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Examens-Repetitorium Sachenrecht

Von Benedikt Bögle

Bei C.F. Müller ist bereits in achter Auflage das „Examens-Repetitorium Sachenrecht“ von Mathias Habersack erschienen.

Die Reihe

Der Band fügt sich in die Reihe „Unirep“ ein. Für beinahe alle Fächer des Ersten Juristischen Staatsexamens bietet diese Reihe eine meist sehr gute Examenswiederholung. Dabei sind die Ausführungen grundsätzlich am Stil eines Lehrbuches ausgerichtet, bauen aber mal mehr oder weniger Fälle ein, die teilweise als Beispiele dienen, teilweise aber auch ausführlich gelöst werden. 

Der Autor

Mathias Habersack lehrt an der Münchner LMU Bürgerliches Recht und Unternehmensrecht. Er ist der Herausgeber der Reihe „Unirep“, in der die Examens-Repetitorien erscheinen.

Copyright: C.F. Müller

Der Aufbau

In durchaus klassischem Aufbau stehen am Beginn – nach einführenden Ausführungen – die einzelnen Themen des Miobiliarsachenrechts. Das beinhaltet auch den Schutz von Eigentum und Besitz, die Möglichkeiten, Eigentum (gutgläubig) zu erwerben und vor allem auch das Eigentümer-Besitzer-Verhältnis. Am Ende steht dann das Grundstücksrecht. Dieser Aufbau ist durchweg übersichtlich gehalten.

Der Inhalt

Auch Mathias Habersack bietet – wie für die Reihe „Unirep“ üblich – eine grundsätzlich sinnvolle Verbindung von Lehrbuch und Fallsammlung. Allerdings löst der Autor die gebotenen Fälle nie „klausurartig“; sie dienen eigentlich nur als Beispiele für die lehrbuchartigen Ausführungen. Das ist schade. Zudem sind die Fälle, wie das für das Sachenrecht ja durchaus üblich ist, meist etwas verworren; spätestens wenn mehrere Beteiligte zum Zug kommen, wird es schwierig. Kleine Skizzen hätten da ziemlich weitergeholfen. Zwar kann man die auch selber anfertigen, allerdings könnten kurze Übersichten auch die Verständlichkeit des Stoffes steigern. Dadurch ist es an mehreren Stellen sehr schwierig dem Autor zu folgen. Sicherlich: Der Band richtet sich ja nicht an Anfänger, sondern an Studierende, die (kurz) vor dem Examen stehen. Und dennoch kann eine gewisse Tiefe des Stoffes ohne weiteres auch mit Übersichtlichkeit und Verständlichkeit erreicht werden; das zeigen hervorragend etwa die beiden Bände von Christian Jäger aus der Unirep-Reihe zum Strafrecht AT und Strafrecht BT. Diese pädagogische Brillanz erreicht Mathias Habersack leider nicht.

Fazit

Grundsätzlich bietet der Band thematisch eine gute, wiederholende Übersicht über das Sachenrecht. Allerdings hätte man sich an vielen Stellen mehr Verständlichkeit und eine bessere Übersichtlichkeit gewünscht.

Mathias Habersack: Examens-Repetitorium Sachenrecht
C.F. Müller, 8. Aufl. 2016, 222 Seiten, EUR 20,99

Examens-Repetitorium Verwaltungsrecht

Von Benedikt Bögle

Bei C.F. Müller ist bereits in fünfter Auflage das „Examens-Repetitorium Allgemeines Verwaltungsrecht mit Verwaltungsprozessrecht“ von Professor Robert Uerpmann-Wittzack erschienen.

Die Reihe

Der Band fügt sich in die Reihe „Unirep“ ein. Für beinahe alle Fächer des Ersten Juristischen Staatsexamens bietet diese Reihe eine meist sehr gute Examenswiederholung. Dabei sind die Ausführungen grundsätzlich am Stil eines Lehrbuches ausgerichtet, bauen aber mal mehr oder weniger Fälle ein, die teilweise als Beispiele dienen, teilweise aber auch ausführlich gelöst werden.

Der Autor

Professor Ueprmann-Wittzack lehrt an der Universität Regensburg Öffentliches Recht und Völkkerrecht.

