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MoPeG-Synopse

Von Benedikt Bögle

Copyright: C.H. Beck

Das Gesetz zur Modernisierung des Personengesellschaftsrecht (MoPeG) stellt eine erhebliche Änderung des Rechts der Personengesellschaften dar. Es greift tief in die §§ 705 ff. BGB und in das HGB ein und führt zu zahlreichen Änderungen der beiden Gesetze. Das kann leicht unübersichtlich werden – eine Arbeitshilfe ist der bei C.H. Beck erschienene Band „MoPeG“ in der Reihe der „Beck’schen Textausgaben“. Diese Synopse stellt die geltende und die neue Rechtslage einander gegenüber. Dies geschieht in vier Abschnitten. Die ersten beiden Abschnitte sind eine Gegenüberstellung der Änderungen in BGB und HGB, wobei links die alte, rechts die neue Rechtslage aufgeführt sind. Die letzten beiden Teile drehen diese Systematik geradezu um – links die neue, rechts die alte Rechtslage.

Dieser Aufbau hat einen entscheidenden Vorteil. Im Augenblick wird das Interesse vieler Rechtsanwender darin bestehen, die noch geltende Rechtslage mit der künftigen zu vergleichen. Ausgangspunkt ist das momentane Recht. Spätestens ab Geltung der Änderungen wird sich aber auch dieses Bedürfnis ändern; vielen wird es nun darum gehen, die Vorgängernorm der geltenden Rechtslage zu finden. Insofern: Ein sehr gelungener Band, der gute Hilfestellungen leisten kann. Allenfalls der Preis mit knapp 20 Euro erscheint – es handelt sich ja „nur“ um Gesetzestexte – etwas hoch.

Carsten Schäffer (Hg.): MoPeG. Modernisierung des Personengesellschaftsrechts mit Synopsen zum BGB aF/nF und HGB aF/nF
C.H. Beck 2022, 173 Seiten, EUR 19,80

Mord im Pfarrhaus

Von Benedikt Bögle

Copyright: Atlantik

„Mord im Pfarrhaus“ ist ein absoluter Klassiker von Agatha Christie und dürfte zu ihren wohl bekanntesten Kriminalromanen gehören. Der im ganzen Dorf unbeliebte Colonel Protheroe wird erschossen – im Arbeitszimmer des Pfarrers. Der hat zwar ein solides Alibi, interessiert sich aber immer mehr für den Fall, beginnt zu ermitteln und findet bald in Miss Marple eine Verbündete. Bald scheint der Fall völlig klar zu sein: Der Junge Maler Lawrence Redding hat ein Verhältnis mit der Ehefrau des Colonels. Sicherlich hat er den Mann erschossen. Oder war es gar die Frau? Die erste Spur erweist sich bald als kalt, weder Lawrence noch die Ehefrau können Colonel Protheroe erschossen haben. Wer aber war es dann? Immer mehr Merkwürdigkeiten sammeln sich: Ein zerschnittenes Bild im Haus des Colonels, ein etwas seltsamer Archäologe und zwei merkwürdige Telefonanrufe.

Agatha Christie kann auf höchstem Niveau unterhalten. Besonders sticht hervor, wie humorvoll die Autorin mit ihrer großen Heldin Miss Marple umgeht. Am Ende kann der Fall gelöst werden, weil die alte Dame alles und jeden genau beobachtet – und dennoch stichelte Christie selbst immer wieder gegen diese im dörflichen Leben weit verbreitete Neugier. Der Fall ist sehr spannend, wie immer kommt es bei Agatha Christie auf die kleinen Details an, die am Ende helfen, den wahren Täter zu finden. Grandiose Unterhaltung!

Agatha Christie: Mord im Pfarrhaus
Atlantik, 4. Aufl. 2021, 271 Seiten, EUR 12

Die Schattenhand

Von Benedikt Bögle

Jerry Burton hatte einen Unfall; eigentlich will er sich auf dem Land erholen und zieht mit seiner Schwester Joanna in die kleine Stadt Lymstock. Nur kurz nach ihrer Ankunft erhalten die beiden einen bösen Brief: Er unterstellt ihnen, sie seien gar nicht Bruder und Schwester – sondern in Wahrheit ein heimliches Liebespaar. Die beiden tun es ab, halten es für einen schlechten Scherz. Bald aber finden sie heraus, dass auch andere Bewohner der Stadt solche Briefe bekommen. Allen möglichen Leuten werden alle mögliche Affären in den Briefen nachgesagt. Die Polizei mag zunächst niemand einschalten – dann aber gibt es das erste Opfer: Die Frau des Rechtsanwaltes bekommt einen Brief, der ihr Ehebruch vorwirft. Sie bringt sich selbst um – so zumindest das Urteil der Öffentlichkeit. Nun aber beginnt die Polizei zu ermitteln. Die Briefeschreiberin müsse eine einsame, rachsüchtige, gebildete Frau sein. Nur kurz darauf fordert die Briefeschreiberin ihr zweites Todesopfer.

