Gefallene Ritter

Von Benedikt Bögle

2016 und 2017 weckte ein Skandal im Malteserorden weltweit die öffentliche Aufmerksamkeit: Der Großkanzler von Boeselager war zunächst abgesetzt worden, schließlich allerdings musste der Großmeister Matthew Festing selbst seinen Posten räumen, von Boeselager wurde rehabilitiert. Die Krise war undurchsichtig; Finanzen sollen eine Rolle gespielt haben, aber auch Grabenkämpfe zwischen eher konservativen und liberalen Kräften. Diese Krise im Malteserorden wird nun durch ein Buch des ehemaligen Cicero-Chefredakteurs Constantin Magnis aufgearbeitet und dargestellt: „Gefallene Ritter. Malteserorden und Vatikan – Der Machtkampf zwischen zwei der ältesten Institutionen der Welt“ ist bei HarperCollins erschienen. Der Band ist hervorragend geschrieben und könnte gar als Lehrbuch dafür dienen, wie Sachbücher geschrieben werden können.

Copyright: HarperCollins

Zunächst zeigt Magnis sich als objektiver Beobachter. Er versucht an jeder Stelle neutral zu zeigen, welche Hintergründe seine Protagonisten zu welchen Haltungen, Einstellungen und Handlungen bewogen haben mögen. Keine der für die Krise relevanten Figuren wird so schwarz oder weiß gezeichnet, sondern durchgängig menschlich. Das beginnt schon mit Magnis‘ Darstellung des Malteserordens selbst. Dem Autor gelingt es in hervorragender Weise, die durchaus komplizierte Struktur des Orden so zu erklären, dass es der Leser versteht, ohne seitenlang mit komplizierten Hierarchieübersichten gelangweilt zu werden. Die Geschichte der Krise selbst rollt Magnis langsam auf, bis es immer schneller und immer spannender um die Ordenszentrale in Rom wird.

Dieses Sachbuch ist genial: Es bliebt neutral, unterhält auf jeder Seite und bringt den Leser bald dazu, sich zu fragen, ob man hier eigentlich noch ein Sachbuch liest oder schon einen Kriminalroman. „Gefallene Ritter“ ist Unterhaltung und Information in einem. Dabei besticht der Autor auch damit, sehr gut über die Katholische Kirche informiert zu sein. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren stimmt hier eben jeder Terminus, jeder Fachbegriff und jede historische Anmerkung.

Am Ende des Bandes, in dem Magnis nicht nur positives über den Malteserorden zu sagen wusste, stellt er aber auch das Glanzvolle dieses Ordens dar: Die bedingungslose Hingabe an Kranke und Bedürftige, die den Orden seit seiner Gründung stet begleitet. Der Autor berichtet von der Wallfahrt des Ordens nach Lourdes. Er schreibt: „Es scheint aber für die Malteser ein geradezu liturgischer Sinn im persönlichen Vollzug der Drecksarbeit zu liegen. Als hätte man nie aufgehört, die Hausregeln des ersten Ordenshospitals in Jerusalem zu befolgen, in denen die Brüder aufgefordert wurden, die schmutzigen Betttücher der Kranken persönlich und „gerne“ zu waschen.“ Über eine eucharistische Prozession in Lourdes schließlich weiß Magnis zu berichten: „Diese Malteserritter, die sich mal nicht dem Papst und mal nicht dem Großmeister beugen wollten, mal nicht den Deutschen und mal nicht den Italienern, mal nicht dem Ordensrecht und mal nicht dem Kirchenrecht, all diese Ritter unterwerfen sich nun in einem einzigen, bedingungslosen Glaubensakt mit Körper und Seele einem Gott, der nackt in die Welt gekommen und nackt am Kreuz gestorben ist.“ Dieses Buch kann wirklich nur empfohlen werden.

Constantin Magnis: Gefallene Ritter. Malteserorden und Vatikan – Der Machtkampf zwischen zwei der ältesten Institutionen der Welt
HarperCollins 2020, 304 Seiten, EUR 24

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