Copyright: C.F. Müller

Der Aufbau

Der Titel des Bandes würde zunächst erwarten lassen, dass im Vordergrund das Allgemeine Verwaltungsrecht steht, während das Prozessrecht einen Annex darstellt. Tatsächlich das genaue Gegenteil der Fall. Der Autor baut seine Ausführungen letztlich um den Aufbau der Sachurteilsvoraussetzungen einer verwaltungsgerichtlichen Klage. Die Frage etwa, wann ein Verwaltungsakt nichtig, wann nur rechtswidrig und damit anfechtbar ist, behandelt Uerpmann-Wittzack unter der Überschrift „Begründetet der Klage“. Dieser Aufbau hat einen großen Vorteil: Er entspricht den wohl häufigsten Klausuren im Verwaltungsrecht, wo – im Gegensatz zu Zivil- und Strafrecht – Fragen des Prozessrechts nicht nur selten bzw. als Zusatzfrage vorkommen, sondern in beinahe jeder Klausur zu lösen sind.

Der Inhalt

Auch inhaltlich vermag dieses Examens-Repetitorium vollauf zu überzeugen. Der Umfang ist mit 160 Seiten relativ knapp gehalten; dies ist einer knappen und gezielten Schreibweise des Autors zu verdanken. Der Band richtet sich bewusst nicht an Anfänger und kann daher auf viele Ausführungen verzichten oder sie nur kurz andeuten. Das ermöglicht eine Konzentration auf das wesentliche und auf die Inhalte, die auch bei einem Examenskandidaten noch der Vertiefung bedürfen. Die Fälle, die der Autor bietet, werden allerdings leider nie vollumfänglich gelöst; das ist etwas schade, spart aber andererseits wieder Platz und Zeit.

Fazit

Dieser Band ist vollumfänglich jedem zu empfehlen, der vor dem Examen nochmals das Allgemeine Verwaltungsrecht vertiefen will.

Robert Uerpmann-Wittzack: Examens-Repetitorium Allgemeines Verwaltungsrecht mit Verwaltungsprozessrecht
C.F. Müller, 5. Aufl. 2018, 160 Seiten, EUR 19,99

Überblick zum Sachenrecht

Von Benedikt Bögle

Einen guten Überblick zum Sachenrecht bietet „Sachenrecht I. Schutz von Besitz und Eigentum“ von Achim Bönninghaus. Erschienen ist es in der Reihe „JURIQ“ bei C.F. Müller. Bönninghaus gibt einen guten Überblick in die wichtigsten Fragen rund um den Besitz- und Eigentumsschutz. Zentral wird das Eigentümer-Besitzer-Verhältnis nach den §§ 985 ff. BGB behandelt. Dabei geht der Autor sehr systematisch vor und ermöglicht dem Leser dadurch, seinen Ausführungen auch in dieser eher komplexen Materie ständig gut folgen zu können. Viele kleine Beispiele illustrieren die Ausführungen und machen sie anschaulich.

Copyright: C.F. Müller

Am Beginn des Bandes stehen die Ausführungen zum Anspruch aus § 1004 BGB. Es folgt, wie bereits erwähnt, die Kondiktion mit ihren entsprechenden Ansprüchen. Am Ende folgen dann noch der Anspruch auf Grundbuchberichtigung, der Widerspruch gegen die Richtigkeit des Grundbuches sowie die Ansprüche aus §§ 861, 862, 859 und § 1007 BGB. Insgesamt hat Achim Bönninghaus hier ein sehr übersichtliches Arbeitsbuch geschaffen. Probleme sind direkt am Rand gekennzeichnet. Definitionen springen direkt ins Auge. Immer wider folgen auch sehr sinnvolle Anmerkungen für die Klausur – etwa wo ein Meinungsstreit offengelassen werden kann, wo man einer bestimmten Meinung unbedingt folgen sollte und wo man sich wirklich frei entscheiden darf. So ist ein Lehrbuch entstanden, dass sich konsequent auf die Bedürfnisse von Studenten fokussiert.

