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Versammlungsrecht

Von Benedikt Bögle

Gerade in der Corona-Krise ist das Versammlungsrecht im Fokus: Welche Versammlungen dürfen stattfinden, welche nicht? Aber auch außerhalb der Krise ist das Versammlungsrecht ein sensibler Bereich: Auf der einen Seite steht die überragende Bedeutung der Versammlungen für das Wesen der Demokratie, die auch einer Minderheit die Kundgabe ihrer Meinung zusichert und ihr damit auch die Möglichkeit eröffnet, eines Tages zur Mehrheit zu werden. Gleichzeitig sollen Versammlungen angemeldet werden; nicht selten kommt es auch zu erheblichen Problemen: Konflikte mit Gegendemonstrationen, Ausschreitungen, Kämpfe mit der Polizei.

Copyright: Nomos

Wer mit dem Versammlungsrecht arbeiten muss oder sich umfassend informieren möchte, kann sich an einen Kommentar aus dem Nomos-Verlag halten: „Versammlungsrecht des Bundes und der Länder“ wurde von Ridder, Breitbach und Deiseroth herausgegeben. Im Wesentlichen lässt sich dieser Band in drei Bereiche einteilen. Am Beginn stehen – für einen Kommentar eher ungewöhnlich, aber gleichwohl sinnvoll – historische Ausführungen zum Versammlungsrecht. Es folgt eine Kommentierung des Bundesrechts. Dass dabei das Versammlungsgesetz zur Ausführung gelangt, verwundert nicht, ebenso wenig die Ausführungen zu Art. 8 des Grundgesetzes. Hervorzuheben sind hier aber auch die für das Versammlungsrecht relevanten Kommentierungen entsprechender Straftatbestände, etwa des Landfriedensbruches oder der Volksverhetzung.

Als dritter Teil des Bandes schließen sich Kommentierungen zu den Vorschriften der Länder an. Dabei werden die Vorschriften der jeweiligen Landesverfassungen kommentiert sowie die jeweiligen Versammlungsgesetze, soweit solche vorhanden sind. Damit haben die Autoren einen sehr umfassenden Band geschaffen. Wer sich auch mit Landesrecht beschäftigen möchte, muss hier nicht mehr zu eigenen Publikationen greifen; vielmehr kombiniert dieser Kommentar die Aspekte gleichermaßen des Bundes- wie des Landesrechtes. Dies erleichtert jedenfalls auch die Vergleichbarkeit verschiedener versammlungsrechtlicher Bestimmungen wie etwa die oft eher feinen Differenzen zwischen dem Bundes- und dem Landesrecht.

Ridder/Breitbach/Deiseroth: Versammlungsrecht des Bundes und der Länder
Nomos, 2. Aufl. 2020, 1699 Seiten, EUR 178

Verfassungskrise oder Corona-Krise?

Von Benedikt Bögle

Versagt unsere Verfassung während der Corona-Krise? Oder anders gesagt: Erleben wir im Augenblick auch eine Verfassungskrise? Bisweilen könnte man diesen Eindruck vielleicht bekommen: Ein großer Teil der Grundrechte war zumindest zum bisherigen Höhepunkt der Pandemie eingeschränkt. Versammlungen (Art. 8 GG) und Gottesdienste (Art. 4 GG) waren unmöglich, ebenso mussten die Menschen Einschränkungen ihrer Geschäfte (Art. 12 GG) und der allgemeinen Handlungsfreiheit (Art. 2 GG) hinnehmen, da soziale Kontakte gar nicht oder zumindest nur eingeschränkt möglich waren. War oder ist also die Verfassung in der Krise? Dieser Frage geht ein Buch der beiden Statsrechtler Jens Kersten und Stephan Rixen nach: „Der Verfassungsstaat in der Corona-Krise“ ist bei C.H. Beck erschienen. Und schon der Titel macht klar: Nicht der Verfassungsstaat selbst ist in der Krise.

