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Dickens`Klassiker

Von Benedikt Bögle

Die Weihnachtserzählung von Charles Dickens dürfte zu den bekanntesten Geschichten der Weltliteratur gehören. Und sie ist ja auch berührend, die Bekehrung des geizigen und grausamen Scrooge hin zu einem liebenswerten Menschen. Generationen wurden vom Schicksal des armen Mannes berührt, der sich – aus vielen Gründen – von einem lieben, jungen Menschen, zu einem verhassten Greisen entwickelt. So berührend gar, dass es nicht nur unzählige Verfilmungen des Stoffes, sondern auch eine große Anzahl an Buchausgaben gibt. Sehr zu empfehlen ist die Ausgabe von Anaconda: Schön gefertigt – und vor allem preislich nicht mehr zu schlagen.

Charles Dickens: Die Weihnachtserzählung
Anaconda 2008, 96 Seiten, EUR 3,95

Copyright des Bildes: Anaconda

Eine Dogmatik für alle

Von Benedikt Bögle

Die katholische Dogmatik als Fachdisziplin der Universität fragt nach der Vernunft des christlichen Glaubens. Was eigentlich ist Glaube der Kirche? Wie hat er sich durch die Jahrhunderte hindurch herauskristallisiert? Wie lässt sich dieser Glaube der Kirche begründen und was bedeutet er für das Leben der Menschen? Eine Einführung in die katholische Dogmatik haben nur Professor Erwin Dirscherl, Lehrstuhlinhaber für Dogmatik an der Universität Regensburg, und sein Assistent Dr. Markus Weißer herausgegeben: „Dogmatik für das Lehramt. 12 Kernfragen des Glaubens“ ist bei Pustet in Regensburg erschienen.

Copyright: Verlag Friedrich Pustet

Der Titel zeigt: Eigentlich handelt es sich um ein Werk für Lehramtsstudenten, die sich auf ihr Examen vorbereiten. Schon im Vorwort wünschen sich die beiden Autoren jedoch, im vorliegenden Band die katholische Dogmatik „auch für die schulische oder pastorale Praxis und Interessierte anderer Fächer und Wissenschaften exemplarisch zu entfalten“. Dieser Wunsch dürfte in Erfüllung gegangen sein. Es handelt sich nicht nur um ein Examensrepetitorium für Lehramtsstudenten; auch anderen Studierenden, aber ganz allgemein Interessierten sei dieses Buch empfohlen. Die 12 Kernfragen des Glaubens sind:

  • „Gott – wer oder was ist das?“
  • „Warum und wie dreifaltig?“
  • „Der Mensch – frei gesetzt aus Sternenstaub?“
  • „Sünde – glückliche Schuld?“
  • „Was bedeutet dieser Jesus für uns?“
  • „War das Kreuz denn wirklich nötig?“
  • „Was ist eigentlich ein Sakrament?“
  • „Wozu brauchen wir die Kirche?“
  • „Kann man mit Wasser ein Feuer entfachen?“
  • „Brot und Wein als Leib und Blut Christi?“
  • „Wer früher stirbt, ist länger tot?“
  • „Auferstehung des Leibes?“

Verfasst wurden die Abschnitte von jeweils einem der beiden Autoren, verantwortet von beiden gemeinsam. Die Themen zeigen, dass alle wesentlichen Themen katholischer Dogmatik angesprochen sind: die Gotteslehre, Anthropologie, Hamartiologie, Christologie, Sakramentenlehre, Ekklesiologie und Eschatologie. Klar: Ein Buch wie das vorliegende hat Grenzen – sicherlich hätte auch die Mariologie noch einen Platz verdient, ebenso die weiteren Sakramente neben Taufe und Eucharistie. Eine gewisse Beschränkung ist für die Übersichtlichkeit aber tatsächlich wohltuend.

Die Autoren versuchen mit Erfolg, Dogmatik verständlich herzuleiten. Die Texte sind auch für Nicht-Theologen verständlich geschrieben, der Einstieg zeigt meist in wenigen Sätzen die diskutierte Problemlage auf. Die Dogmengeschichte findet ebenso einen Platz wie der Diskurs mit moderner Philosophie und Theologie. Wer also an katholischer Dogmatik interessiert ist, ohne sich an Handbücher mit mehreren tausend Seiten wagen zu können oder zu wollen, sollte sich dringend an diese Neuerscheinung halten.

