Verbotene Wörter

Von Benedikt Bögle

Bestimmte Wörter – es ist beinahe jedem klar – sollten in Deutschland nicht mehr benutzt werden. Sie haben durch die nationalsozialistische Schreckensherrschaft einen Beigeschmack bekommen, der ihre weitere Verwendung eigentlich verbietet. Mit der Geschichte dieser Wörter beschäftigt sich nun der Journalist Matthias Heine in seinem neuen Buch: „Verbrannte Wörter. Wo wir noch reden wie die Nazis – und wo nicht“, erschienen im Duden-Verlag. Der Autor spürt dabei den verschiedensten Wörtern nach und legt ihre Geschichte offen.

Wer etwa hätte gedacht, dass der „Eintopf“ ein von den Nazis propagierter Begriff war? Die deutschen Haushalte sollten sparsamer leben, an bestimmten Sonntagen im Monat nur noch Eintopf essen und die Ersparnis an Arme und Bedürftige weitergeben. Darf man den Begriff heute noch verwenden? Ja, meint Heine: „Da das Wort im Gegensatz zu anderen NS-Ausdrücken keine Verhüllungs- oder Vorbereitungsvokabel für Mord, Folter und Vernichtung ist, kann man es unbedenklich benutzen.“ Ein solches Fazit steht hinter jedem Wort, das Matthias Heine präsentiert. Damit gibt er ganz konkrete Anwendungen zur Nutzung eines Begriffes, ohne zu unterkomplex oder vereinfachend zur werden. Vielmehr stößt er Denkprozesse an.

Bei vielen der Begriffen sollte jedem demokratisch denkenden Menschen klar sein, dass ihre Verwendung unter keinen Umständen gerechtfertigt ist. „Untermensch“ etwa ist, und dem Autor ist in seinen Ausführungen vollkommen zuzustimmen, „eine der folgenreichsten Mordvokabeln des NS-Systems und sollte für immer verschwinden.“

© Duden-Verlag

Bei anderen Wörtern ist das gar nicht so einfach: Darf man noch von „Mädel“ sprechen? Oder von Kulturschaffenden? Die Antworten des Autors überraschen bisweilen, erscheinen auf den ersten Blick seltsam. Insgesamt schärft Heine das Verständnis für den Gebrauch der Wörter, die sich die Nationalsozialisten zu eigen machten und ihnen dabei eine Bedeutung gaben, die bis heute mitschwingt. „Volksverräter“ etwa: „Wer Volksverräter sagt, könnte auch gleich mit erhobenem rechten Arm herummarschieren. Er muss damit rechnen, für einen Nazi gehalten zu werden.“ „Verbrannte Wörter“ eignet sich als Geschichtsbuch genauso wie als Anleitung für Menschen, die viel mit Sprache zu tun haben und sich immer wieder fragen sollten, ob ihr Vokabular denn eigentlich noch angemessen ist.

Matthias Heine: Verbrannte Wörter. Wo wir noch reden wie die Nazis – und wo nicht
Duden-Verlag 2019, 222 Seiten, EUR 18

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