Copyright: C.H. Beck

Die beiden Autoren zeigen die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Verfassungsstaat auf. Das betrifft die Einschränkung von Grundrechte, Auswirkungen auf den Sozialstaat und das Parlament. Die erste wichtige Klärung nehmen die beiden Autoren mit Blick auf die Frage nach dem Ausnahmezustand vor. „Im Normalzustand gilt die Verfassung, im Ausnahmezustand nicht. In der Corona-Krise gilt das Grundgesetz, an dem alle Gesetze und Rechtsverordnungen, Informations- und Verwaltungsakte zu messen sind, die von Gesetzgeber, Regierung und Verwaltung für die Bekämpfung der Pandemie eingesetzt werden.“ Mit anderen Worten: Das Grundgesetz gilt nach wie vor. Staatsrechtlich ist das also eigentlich kein Ausnahmezustand. Bei jedem einzelnen Grundrechtseingriff ist daher – wie auch außerhalb der Corona-Pandemie – zu fragen, ob er verhältnismäßig ist. Angesichts des hohen Schutzgutes Leben, dem all die Verordnungen und Gesetze zu dienen bestimmt sind, wird man viele Grundrechtseinschränkungen zumindest für begrenzte Zeit hinnehmen müssen.

Das heißt nicht, dass der Gesetzgeber immer richtig gehandelt hat. So etwa sahen viele Verordnungen der Bundesländer vor, dass Versammlungen verboten sind, sofern sie nich aktiv erlaubt werden. Dies kehrte den Sinn von Art. 8 GG geradezu um, demnach Versammlungen immer erlabt sind, sofern sie nicht aktiv verboten werden. Also war die Regelung unverhältnismäßig und griff gar in den Wesensgehalt eines Grundrechtes ein. Folgerichtig wurden diese Normen von den Gerichten aufgehoben. Auch das zeigt: Die Verfassung galt und gilt immer noch, auch während der Pandemie.

Dabei beleuchten Die Autoren auch die rechtlichen Schwierigkeiten, die Corona mit sich bringt – etwa für die Sitzungen des deutschen Bundestages. Zunächst hatten sich die Fraktionen auf ein Verfahren geeinigt, durch das jede Partei nur verringert Abgeordnete in die Sitzungen entsandte. So konnte der Abstand eingehalten werden, das Kräfteverhältnis der politischen Lager blieb unangetastet. Auf Dauer kann aber auch durch eine derartige Absprache ein Abgeordneter nicht von Sitzungen ausgeschlossen werden, hieße das doch, sein Recht fundamental zu beschneiden.

Insgesamt zeigen Kersten und Rixen hier, wie ein Diskurs über die Pandemie gelingen kann: Sachlich, informiert, ausgewogen. Dabei geht es den Autoren nicht darum, dem Gesetz- oder Verordnungsgeber immer den Rücken frei zu halten, noch pauschal alle Bemühungen zu verurteilen. Sie zeigen vielmehr konsequent, was in der Pandemie geht und was auch in der Notsituation dem Gesetzgeber verwehrt bleibt. Sie leisten dadurch einen wichtigen Beitrag zur (juristischen) Debatte über die Pandemie und zeigen gleichzeitig, dass die damit verbundenen Fragen noch nicht geklärt sind. Vielmehr wird man auch nach dem Ende dieser Pandemie über eine sinnvolle Weiterentwicklung des Infektionsschutzes nachdenken müssen. Einen ersten Baustein dazu liefert der vorliegende Band.

Jens Kersten / Stephan Rixen: Der Verfassungsstaat in der Corona-Krise
C.H. Beck 2020, 181 Seiten, EUR 24,90

Examens-Repetitorium BGB AT

Von Benedikt Bögle

In der Reihe „Unirep Jura“ erscheint in mittlerweile vierter Auflage das „Examens-Repetitorium BGB-Allgemeiner Teil“. Begründet wurde es von Peter Gottwald, fortgeführt nun von Markus Würdinger. Bereits im Vorwort stellt der Autor fest: „Während eine Vorlesung zum Allgemeinen Teil des BGB für Erst- oder Zweitsemester mit einzelnen Vorgriffen auf das Schuldrecht und das Sachenrecht auskommt, ist eine solche Beschränkung in einem Examensrepetitorium nicht sachgerecht.“ Mit anderen Worten: Dieser Band kann und will nicht isoliert das erste Buch des BGB zum Inhalt haben, sondern vielmehr Zusammenhänge aufzeigen. Das gelingt dem Autor durchweg.

Copyright: C.F. Müller

Anhand von mehr als 110 Fällen wiederholt Würdinger den Stoff des BGB AT. Er tut dies auf eine sehr verständliche und systematische Form. Dabei werden, wie bereits erwähnt, andere Rechtsgebiete mit eingearbeitet. Beispielsweise geht es bei der Vertretungsmacht nicht nur um die §§ 164 ff. BGB, sonder etwa auch um die Schlüsselgewalt aus dem Familienrecht oder auch Vorschriften aus dem HGB. Damit verschafft der Autor einen übersichtlichen Blick über die Themen des BGB AT, selbst wenn diese nicht dort, sondern an anderer Stelle im Gesetz geregelt sind. Ein derartiger Überblick ist für das Examen auch erforderlich.

