Papst Franziskus und sein Kirchenbild

Von Benedikt Bögle

Es scheint – leider ist das nichts neues -, als würde Papst Franziskus nicht als Theologe wahrgenommen werden. Er ist der liebe Dorfpfarrer, zu theologischen Höhen aber erhebt er sich nicht. Wenn etwas von seiner Theologie durchdringt, sind es die packenden oder auch etwas schwierigen Zitate – etwa das von den Katholiken und den Karnickeln. Dabei hat der Papst theologisch einiges zu bieten – und diesem Schatz geht nun ein Buch des Arztes und Theologen Stefan Scheingraber nach: Aufbruch zur „verbeulten Kirche“. Die Ekklesiologie von Papst Franziskus“, erschienen bei Echter. Der Autor fragt nach dem theologischen Kirchenbild des Papstes und zeigt dabei besonders deutlich die Quellen von Papst Franziskus auf.

So orientiert sich „Evangelii Gaudium“ am nachsynodalen Schreiben „Evangelii Nuntiandi“ von Papst Paul VI., ebenso aber auch am lateinamerikanischen Dokument von Aparecida. In Franziskus‘ Denken nimmt dabei das Modell einer „Kirche der Armen“ großen Raum ein, wie Stefan Scheingraber zeigt. Es gehe beständig darum, das Evangelium „gegenwärtig zu machen“: „Es geht also nicht einfach nur darum, dass sich der besser gestellte Bevölkerungsanteil mit karitativen Aktionen um den schlechter gestellten Bevölkerungsanteil kümmert, sondern es wird ein Begründungszusammenhang geliefert. Papst Franziskus sagt, dass die „Opción por los pobres“ die Kirche auf den Leib zugehen lässt. Das ist ekklesiologisch höchst spannungsreich. Denn es wird gesagt, dass Kirche erst in dieser Zuwendung wird, was sie ja eigentlich schon ist: Leib Christi“, schreibt der Autor und deckt damit wirklich einen spannungsreichen Gedanken auf. Karitatives Engagement ist nicht Beiwerk der Kirche, sondern Wesensgehalt.

© Echter-Verlag

Näher geht Scheingraber im Folgenden dann auf die Ekklesiologie des Papstes ein und legt damit eine hervorragende Einführung in „Evangelii Gaudium“ vor, die zugleich auch eine Einführung in das Denken des Papstes ist. Dabei erläutert Scheingraber auch die Zusammenhänge zwischen Ekklesiologie, Mariologie und Pneumatologie und zeigt letztlich auch die gedankliche Kontinuität zwischen Papst Franziskus und seinen Vorgängern im Petrus-Amt. Entstanden ist ein sehr lesenswerter Band, eine hervorragende Einführung in die Theologie des amtierenden Papstes. Grundlage der Schrift war eine Magisterarbeit, sichtbar wird das noch an der klaren Gliederung, die dem Buch sehr gut tut.

Stefan Scheingraber: Aufbruch zur „verbeulten Kirche“. Die Ekklesiologie von Papst Franziskus“
Echter 2019, 175 Seiten, EUR 16,90

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