Familien- und Erbrecht

Von Benedikt Bögle

Copyright: C.F. Müller

In der Reihe „JURIQ Erfolgstraining“ ist bei C.F. Müller der Band zu „Familien- und Erbrecht“ von der Richterin am BGH Dr. Ute Brenneisen erstellt worden – und sehr zu empfehlen. Die erste Hälfte dieses Bandes widmet sich dem Familienrecht. Und während viele für Studenten konzipierte Darstellungen hier sehr oberflächlich bleiben – in manchen Reihen ist zum Familienrecht gar nichts vorgesehen – schafft es Dr. Brenneisen hier hervorragend, auf einem Raum von nur gut 100 Seiten auch etwas detailliertere Fragestellungen aus dem Familienrecht zu präsentieren. Gleiches gilt für die zweite Hälfte des Bandes, die dem Erbrecht vorbehalten ist. Gerade hier überzeugt die Autorin mit zahlreichen kurzen Fällen, die sehr gut gelöst sind. Der ganze Band folgt einem überzeugenden und übersichtlichen Aufbau. Immer wieder werden ganz im Sinne der Reihe Aufbauschemata geboten. Die Sprache ist durchweg klar und verständlich, die Beispiele gut gewählt, die im Familien- und Erbrecht unausweichlichen Rechnungen übersichtlich. Mit diesem Band kann man hervorragend in da Familien- und Erbrecht einsteigen!

Ute Brenneisen: Familien- und Erbrecht
C.F. Müller, 4. Aufl. 2020, 225 Seiten, EUR 20

Effektiver Rechtsschutz in Deutschland

Von Benedikt Bögle

Effektiver Rechtsschutz ist für jeden Rechtsstaat unerlässlich. Wer sich im Rahmen des Verwaltungsrechtsweges gegen hoheitliches Handeln wehren möchte, muss das effektiv tun können. Unser Grundgesetz garantiert dies in Art. 19 IV GG. Wie aber steht es um den effektiven Rechtsschutz in Deutschland? Damit beschäftigt sich nun eine Publikation aus dem Nomos-Verlag: „Effektives Rechtsschutzgebot – deutsche Verwaltungsgerichtsbarkeit quo vadis?“ wurde von Lothar Knopp herausgegeben und ist in der Reihe „Cottbuser Schriften zu Hochschulpolitik und Hochschulrecht“ erschienen. Sechs Beiträge beschäftigten sich mit dieser Frage:

Copyright: Nomos
  • „Effektives Rechtsschutzgebot unter besonderer Berücksichtigung eines zeitgerechten Verfahrens“ von Louisa Linke
  • „Praxisbeispiele – mit einem Fokus auf Brandenburg“ von Lothar Knopp
  • „Versagen der Justiz – Ausdruck von Staatsversagen“ von Lothar Knopp
  • „Effektives Rechtsschutzgebot in der polnischen Verwaltungsgerichtsbarkeit“ von Diana Stypula
  • „Exkurs: Lichtblicke aus der Arbeits- und Finanzgerichtsbarkeit“ von Simone Herzberg und Wolfgang Schröder
  • „Zusammenfassung und Ausblick“ von Lothar Knopp

In seiner Zusammenfassung kommt Knopp zu dem Schluss: „Eine Gerichtsbarkeit, die dem effektiven Rechtsschutzgebot im Hinblick auf eine zeitangemessene Verfahrensdauer nicht mehr Rechnung tragen kann, weil ihrerseits die Personalressourcen erschöpft sind bzw. ihr die erforderlichen personellen und sächlichen Mittel fehlen, versagt dem rechtsschutzsuchenden Bürger letztlich die Verwirklichung der aus dem Rechtsstaatsprinzip resultierenden Gebote.“ Das ist: Dramatisch. Dies resultiert in einem Appell an die Politik: Werden weiter Stellen abgebaut, wird die Justiz handlungsunfähig. Und genau das darf nicht passieren.

Lothar Knopp (Hg.): Effektives Rechtsschutzgebot – deutsche Verwaltungsgerichtsbarkeit quo vadis?
Nomos 2019, 115 Seiten, EUR 29

Jörg Eisele: Strafrecht BT I

Von Benedikt Bögle

In fünfter Auflage ist das Lehrbuch von Jörg Eisele zum Besonderen Teil I des Strafrechts bei Kohlhammer erschienen. Alle für das erste juristische Staatsexamen relevanten Themen der Straftaten gegen die Person und der Straftaten gegen die Allgemeinheit kommen in diesem besonders gut strukturierten Lehrbuch vor. Der Autor ist Inhaber des Lehrstuhl für Deutsches und Europäisches Straf- und Strafprozessrecht an der Universität Tübingen.