Im Vorwort stellt der Autor fest: „Dieses Buch dient der Wissenskontrolle, Wiederholung und Vertiefung; es will und kann kein Lehrbuch zum Allgemeinen Teil des BGB ersetzen.“ Das ist mehr als verständlich. Der Vorsatz, ein Wiederholungsbuch zu schaffen, verwirklicht sich sodann aber durchweg. Dieser Band kann für die Examensvorbereitung auf jeden Fall empfohlen werden.

Gottwald/Würdinger: Examens-Repetitorium BGB – Allgemeiner Teil
C.F. Müller, 4. Aufl. 2016, 231 Seiten, EUR 21,99

Hirsch: Schuldrecht

Von Benedikt Bögle

Professor Christoph Hirsch veröffentlicht bei Nomos ein sehr empfehlenswertes Lehrbuch: „Schuldrecht Besonderer Teil“ ist dort bereits in sechster Auflage erschienen. Das Lehrbuch beschäftigt sich mit dem vollständigen BT des Schuldrechts. Während andere Reihen oft die vertraglichen Schuldverhältnisse von den gesetzlichen trennen, ist das hier anders: Der Band behandelt die einzelnen Vertragsarten ebenso wie die Geschäftsführung ohne Auftrag, das Bereicherungsrecht und die Ansprüche aus Delikt. Gemessen daran ist der Umfang von gut 500 Seiten nicht allzu ausufernd.

Hirsch überzeugt mit einer sehr klaren und verständlichen Sprache, der man als Leser jederzeit ohne Probleme folgen kann. Vor jedem Abschnitt bietet der Autor einen Fall, der kurz gelöst wird und so einen Einstieg in das Thema bietet. Daneben finden sich Literaturempfehlungen, die meist sehr knapp und damit auch übersichtlich gehalten sind. Der Autor entwickelt in der Folge die wichtigsten Punkte des jeweiligen Themas. Immer wieder verweist er auf Schemata, die sich im Internet finden lassen und ein sehr komplexes Frageschema zum richtigen Anspruch bieten. Sehr übersichtlich ist das leider nicht, für den ein oder anderen aber vielleicht durchaus sinnvoll; der Zugang zu den Schemata ist kostenfrei.

Copyright: Nomos

Auffällig ist, dass sich das Lehrbuch konsequent an den Bedürfnissen von Studenten orientiert. Dabei hätte man sich allerdings noch das ein oder andere Prüfungsschema gewünscht, das kurz (!) die wichtigsten Voraussetzungen eines Anspruchs bietet. Davon abgesehen handelt es sich hier aber um ein wirklich hervorragendes Lehrbuch. Dabei finden auch diejenigen Schuldverhältnisse Raum, die ansonsten eher stiefmütterlich oder gar nicht behandelt werden, etwa Spiel oder Wette. Die gesetzlichen Schuldverhältnisse hätten vielleicht ein klein wenig ausführlicher behandelt werden können. Andererseits ist es ein großer Vorteil, das ganze Schuldrecht BT in einem Band zu finden; das bedingt gewisse Kürze. Ein Lehrbuch, das Studenten sehr empfohlen werden kann.

Christoph Hirsch: Schuldrecht Besonderer Teil
Nomos, 6. Aufl. 2020, 515 Seiten, EUR 26,90

Examens-Repetitorium Europarecht

Von Benedikt Bögle

Europarecht gehört zum Pflichtstoff des Ersten juristischen Staatsexamens – aber wohl in einem deutlich weniger starken Umfang wie das deutsche Verfassungsrecht. Meist geht es um die Grundfreiheiten der Art. 34 ff. AEUV – aber eben nicht immer. Gesucht ist daher gute Ausbildungsliteratur, die nicht alles behandelt, sondern nur das relevante, gleichzeitig nicht zu sehr auf Oberflächlichkeit und Lücke setzt. Wer das sucht, kann sich an ein Buch aus der Reihe „Unirep Jura“ von C.F. Müller halten: „Examens-Repetitorium Europarecht. Staatsrecht III“ von Christoph Herrmann.