Copyright: Atlantik

„Die Schattenhand“ ist ein sehr gelungener Roman von Agatha Christie. Die Ermittlerin Miss Marple tritt erst sehr spät auf, löst dann aber in der gewohnten Kombination aus Intelligenz und Menschenkenntnis den Fall. Der Schlüssel sind die Vorwürfe selbst; sie stimmen nicht. Die Menschen tun es ab: „Wo Rauch ist, da ist auch Feuer“. Miss Marple aber bemerkt bald, dass in dem kleine Städtchen kaum ein Geheimnis verborgen bleiben kann. Die Täterin hätte also wahre Vorwürfe in ihren Briefen verbreiten können. Wieso erfindet sie Geschichten, die nicht stimmen können? Agatha Christie nimmt in diesem Roman die Geisteshaltung der ständig über andere sprechenden Gesellschaft auf die Schippe: Die Bewohner der Stadt scheinen sich an den zirkulierenden Vorwürfen beinahe zu ergötzen – und geben so einem ausgefeilt vorgehenden Täter die Gelegenheit zum Mord.

Agatha Christie: Die Schattenhand
Atlantik, 3. Aufl. 2020, 239 Seiten, EUR 12

Auf der Spur der Täter

Von Benedikt Bögle

Copyright: Heyne

Axel Petermann war Polizist; als Leiter einer Mordkommission in Bremen hat er in Fällen ermittelt – jetzt aber ist er in Rente. Dennoch lässt ihn das Verbrechen nicht los. Weiterhin nimmt er Fälle an, in denen seine Hilfe gebraucht wird. Pro Bono arbeitet er für Personen, die ein Mordfall nicht loslässt – weil sie mit dem Opfer verwandt waren oder weil sie nicht daran glauben wollen, dass der Verurteile die Tat auch wirklich begangen hat. In seinem Buch „Im Auftrag der Toten“ berichtet Petermann über drei dieser Fälle und schildert seine Ermittlungen.

Da ist zunächst der Fall einer gebürtigen Deutschen, die nach Griechenland auswanderte und dort unter seltsamen Umständen starb: Sie wurde erhängt in der Wohnung ihres Erfreuendes aufgefunden; der aber scheint ein Alibi für den Zeitpunkt des Todes zu haben. Also verbucht die Polizei von Athen den Fall als Selbstmord – Mutter und Vater des Opfers wollen daran aber nicht glauben. Sie engagieren Petermann, der nach Athen reist, Gespräche führt und Jahre nach der Tat auf Spurensuche geht.

Im zweiten Fall geht es um zwei Mädchen, die vor Jahrzehnten in der Schweiz verschwanden und Wochen später tot in einer Höhle gefunden wurden. Der wahre Täter wurde nie gefunden – die Menschen sind vielmehr der festen Überzeugung, er lebe noch immer unter ihnen. Petermann spricht mit Zeugen, ermittelt, geht verschiedene Tatvarianten durch. Bis ins Detail stellt Petermann die Auffindesituation der Leichen nach und kann ein erstaunlich detailliertes Täterprofil erstellen.

Im dritten Fall schließlich geht es um den gewaltsamen Tod einer wohlhabenden Münchner Witwe, die ein riesiges Loft über einer Parkgarage bewohnte. Das besondere an diesem Fall: Der Täter wurde gefasst und zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Nur: Die Familie glaubt nicht an seine Täterschaft. Also beginnt Petermann wieder zu ermitteln, wertet Jahre alte Spuren aus, konsultiert Experten.

Allen drei Fällen ist eines gemeinsam: Petermann kann sie am Ende nicht wirklich lösen. Weder kann er beweisen, dass der Exfreund die deutsche Frau in Athen ermordete, noch kann er sicher sagen, wer die beiden Schweizer Mädchen tötete. Im letzten Fall hatte ein Wiederaufnahmeverfahren – zumindest in erster Instanz – ebenfalls keinen Erfolg. Der Geschichte tut das aber nichts ab; vielmehr werden Petermanns Schilderungen umso spannender. Der Leser bleibt am Ende immer mit einem Fragezeichen zurück. Überhaupt: Der Autor schildert seine Fälle spannend, bisweilen gehen sie vielleicht etwas zu sehr in komplexe Details. Auch sprachlich könnte man an der ein oder anderen Stelle nachbesser, etwas weniger Amtsdeutsch verwenden. Dennoch ist „Im Auftrag der Toten“ ein alles in allem spannender Band, der hervorragende Unterhaltung bietet.