Erwin Dirscherl / Markus Weißer: Dogmatik für das Lehramt. 12 Kernfragen des Glaubens
Friedrich Pustet 2019, 398 Seiten, EUR 29,95

Weihnachtsgeschichten

Von Benedikt Bögle

Weihnachtsgeschichten gibt es wahrlich zu Hauf: heitere und ernste, alte und neue, Dichtung und Wahrheit. Nun ist bei Diogenes ein weiterer Band mit weihnachtlichen Erzählungen erschienen: „Weihnachtszauber“ vereint Texte von Sy Montgomery und Benedict Wells, Heinrich Böll und Laura de Weck. Die Texte sind heiter wie ernst, die Mischung gelungen. Ein guter Begleiter für lange Winterabende.

Weihnachtszauber
Diogenes 2019, 272 Seiten, EUR 11

Copyright des Bildes: Diogenes

Die Rache der Aphrodite

Von Benedikt Bögle

Hippolytos führt eigentlich ein vorbildliches Leben. Keusch ist er und auf die Jagd bedacht. Ein Problem nur hat er: Er verehrt die Götting der Jagd, Artemis, innig; Aphrodite aber, die Göttin der Liebe, missachtet er. Er will ein Leben lang keusch bleiben, für die Liebesgöttin hat er daher nichts übrig. Das lässt den Zorn der Göttin entbrennen. Sie entsinnt einen teuflischen Plan: Seine Stiefmutter, Frau seines Vaters Theseus, soll sich in Hippolytos verlieben. Dieser weist ihr Ansinnen zurück, aus Respekt dem Vater gegenüber.

Aus Trauer erhängt sich die Stiefmutter und lässt die Nachricht zurück, Hippolytos habe sich ihr unsittlich genähert. Der Vater glaubt der Botschaft und bittet den Gott Poseidon, seinen Sohn zu töten. Gesagt, getan – soweit die Handlung von „Hippolytos“ des großen antiken Dichters Euripides. Eine neue Übersetzung von Kurt Steinmann ist nun bei Diogenes erschienen, versehen mit einem Essay zu Autor und Werk sowie ausführlichen Erläuterungen. Eine schöne Ausgabe, eine schöne Übersetzung eines großartigen Klassikers. Schade nur: Im Fließtext ist nie angegeben, zu welchen Stellen es eine Anmerkung gibt, sodass der Leser direkt zur entsprechenden Erläuterung blättern könnte.

Euripides: Hippolytos. Aus dem Griechischen übersetzt von Kurt Steinmann. Mit einem Essay von Anton Bierl
Diogenes 2019, 144 Seiten, EUR 20
Copyright des Bildes: Diogenes

Veganes aus Spanien

Von Benedikt Bögle

Gonzalo Baró stammt aus Spanien, lebte in Österreich und mittlerweile in Berlin. Seiner Faszination für das spanische Essen lässt er in einem Kochbuch freien Lauf: „Vegan Spanien“ ist beim NeunZehn Verlag erschienen. Es bietet durchweg vegan Rezepte aus Spanien. Der Band beginnt mit den Basics – Gemüsebrühe, Kräuterdressing und die wunderbare Alioli. Danach: Tapas. Tortilla, vegane „Sardellen“ aus Zucchini.

Copyright: NeunZehn Verlag

Es folgen „Pinchos“, kalte Variationen, die wir im Deutschen vielleicht als Vorspeisen bezeichnen würden, die aber nicht schlicht mit den spanischen Tapas oder Vorspeisen gleichzusetzen sind, wie der Autor in seinem Vorwort erklärt: Olivenpaste mit Zucchini, geröstete Möhren oder in Algen eingelegte Zucchini und Auberginen. Es folgen weitere Vorspeisen, Hauptspeisen und natürlich auch Desserts. Ein wunderbares Kochbuch ist hier entstanden, bei dem man wirklich keine tierischen Produkte vermisst. Liebevoll illustriert, zeugt dieser Band von einer tiefsitzenden Liebe für das Essen.