Copyright: C.F. Müller

Zunächst: Der Umfang ist mit rund 140 Seiten sehr übersichtlich und damit dem genannten Zweck sehr dienlich. Auffällig: Der Band dreht sich eben nicht nur um das Europarecht. „Staatsrecht III“ meint vielmehr „Kenntnisse der völkerrechtlichen Bezüge des Verfassungsrechts“, wie der Autor im Vorwort schreibt. Dies ist ein Aspekt, der nur allzu oft etwas unter die Räder zu geraten droht. Insofern kann dieses Buch eine Lücke schließen, indem es in aller Kürze auf die Bezüge des Verfassungsrechts zum Völkerrecht eingeht. Den absoluten Schwerpunkt bildet dann aber zu Recht das Europarecht. Die Ausführungen von Professor Herrmann sind durchweg nachvollziehbar und sehr gut verständlich. Begleitet werden die Ausführungen – für die Reihe „Unirep Jura“ üblich, durch mehrere erläuternde Fälle, die den Stoff anschaulich machen. Am Ende stehen sodann noch Übungsfragen. Zu denen werden zwar keine wörtlichen Antworten gegeben, aber ein Verweis zeigt die richtige Stelle zum Nachschlagen auf. Dieses Lehrbuch ist sehr gelungen und kann nur empfohlen werden. Der Leser sollte allenfalls den Hinweis ernst nehmen, es handle sich hier um ein Examens-Repetitorium. Das ist auch der Fall; für einen allerersten Einstieg in das Europarecht dürfte der Band kaum geeignet sein.

Christoph Herrmann: Examens-Repetitorium Europarecht. Staatsrecht III
C.F. Müller, 7. Aufl. 2019, 138 Seiten, EUR 18

Bayerisches Baurecht

Von Benedikt Bögle

In Deutschland besteht das Baurecht im wesentlichen aus zwei Regelungsbereichen: Auf der einen Seite steht das Bauplanungsrecht, das in der Kompetenz des Bundes liegt. Gerade das Baugesetzbuch regelt daher die Fragen nach dem Flächennutzungsplan, dem Bebauungsplan, der bauplanungsrechtlichen Zulässigkeit von Vorhaben. Daneben steht das Bauordnungsrecht: Wer bekommt eine Baugenehmigung? Wie bekommt man eine Baugenehmigung? Wie viel Abstand muss ein Gebäude zur Grundstücksgrenze haben? Diese Fragen liegen in der Gesetzgebungskompetenz der einzelnen Bundesländer. Das Problem daher: Baurecht ist in Teilen Bundesrecht, in Teilen Landesrecht. Das macht, wie immer, wenn es um Landesrecht geht, auch die Suche nach einem guten Lehrbuch nicht ganz einfach. Zu empfehlen: „Baurecht Bayern“ von Tobias Weber und Valentin Köppert, das bei C.F. Müller in der Reihe „JURIQ“ erschienen ist.

Copyright: C.F. Müller

Der Aufbau ist sehr klar: Am Beginn steht das Bauplanungsrecht, den zweiten Teil macht dann das Ordnungsrecht aus. Wie auch die anderen Bände der Reihe kann dieser durch eine klare Struktur überzeugen. Gleichzeitig bieten die Autoren immer wieder auch Aufbauschemata, die für die Klausur erforderlich sind. Auch die wichtigsten Definitionen werden gut und verständlich dargestellt. Überzeugend ist auch, dass die Autoren immer wieder auch das Prozessrecht und die sich daraus für das Baurecht ergebenden Besonderheiten aufgreifen. Damit entsteht eine sehr kompakte, aber auch sehr gute Darstellung über das Baurecht. Sie eignet sich als Einstieg in die Thematik, aber auch gut als Wiederholung.

Tobias Weber und Valentin Köppert: Baurecht Bayern
Nomos, 4. Aufl. 2019, 239 Seiten, EUR 21

Einführung in die Zwangsvollstreckung

Von Benedikt Bögle

Während das Recht der Zwangsvollstreckung zur ZPO gehört, ist es oft nicht Teil der einschlägigen ZPO-Lehrbücher. Das ist schade, denn im Examen ist es zumeist, wenn auch nur in Grundzügen, Prüfungsstoff. Wer nach einer guten Einleitung in das Zwangsvollstreckungsrecht sucht, kann sich gut an einen bei Nomos erschienenen Band halten: „Grundzüge des Zwangsvollstreckungsrechts“ von Professor Olaf Muthorst. Der Band liefert Grundzüge – und das ist schon der erste Vorteil. Das Wesentliche ist mit dabei, für das Examen unnötiges oder allzu vertiefendes wird ausgeschlossen. Mehr als übersichtlich ist auch die ganz grobe Einleitung am Anfang, die einen ersten Überblick über das Thema gibt.