Achim Bönninghaus: Sachenrecht I. Schutz von Besitz und Eigentum
C.F. Müller, 3. Aufl. 2018, 166 Seiten, EUR 19,99

Jäger: Strafrecht AT

Von Benedikt Bögle

Wer für die Examensvorbereitung noch auf der Suche nach einem guten Lehrbuch für das Strafrecht Allgemeiner Teil ist, kann sich mit bestem Gewissen an das Repetitorium von Christian Jäger halten: „Examens-Repetitorium Strafrecht Allgemeiner Teil“ ist bei C.F. Müller in neunter Auflage erschienen. Wie auch der entsprechende Band zum Strafrecht BT kann auch dieses Buch auf voller Linie überzeugen. Professor Jäger versteht es, Wichtiges von unwichtigen Fragen zu trennen. So werden beispielsweise die einzelnen Theorie zur Handlung im strafrechtlichen Sinn mehr als kurz abgehandelt. Wo die Materie komplexer oder besonders examensverdächtig wird, wachsen auch die Ausführungen von Christian Jäger an, werden ihrerseits differenzierter, erklärender. Dabei bietet Jäger den Stoff nicht nur in lehrbuchartigen Ausführungen, sondern ergänzt seine Erklärungen durch viele und anschauliche Beispiele. Knapp 80 Fälle löst der Autor so ausführlich. Nicht mitgezählt sind dabei die vielen kleinen Beispiele.

Copyright: C.F. Müller

Auf diese Weise bietet Christian Jäger exakt das, was für das Examen wichtig ist. Der Band richtet sich erkennbar eben nicht an Anfänger. Dadurch kann der Autor auf vieles verzichten – das entzerrt die Ausführungen und kondensiert sie gleichsam auf das Wesentliche. Gleichzeitig sind die Ausführungen sehr gut strukturiert, wer ein Problem sucht, wird es schnell finden. Zusätzlich bietet Christian Jäger auch die entsprechenden Prüfungsschemata und beweist damit nochmals: Dieser Band ist exakt auf die Bedürfnisse von Examenskandidaten zugeschnitten.

Christian Jäger: Examens-Repetitorium Strafrecht Allgemeiner Teil
C.F. Müller, 9. Aufl. 2019, 445 Seiten, EUR 25

Fit im Strafprozessrecht

Von Benedikt Bögle

Für das Erste Staatsexamen ist das so eine Sache mit dem Strafprozessrecht. Man kann sich ja beinahe mit Sicherheit darauf verlassen, dass sich die eine Klausur aus dem Strafrecht sicherlich nicht schwerpunktmäßig mit einer Frage aus der StPO beschäftigt. Maximal eine kleine Zusatzfrage kann da kommen, die nicht allzuviele Punkte bringt. Also: auf Lücke lernen? Eher nicht, meint Professor Armin Engländer: „Dabei lässt sich in diesem Gebiet mit einem soliden Basiswissen schnell punkten. In der strafprozessualen Zusatzfrage der Strafrechtsklausur sowie in der mündlichen Prüfung wird in der Regel nicht Detailwissen, sondern lediglich die Kenntnis der wichtigsten Vorschriften und der Grundstrukturen des Strafverfahrens verlangt“, schreibt er im Vorwort zu „Examens-Repetitorium Strafprozessrecht“, das bei C.F. Müller mittlerweile in zehnter Auflage erschienen ist.

Copyright: C.F. Müller

Der Band folgt sodann auch konsequent der einführenden Bemerkung. Nur gute 100 Seiten umfasst dieses Repetitorium. Das entspricht ja dem Postulat, es gehe weniger um Detailwissen, sondern eher um einen soliden Überblick. Und den bietet Armin Engländern zweifelsfrei. Lehrbuchartig behandelt er die wichtigsten Stadien des Verfahrens, spricht über Zwangsmittel und Beweisverwertungsverbote. Auf dem engen Raum bietet er gleichzeitig aber auch mehr als siebzig Fälle, die der Autor ebenso knapp wie übersichtlich prüft. Überhaupt gilt das für diesen Band: Er ist knapp und übersichtlich. Eine Einführung in die StPO ist das hier nicht. Soll es ja auch nicht sein; vielmehr eine Möglichkeit, den Stoff schnell und zielgerichtet für das Examen vorzubereiten. Wer sich auf das Examen vorbereitet, StPO nicht auf Lücke lernen und gleichzeitig nicht zu viel Zeit für dieses Fachgebiet verwenden will, kann sich besten Gewissens an diesen Band halten.