Das Lehrbuch beginnt mit den Straftaten gegen die Person und folgt hier dem durchaus auch üblichen Aufbau, beginnend mit Totschlag und Mord, den weiteren Tötungsdelikten und schließlich den Körperverletzungsdelikten. Auch eher seltene Tatbestände – etwa die Zwangsheirat nach § 237 – finden hier Platz. Eisele schreibt sehr verständlich und bemüht sich um eine eher kleinteilige Gliederung; so kann man auf einen Blick die gesuchten Ausführungen gezielt finden. Am Beginn jedes Kapitels bzw. als Auftakt vieler Paragraphen führt der Autor die aus seiner Sicht wichtige Literatur zum Thema auf. Besonders positiv fällt dabei auf, dass Eisele diese Literatur nicht einfach nur alphabetisch und damit in den meisten Fällen inhaltlich vollkommen unübersichtlich ordnen. Im Gegenteil: Die Literaturempfehlungen sortiert er in diesem Lehrbuch nach einführenden Aufsätzen, Fällen und bedeutender Rechtsprechung.

So entsteht ein nicht nur gut verständliches, sondern vor allem auch sehr übersichtliches Lehrbuch. Abgerundet wird es durch eine Zusammenstellung der wichtigsten Definitionen zum Schluss, Aufbauschemata direkt bei den Delikten und einigen Tipps zur Fallbearbeitung – gesammelt am Schluss des Bandes, aber auch immer wieder „zwischendurch“.

Jörg Eisele: Strafrecht – Besonderer Teil I. Straftaten gegen die Person und die Allgemeinheit
5. Auflage, Kohlhammer 2019, 536 Seiten, EUR 39

Schmoeckel: Erbrecht

Von Benedikt Bögle

Auch wenn das Erbrecht im Studienverlauf eines Juristen in den meisten Fällen nicht den Schwerpunkt ausmachen dürfte, zählt es doch zum Pflichtstoff und eignet sich auch als Aufhänger für allgemeine zivilrechtliche Prüfungen aus dem Schuldrecht etwa oder aus dem Sachenrecht. Eine Einführung in die Materie des Erbrechts bietet Professor Matthias Schmoeckel in seinem bei Nomos in fünfter Auflage erschienenen Lehrbuch.

Der Aufbau des Lehrbuches ist eher ungewöhnlich. Statt mit der gesetzlichen oder der gewillkürten Erbfolge beginnt Schmoeckel mit dem Tod des Erblassers und den aus Sicht der Erben dann zu unternehmenden Schritten: Es geht um die Erbschaftssteuer, das Nachlassverfahren oder etwa die Möglichkeit, eine Erbschaft auszuschlagen. Erst im Anschluss daran kommen mit gesetzlicher und gewillkürter Erbfolge die eher klassischen Themen des Erbrechts. Dieser etwas andere Aufbau hat durchaus seine Vorteile: Regelmäßig wendet man dem Beginn eines Lehrbuches die größere Aufmerksamkeit zu als dem Ende. So sind die aus Erbensicht regelmäßig wichtigen Themen als Auftakt gestaltet. Dem Autor geht es dabei immer auch darum, bestimmte Ausgestaltungen des deutschen Erbrechts historisch und systematisch einzuordnen.

Copyright: Nomos

Jeder Paragraph beginnt mit einer kurzen Frage. Die Sittenwidrigkeit letztwilliger Verfügungen etwa beginnt mit der Einleitung: „E will die alte Familienthora nur dem Kind hinterlassen, das mosaischen Glaubens ist und macht dies zur Bedingung. Ist sie gültig?“ Am Ende des Kapitels findet sich dann die Antwort. So kann der Leser sich selbst kontrollieren: Hätte er nach Studium der entsprechenden Ausführungen die einleitende Fragen beantworten können? Ebenso finden sich am Ende der Paragraphen weitere Fragen zur Wiederholung und Vertiefung, die am Ende des Bandes aufgelöst werden – auch das bietet eine gute Gelegenheit, nicht nur oberflächlich zu lesen, sondern das Gelesene auch zu verstehen und seinen eigenen Wissensstand zu kontrollieren.

Leider werden (auch etwas umfangreichere) Fälle nicht so sehr in die Ausführungen des Lehrbuches eingebunden, als das in anderen Darstellungen der Materie üblich ist. Gerade bei der gesetzlichen Erbfolge oder auch den Pflichtanteilen mit oftmals etwas unübersichtlichen Familienkonstellationen hätte die ein oder andere bildliche Darstellung sicher nicht geschadet; ihr Fehlen indes tut den Darstellungen auch keinen großen Abbruch. Ein gelungenes Lehrbuch, das als Einstieg in die Materie sicherlich ebenso dienen kann wie für die Vorbereitung auf das Examen hin. Immerhin: Erbrecht ist Pflichtstoff.

Matthias Schmoeckel: Erbrecht
5. Auflage, Nomos 2019, 314 Seiten, EUR 26