Copyright: Nomos

Dieser wird folgend dann verfeinert. Dabei geht es zunächst um die allgemeinen Voraussetzungen der Zwangsvollstreckung: Titel, Klausel, Antrag, Zustellung. Dann folgen die einzelnen Arten der Vollstreckung in das bewegliche und das unbewegliche Vermögen. Am Ende stehen dann die für die Klausur doch immer wieder relevanten Möglichkeiten des Rechtsschutzes gegen die Zwangsvollstreckung. So übersichtlich der Aufbau, so gut auch die Ausführungen des Autors, die durchweg verständlich gehalten sind. Diese Verständlichkeit wird noch dadurch vertieft, dass immer wieder auch die konkreten Normen abgedruckt sind. Die könnte man zwar im Gesetz nachschlagen – praktisch ist es aber trotzdem. Das gilt auch für immer wieder zitiere Entscheidungen der Rechtsprechung, die gut sichtbar eingerückt abgedruckt sind.

Schade ist eigentlich nur, dass am Ende jedes Kapitels Wiederholungsfragen gegeben sind, für die man keine Antworten findet. Das ist zwar sinnvoll, um sich davon zu vergewissern, ob man etwas verstanden hat. Weiß man keine Antwort, kann man nochmals zurückblättern und nochmals lesen. Wenn man aber denkt, die Antwort zu wissen, aber falsch liegt, wird man auch nicht korrigiert. Insofern wäre es wünschenswert, wenn auch die Antworten zu den Fragen geboten würden. Im Übrigen aber: Übersichtlich, stringent, verständlich, empfehlenswert.

Olaf Muthorst, Grundzüge des Zwangsvollstreckungsrechts
Nomos, 3. Aufl. 2020, 233 Seiten, EUR 24,90

Polizeirecht für Bayern

Von Benedikt Bögle

Lehrbücher zum Landesrecht sind relativ überschaubar: Während sich ein Standardwerk zum BGB AT im gesamten Bundesgebiet vertreiben lässt, sind Lehrbücher wie etwa zum bayerischen Polizeirecht eher dünn gesät. Da ist einerseits das Standardwerk der Professoren Becker, Heckmann, Kempen und Manssen: „Öffentliches Recht in Bayern“. Speziell für das Polizeirecht bietet sich aber auch ein Band aus der JURIQ-Reihe von C.F. Müller an: „Polizei- und Sicherheitsrecht Bayern“ von Tobias Weber und Valentin Köppert.

Copyright: C.F. Müller

Wie für die Reihe „JURIQ“ üblich, ist der Band sehr übersichtlich gestaltet. Am Beginn des Bandes stehen sehr eingängige Erklärung zur Eröffnung der Aufgabe (Art. 2 PAG) und der Befugnis (Art. 11 PAG). Im Anschluss behandeln die beiden Autoren die Standardmaßnahmen – also etwa Platzverweis oder Sicherstellung, Schleierfahndung oder Gewahrsam. Die Vollstreckung polizeilicher Verwaltungsakte nach den Art. 70 ff PAG wird dann eher knapp, aber nicht weniger übersichtlich aufbereitet. Erst zum Schluss wird das Sicherheitsrecht relevant; etwas knapp möglicherweise, aber auch hier sehr übersichtlich.

Insgesamt ein schöner Band. Die Ausführungen sind sehr übersichtlich, die wichtigsten Schemata werden dem Studierenden direkt mitgeboten. Auch wichtige Begriffe werden immer wieder definiert. Komplementiert ist der Band durch fünf Übungsfälle, die im Klausurenstil gelöst werden und damit das Gelernte auch gleich im Fall anwenden lassen. Daher ist dieser Band Studenten jedenfalls zu empfehlen – als Einstieg in das Polizeirecht, aber auch zur Wiederholung.