Armin Engländer: Examens-Repetitorium Strafprozessrecht
C.F. Müller, 10. Aufl. 2020, 135 Seiten, EUR 18

Examens-Repetitorium Staatsrecht

Von Benedikt Bögle

„Das Staatsrecht ist im juristischen Studium ein ambivalentes Fach. Einerseits ist es spannend durch seinen engen Bezug zum politischen Geschehen (zumal seit der Wiedervereinigung), andererseits ist es doch verblüffend, wie es Wissenschaft und Rechtssprechung immer wieder gelingt, auf dem durchaus überschaubaren Normenbestand des Grundgesetzes weit ausgreifende Gedankengebäude zu errichten“, schreibt Professor Max-Emanuel Geis im Vorwort zu seinem „Examens-Repetitorium Staatsrecht“. In diesem bei C.F. Müller in dritter Auflage erschienenen Werk versucht Geis seinen Beitrag dazu zu leisten, dass Examenskandidaten sich mit diesem „Gedankengebäude“ vertraut machen können. Dies tut er grundsätzlich in zwei Schritten: Am Beginn des Bandes steht das Staatsorganisationsrecht, es folgen sodann die Grundrechte.

Copyright: C.F. Müller

Geis arbeitet konsequent an insgesamt 21 Fällen. Diese stammen oftmals aus der Judikatur des Bundesverfassungsgerichts. Schade, dass die genaue Fundstelle nicht bereits beim jeweiligen Sachverhalt angegeben ist. Geis löst die Fälle übersichtlich und gut strukturiert. Passt ein bestimmter Stoff gerade nicht zum gebotenen Fall, erlaubt sich der Autor auch einmal einen sinnvollen wie knappen Exkurs. Insgesamt ist der Band übersichtlich gehalten und ermöglicht damit eine schnelle Wiederholung des relevanten Stoffes vor dem Examen. Gerade im Staatsorganisationsrecht erlaubt Geis sich auch eine gewisse Tiefe. Oft werden ja immer dieselben Probleme geboten: Darf der Bundespräsident Gesetze auf ihre materielle Verfassungsmäßigkeit hin überprüfen? Was passiert, wenn der Bundesrat irrtümlich davon ausgeht, er dürfe einem bestimmten Gesetz seine Zustimmung verweigern? Geis bietet mehr und legt zu Beginn des Bandes insbesondere die Staatsstrukturprinzipien dar. Insgesamt: Dieser Band lohnt sich für die Examensvorbereitung. Mit seiner Hilfe kann der Stoff schnell und zuverlässig wiederholt werden.

Geis: Examens-Repetitorium Staatsrecht
C.F. Müller, 3. Aufl. 2018, X + 291 Seiten, EUR 23,99

Peifer: Gesetzliche Schuldverhältnisse

Von Benedikt Bögle

Das Lehrbuch von Nikolaus Peifer, Professor an der Universität zu Köln, zu den gesetzlichen Schuldverhältnissen ist bei Nomos bereits in sechster Auflage erschienen. „Schuldrecht. Gesetzliche Schuldverhältnisse“ bietet einen guten Überblick über die drei wichtigen Themenkomplexe: Deliktsrecht, Bereicherungsrecht und Geschäftsführung ohne Auftrag. Dabei findet der Autor eine gute Balance zwischen reinen Lehrbuch-Ausführungen und der Anwendung am Fall: Insgesamt 116 kurze Fälle bietet Peifer, die er direkt im Anschluss ebenso kurz löst. Dabei wird der Blick auf das Wesentliche gelenkt und das gerade Besprochene nochmals anschaulich zusammengefasst. Die Ausführungen des Autors sind durchweg verständlich gehalten; bisweilen hätte man sich etwas tiefergehende Anmerkungen erwartet.

Copyright: Nomos

Schön ist, dass am Ende des Bandes die wichtigsten Definitionen nochmals zusammengetragen werden, wenngleich deren alphabetische und nicht thematische Sortierung nicht ganz überzeugen kann. Das Stichwortverzeichnis ermöglicht es, ein gesuchtes Thema auch schnell aufzufinden. Nach jedem Abschnitt finden sich Fragen zur Wiederholung und zum Verständnis. Weshalb dort einfach keine Antworten geboten werden, ist völlig unverständlich. Schade auch, dass der Autor nicht hin und wieder explizite Literaturhinweise bietet. Ein Band, mit dem man insgesamt gut arbeiten kann. Der Stoff wird vollständig geboten, die Sprache ist verständlich, die Fälle anschaulich.

