“ auf das Examen konzentrieren möchte, kann diese Kapitel ja getrost auslassen. Der Vorteil aber: Wer breiter interessiert ist oder im Schwerpunkt Strafrecht studiert, kann sich dennoch an dieses Lehrbuch halten.

Die Autoren arbeiten grundsätzlich mit sehr kurzen Fällen, an denen prägnant klassische Probleme aufgezeigt werden. Meinungsstreite werden konsequent als Streite dargestellt; nie versteigen sich die Autoren dazu, einfach ihre Meinung als unwidersprochen darzustellen. Die Sprache ist verständlich, die Gedanken klar und stringent. Der Überblick entsprechend gut. Besonderen Wert legen die Autoren auf Themen, die für Studenten besonders wichtig sind: Zu den meisten Delikten wird ein Aufbauschema geboten, am Ende des Bandes folgen übersichtlich die wichtigsten Definitionen. Konkurrenzen werden in der gebotenen Kürze behandelt, Einzelfragen und Detailprobleme auch als solche gekennzeichnet. Die beiden Bände können auf voller Linie überzeugen.

Kindhäuser / Schramm: Strafrecht Besonderer Teil I. Straftaten gegen die Persönlichkeitsrechte, Staat und Gesellschaft, Nomos, 9. Aufl. 2020, 510 Seiten, EUR 25,90

Kindhäuser / Böse: Strafrecht Besonderer Teil II, Straftaten gegen Vermögensdelikte, 441 Seiten, Nomos, 10. Aufl. 2019, EUR 24

Copyright der Bilder: Nomos