Pest und Corona

Von Benedikt Bögle

Copyright: Herder

Corona dominiert die öffentliche Wahrnehmung seit dem Frühjahr diesen Jahres. Immer wieder prallen verschiedene Ansichten aufeinander: Werden Krankheit und Sterblichkeit nur aufgebauscht? Oder würde eine ungebremste Verbreitung des Corona-Virus tatsächlich zu unzähligen Toten führen und das Gesundheitssystem überlasten? Die Debatte reißt nicht ab. Gefragt sind dabei immer mehr Fakten, rationelle Argumente. Die kann man sich aus einem bei Herder erschienenen Band holen: „Pest und Corona. Pandemien in Geschichte, Gegenwart und Zukunft“ von Heiner Fangerau und Alfons Labisch. Der Band der beiden Medizinhistoriker ist bereits im Juni erschienen; die Ausführungen sind aber auch nach Monaten voller neuer Erkenntnisse noch aktuell. Die Autoren stellen verschiedene Pandemien der Weltgeschichte dar – von der attischen Pest im fünften Jahrhundert vor Christus über Pest und Spanische Grippe bis hin zu Corona. Zugleich zeigen sie, wie in der Geschichte auf diese Krankheitswellen reagiert wurde: Teilweise mit strengen Quarantänen, teilweise durch schlichtes Ignorieren.

Das führt zur Frage: Sind alle uns bekannten Pandemien wirklich derart schlimm oder werden sie nicht bisweilen auch aufgebauscht, sind nur „skandalisierte Krankheiten“? Skandalisierte Krankheiten sind Krankheiten, die im Blick auf die Gesamtsterblichkeit nicht sonderlich dramatisch sind, vielmehr den Blick von den Krankheiten wegdenken, an denen die Menschen wirklich sterben. Ist also Corona eine „skandalisierte Krankheit“? Ja und nein, meinen die Autoren. Im Vergleich zu anderen „echten Killern“ wie den Influenza-Pandemien von 1959 und 1969, bleiben die Todeszahlen eher gering. Andererseits: Gerade die Berichte aus Krankenhäusern in Zentren der Pandemie zeigten eine echte Ausnahmesituation, meinen die Autoren: „Also nein, keine „skandalisierte Krankheit“, sondern ein potenziell „echter Killer.“

Die Autoren stellen nun verschiedene Epidemien der Geschichte dar und schildern, wie auf die Krankheit reagiert wurde. Sie zeigen, wie im 19. und 20 Jahrhundert die Suche nach der Ursache derartiger Krankheiten aufgenommen wurde. Sind Bakterien schuld an den Krankheiten oder eher unhygienische Umstände – oder vielleicht beides zusammen? Und was bedeutet das alles für die Corona-Pandemie? Um eine Herdenimmunität zu erreichen, hätte schon in den ersten Wochen der Pandemie den Tod von bis zu 1,5 Millionen Menschen bedeuten können. Das also war keine Alternative. Gefragt ist nun ein Bündel an Maßnahmen. Die Autoren meinen dazu: „Entscheidend sind unsere Werte: Wir haben uns entschieden, jeden Einzelnen zu retten. Handeln wir danach.“

Heiner Fangerau / Alfons Labisch: Pest und Corona. Pandemien in Geschichte, Gegenwart und Zukunft
Herder 2020, 192 Seiten, EUR 18

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