Nikolaus Peifer: Schuldrecht. Gesetzliche Schuldverhältnisse
Nomos, 6. Aufl. 2019, 353 Seiten, EUR 24,90

Geheime Quellen in Venedig

Von Benedikt Bögle

In Venedig staut sich die sommerliche Hitze, als Commissario Guido Brunetti und seine Kollegin Claudia Griffoni in ein Hospiz gerufen werden. Eine junge, an Krebs leidende Frau wollte unbedingt noch einmal mit der Polizei sprechen. Viel können die beiden Commissari nicht verstehen. Klar ist nur: Der Mann der sterbenden Frau scheint schmutziges Geld mit nach Hause gebracht zu haben, um dadurch die erforderlichen Krankenhausaufenthalte zu finanzieren. Nur: Dieser Mann starb selbst vor kürzester Zeit bei einem Motorradunfall. Brunetti beginnt zu ermitteln. Ins Visier gelangt schnell der Arbeitsplatz des Toten. Als Techniker war er für die Sicherheit des Trinkwassers zuständig. Könnte es sein, dass er in diesem Zusammenhang schlechtes Geld angenommen hat? Der Plot ist für einen geübten Donna-Leon-Leser eigentlich vorhersehbar. Überraschungen? Keine, zumindest keine großen.

Copyright: Diogenes

Auch in „Geheime Quellen“ wiederholt sich das Thema, das ständig durch Donna Leons Krimis plätschert: Der marode und abgewirtschaftete italienische Staat, die allgegenwärtige Bestechung, die moralische Verkommenheit der Politiker und höheren Beamten. Natürlich wird, auch das eigentlich wie immer, der Krimi noch garniert durch einen kleinen Nebenschauplatz. Dieses Mal geht es um stehlende Kinder. Das ist der soziale Akkord im Buch. Das Thema des Umweltschutzes, ebenfalls ja allgegenwärtig in Donna Leons Krimis, kommt natürlich wiederum zum Tragen. Dieses Mal sogar im Hauptthema des Bandes.

Copyright: Diogenes

Ohne Zweifel: Donna Leon kann unterhalten. Das konnte sie beim ersten Band, das kann sie auch nun bei Brunettis 29. Fall. Allerdings: Irgendwann wiederholen sich die Plots. Nicht, dass bereits Erzähltes nochmals geboten würde – nein. Aber die Themen wiederholen sich: Aufgrund dunkler Absprachen oder korrupter Mauscheleien muss einer sterben. Entweder weil er zu viel wollte oder weil er aussteigen wollte. Brunetti kommt der Korruption auf die Spur. Am Rande geht es um den Umweltschutz. Nicht, dass dies nicht ein gewichtiges Thema wäre. Ganz im Gegenteil. Es wiederholt sich nur eben auch. Das zum Buch gehörende Hörbuch wurde von Joachim Schönfeld gelesen. Sein sanfter Tonfall passt hervorragend zur Melodie der Erzählung. Gleichzeitig versteht er es, die kleinen und sanften Witze noch besser hervortreten zu lassen.

Donna Leon: Geheime Quellen. Commissario Brunettis neunundzwanzigster Fall
Diogenes 2020
Als Buch: 316 Seiten, EUR 24
Als Hörbuch: 7 CDs, EUR 26

Hunkeler in der Wildnis

Von Benedikt Bögle

Im Kannenfeldpark in Basel wird ein toter Mann gefunden. Neben ihm finden sich zwei Boulekugeln – wo ist dritte, notwendige Kugel geblieben? Der Tote ist Journalist, mit seinen Texten über die Kulturwelt Basels hat er sich bei weitem nicht nur Freunde geschaffen. Eigentlich ist Peter Hunkeler als Polizist ja nicht mehr im Dienst. Allerdings ist er auch einer der ersten, die den Tatort betreten – dadurch bringt sich Hunkeler auch durch eigene Fehler in die Mitte des Falles; dorthin, wo er eigentlich nicht mehr stehen will oder doch nicht anders kann. Im weiteren Verlauf legt er sich mit seinen ehemaligen Kollegen bei der Polizei an, kann aber immer wieder auch zielführende Hinweise liefern und findet am Ende gar den Mörder.