Gonzalo Baró: Vegan Spanien
NeunZehn Verlag 2016, 192 Seiten, EUR 24,95

Effektiver Rechtsschutz in Deutschland

Von Benedikt Bögle

Effektiver Rechtsschutz ist für jeden Rechtsstaat unerlässlich. Wer sich im Rahmen des Verwaltungsrechtsweges gegen hoheitliches Handeln wehren möchte, muss das effektiv tun können. Unser Grundgesetz garantiert dies in Art. 19 IV GG. Wie aber steht es um den effektiven Rechtsschutz in Deutschland? Damit beschäftigt sich nun eine Publikation aus dem Nomos-Verlag: „Effektives Rechtsschutzgebot – deutsche Verwaltungsgerichtsbarkeit quo vadis?“ wurde von Lothar Knopp herausgegeben und ist in der Reihe „Cottbuser Schriften zu Hochschulpolitik und Hochschulrecht“ erschienen. Sechs Beiträge beschäftigten sich mit dieser Frage:

Copyright: Nomos
  • „Effektives Rechtsschutzgebot unter besonderer Berücksichtigung eines zeitgerechten Verfahrens“ von Louisa Linke
  • „Praxisbeispiele – mit einem Fokus auf Brandenburg“ von Lothar Knopp
  • „Versagen der Justiz – Ausdruck von Staatsversagen“ von Lothar Knopp
  • „Effektives Rechtsschutzgebot in der polnischen Verwaltungsgerichtsbarkeit“ von Diana Stypula
  • „Exkurs: Lichtblicke aus der Arbeits- und Finanzgerichtsbarkeit“ von Simone Herzberg und Wolfgang Schröder
  • „Zusammenfassung und Ausblick“ von Lothar Knopp

In seiner Zusammenfassung kommt Knopp zu dem Schluss: „Eine Gerichtsbarkeit, die dem effektiven Rechtsschutzgebot im Hinblick auf eine zeitangemessene Verfahrensdauer nicht mehr Rechnung tragen kann, weil ihrerseits die Personalressourcen erschöpft sind bzw. ihr die erforderlichen personellen und sächlichen Mittel fehlen, versagt dem rechtsschutzsuchenden Bürger letztlich die Verwirklichung der aus dem Rechtsstaatsprinzip resultierenden Gebote.“ Das ist: Dramatisch. Dies resultiert in einem Appell an die Politik: Werden weiter Stellen abgebaut, wird die Justiz handlungsunfähig. Und genau das darf nicht passieren.

Lothar Knopp (Hg.): Effektives Rechtsschutzgebot – deutsche Verwaltungsgerichtsbarkeit quo vadis?
Nomos 2019, 115 Seiten, EUR 29

„Weihnachts-Reigen“

Von Benedikt Bögle

Vorbereitungen auf die Weihnachtszeit gibt es zur Genüge. Begleiter durch die Adventszeit ebenso. Einen weiteren haben nun der ehemalige evangelische Ratsvorsitzende Wolfgang Huber und seine Ehefrau Kara Huber veröffentlicht: „Es geschah aus Liebe. Ein Weihnachtsversprechen“ ist im Kreuz Verlag erschienen. „Persönliche Erfahrungen verbinden sich mit biblischen Einsichten. Grundsätzliche Klärungen und praktische Anregungen gehören zusammen“, schreiben die beiden Autoren in ihrem Vorwort. Das hört sich ziemlich vage an – und vage bleibt auch das ganze Buch. Einzelne Szenen reihen sich aneinander, die teilweise durchaus gelungen sind, einen größeren Zusammenhang aber oft nicht erkennen lassen.

Copyright: Kreuz Verlag

Am Ende der Kapitel steht meist kein klares Fazit – und das tut bisweilen auch durchaus gut. So etwa ein Abschnitt, der den Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz bedenkt. Im Ganzen aber bleibt dieses Werk seltsam blass. Zu Beginn der Abschnitte stehen etwa klassische Weihnachtsdarstellungen aus der Kunst. Kurz werden sie reflektiert, oft wird der Faden aber einfach fallengelassen. Hier finden sich durchaus gute Gedanken, denen aber ein wenig mehr Konsistenz gut getan hätte.

Kara Huber und Wolfgang Huber: Es geschah aus Liebe. Ein Weihnachtsversprechen
Kreuz Verlag 2017, 127 Seiten, EUR 18