Tobias Weber / Valentin Köppert: Polizei- und Sicherheitsrecht Bayern
C.F. Müller, 4. Aufl. 2019, 157 Seiten, EUR 19

Fragen zum Europarecht

Von Benedikt Bögle

Mehr als vierhundert Fragen zu Themen rund um das Europarecht bieten die Autoren Bieber, Epiney, Haag und Kotzur und in ihrem bei Nomos in fünfter Auflage erschienenen Band: „Europarecht in Fragen und Antworten“. Das Buch bietet sich besonders als Ergänzung zu dem von den gleichen Autoren verantworteten Lehrbuch „Die Europäische Union“ an. Die Fragen und Antworten zum EU-Recht können nun dazu dienen, das Wissen zu wiederholen und zu vertiefen. Die Antworten sind mal länger, mal kürzer, immer aber begleitet von sehr übersichtlichen Literaturempfehlungen. Das fällt sehr positiv auf. Die besprochenen Themen streuen dabei sehr weit, sie reichen vom institutionellen System der EU bis hin zu einzelnen Feldern der Politik wie etwa der Umweltpolitik.

Copyright: Nomos

Hier hätte man im Blick auf das Studium eine deutlich bessere Schwerpunktsetzung erwarten können. 30 Seiten sind den Grundfreiheiten gewidmet – dem Prüfungsthema schlechthin, wenn es einmal um EU-Recht geht. Die Darstellung verschiedener Politikbereiche nimmt mehr Platz ein und behandelt dort etwa das Steuerrecht oder auch die Sozialpolitik. Wichtige Themenfelder, zweifelsfrei. Für das Examen in den meisten Bundesländern aber wohl völlig irrelevant. Insgesamt ist so ein Buch entstanden, dass sehr übersichtlich gestaltet ist, kurze und knappe Antworten bietet, für die Vorbereitung auf Klausur und Examen allerdings nur bedingt geeignet ist. Eine große Hilfe wird es aber sicher allen Interessierten und Studenten eines entsprechenden Schwerpunkts sein.

Bieber/Epiney/Haag/Kotzur: Europarecht in Fragen und Antworten
Nomos, 5. Aufl. 2019, 237 Seiten, EUR 24,80

Examinatorium Sachenrecht

Von Benedikt Bögle

In der Reihe „NomosStudium“ ist ein empfehlenswertes „Examinatorium Sachenrecht“ erschienen. Herausgegeben wurde es von Professor Dieter Gieseler und Benedikt Berthold. Ausweislich des Vorworts vermittle der Band in einer „für die Vorbereitung auf die erste juristische Staatsprüfung gehörigen konzentrierten Form mittels einer gezielten Wiederholung und Vertiefung das für diese Prüfung erforderliche Wissen im Bereich des Mobiliar- und Immobiliarsachenrechts.“ Es bleibt dabei nicht nur beim Wunsch – die Autoren lösen ihr Versprechen vielmehr ein. Zunächst: Der Band richtet sich an Examenskandidaten. Er ist daher nicht als Einstiegslehrbuch in das Sachenrecht geeignet, sondern setzt tatsächlich einiges Wissen voraus. Für ein Examens-Repetitorium ist das durchaus sinnvoll. So werden Schwerpunkte auf die Probleme gesetzt, die regelmäßig problematisch sind und auch für einen Examenskandidaten noch nicht selbstverständlich.

Copyright: Nomos

Dabei beginnen die Autoren – wie in allen Darstellungen üblich – mit dem Mobiliarsachenrecht. Es geht um den Eigentumserwerb durch Rechtsgeschäft wie auch durch Gesetz, etwa durch den Fund oder die Ersitzung. Erst das letzte Drittel des Bandes beschäftigt sich mit dem Immobiliarsachenrecht und konzentriert sich dabei, durchaus sinnvoll, auf Hypothek und Grundschuld. Entstanden ist so eine sehr komprimierte Darstellung des Sachenrechts. Teilweise werden die Komplexe direkt anhand von Fällen dargestellt, teilweise erinnern die Ausführungen eher an ein Lehrbuch, das mit sehr vielen Beispielen garniert ist.

Gleichzeitig bieten die Autoren immer auch die erforderlichen Aufbauschemata. Dadurch ist dieses Buch perfekt für die Examensvorbereitung. Es konzentriert sich auf die wesentlichen Aspekte und bietet die wichtigsten Informationen. So kann man in relativ kurzer Zeit das wichtigste nochmals wiederholen. Daher: Ein hervorragender Band, der nur empfohlen werden kann.

Gießener / Berthold: Examinatorium Sachenrecht
Nomos, 3. Aufl. 2020, 183 Seiten, EUR 24,90