Copyright: Diogenes

„Hunkeler in der Wildnis“ ist der zehnte Kriminalroman rund um Peter Hunkeler. Ein Band, bei dem der eigentliche Kriminalfall nicht im Vordergrund steht. Geradezu beiläufig entwickelt sich der Mordfall. Wirklich wichtig scheint er nicht zu sein, auch die Lösung nimmt man als Leser gar nicht mehr als Höhepunkt der Handlung wahr. Vielmehr geht es beständig um die Gefühlslage von Kommissar Hunkeler. Um die Beschäftigungslosigkeit in der Rente, um die Einheit mit der Natur, um die Freiheit des Wanderns. All das hat seinen Charme, entfernt sich aber doch immer weiter von einem klassischen Kriminalroman. In einer Rezension schrieb Christine Richard von der Basler Zeitung, der Autor Hansjörg Schneider und seine Bücher „gehören gar keiner Gattung an. Sie sind autonom. Sie sind Schneider-Bücher. Nichts sonst.“ Dem wird man sicherlich zustimmen können. Nicht einfach, dieses Buch einem Genre zuzuschreiben. Vielleicht tatsächlich gar unmöglich. Der Text ist flüssig und eindringlich – nur eben sehr wenig ein Kriminalroman.

Hansjörg Schneider: Hunkeler in der Wildnis
Diogenes 2020, 222 Seiten, EUR 22

Aus dem Alltag eines Strafverteidigers

Von Benedikt Bögle

Es ist eine Frage, die sich Menschen immer wieder stellen: Wie kann ein Strafverteidiger guten Gewissens arbeiten, wenn er wirklich einmal einen schuldigen Menschen verteidigt? Einen, der die ihm zur Last gelegte Tat auch wirklich begangen hat, zweifelsfrei? Stephan Lucas beantwortet diese Frage: „Auf der Seite des Bösen. Meine spektakulärsten Fälle als Strafverteidiger“ ist bei Droemer erscheinen. Lucas ist Strafverteidiger in München, bekannt auch aus der Fernsehserie um Richter Alexander Hold, in der er den Staatsanwalt gab. Stephan Lucas schildert Fälle, die aus ganz unterschiedlichen Gründen spektakulär sind. Da ist zunächst eine Mutter, die ihre fünfjährige Tochter eine kurze Strecke mit dem Fahrrad fahren ließ. Das Kind geriet auf die Straße und wurde von einem Autofahrer getötet. Nun sollte sich die Mutter vor Gericht wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Schon dieser erste Einstiegsfall ist an menschlicher Dramatik nicht mehr zu überbieten und zeigt direkt, dass ein Strafverteidiger eben nicht immer nur auf der Seite der „Bösen“ steht.

Copyright: Droemer

Andere Fälle sind dann aber an verbrecherischer Energie gar nicht mehr zu überbieten. Und tatsächlich stellt man sich hier als Leser die Frage: Wie schafft es der Strafverteidiger, einen so offenkundig schuldigen Menschen zu verteidigen? Dabei macht Lucas immer wieder klar: Ein Strafverteidiger verteidigt nicht die moralische Unbedenklichkeit seines Mandaten. Er kämpft schlicht dafür, dass jeder Mensch das gerechte und faire Verfahren erhält, das unsere Rechtsordnung ihm zubilligt und das in einem Rechtsstaats schlicht unerlässlich ist. Die Einblicke von Strafverteidiger Lucas sind nicht nur interessant und facettenreich, sie fesseln tatsächlich den Leser und sind insbesondere gut geschrieben. Schade nur ist, dass der Verlag nicht offen sichtbar angibt, dass es sich bei diesem Band um eine erweiterte Neuauflage des gleichnamigen Buches aus dem Jahr 2012 handelt. Sicher, im Impressum findet sich der Hinweis. Der Leser wird den Band aber zunächst möglicherweise doch für eine Sammlung neuer Fälle halten.

Stephan Lucas: Auf der Seite des Bösen. Meine spektakulärsten Fälle als Strafverteidiger
Droemer, erweiterte und überarbeitete Taschenbuchausgabe 2020, 269 Seiten, EUR 9,99