Axel Petermann: Im Auftrag der Toten. Cold Cases. Ein Profiler ermittelt
Heyne, 2. Aufl. 2021, 384 Seiten, EUR 14

Der fromme Mörder

Von Benedikt Bögle

Copyright: Heyne

Ein grausamer Mörder treibt 1968 in Glasgow sein Unwesen. Er trifft sich mit Frauen in einem Tanzlokal und tötet sie anschließend auf grausame Weise. Da er – wie eine Zeugin berichten kann – immer wieder in Bibelzitaten spricht, gibt ihm die Presse bald den Beinamen „Quäker“. Die Polizei hat alles gemacht, um den Täter zu ergreifen. Große Teile der männlichen Bevölkerung wurden untersucht. Eine heiße Spur ist nicht dabei; seit der letzten Tat sind Monate vergangen. Der Kriminalpolizist McCormack wird nun auf die Ermittlungstruppe angesetzt. Er soll einen Blick auf ihre Untersuchungen werfen, womöglich neue Ermittlungsansätze finden. McCormack kommt zum Schluss: Der Täter muss Glasgow verlassen haben. Zu viel Zeit ist seit der letzten Tat vergangen; weitere Ermittlungsansätze sind nicht ersichtlich.

Gerade hat er seinen Bericht abgegeben, als eine weitere Leiche gefunden wird. Endlich gibt es auch Fingerabdrücke, der vermeintliche Täter wird ergriffen. McCormack aber zweifelt. Der Täter passt nicht, die Vorgehensweise beim letzten Mord war zu unvorsichtig. Während sich ganz Glasgow schon in Sicherheit wiegt, macht er sich weiter auf die Suche nach dem Täter – und kann am Ende den wirklichen Mörder dingfest machen.

„Ein frommer Mörder“ von Liam McIlvanney hat den schottischen Krimipreis erhalten – nicht ganz zu Unrecht. Der Autor erzählt einen spannenden Fall, überzeugt mit einer flüssigen Sprache. Lediglich das Ende des Romanes kann nicht ganz überzeugen. Während anfangs die immer gleichen Details immer wieder aufgegriffen werden, überschlägt sich die Ermittlung am Ende – und es geht für den Leser beinahe zu schnell, um die komplizierten Details auch wirklich umreißen zu können. Trotzdem: Ein spannender Krimi.

Liam McIlvanney: Ein frommer Mörder
Heyne, 2. Aufl. 2021, 14,99 EUR

Strafstation im Referendariat

Von Benedikt Bögle

Copyright: C.F. Müller

Eine gute Anleitung für die Strafstation während des Referendariats ist beim Verlag C.F. Müller erschienen: „Referendarausbildung in Strafsachen“ von Tim Charchulla und Marcel Welzel. Zunächst ist der Band eher auf die Praxis als auf die Klausursituationen zugeschnitten. Den Autoren geht es darum, auf die Tätigkeit bei der Staatsanwaltschaft vorzubereiten und die ersten wichtigen Hinweise für diese Zeit zu geben. Insofern beginnt der Band mit der Ausbildung bei der Staatsanwaltschaft und gibt hier Hinweise zu den Akten, zu den möglichen Verfügungen des Staatsanwalts, schließlich zur Anklageschrift. Ein zweiter Teil beschäftigt sich dann mit der Ausbildung beim Strafrichter – meist geht dieser Aspekt verloren. Eine Ausbildung ist aber – je nach Bundesland – eben nicht nur bei der Staatsanwaltschaft, sondern auch beim Richter am Amtsgericht möglich. Auch zum Strafverteidiger führt der Band praktische Hinweise aus. Am Schluss des Bandes stehen dann Hinweise zu den strafrechtlichen Klausuren. Auf diese Weise verbindet der Band vieles in einem: Wegweiser für die praktische Ausbildung, Anleitung für die Klausuren. Auf nur gut 200 Seiten kann das natürlich nicht jedes Detail abdecken – muss es aber auch nicht. Dieses Buch eignet sich perfekt für den Einsteig in die Strafstation. Wer sich mit diesem Band auseinandersetzt, weiß zumindest grob, was ihn in der praktischen Ausbildung und in den Klausuren erwarten wird. Das weitere Wissen kann darauf aufbauen und sich auf Detailwissen konzentrieren.

Tim Charchulla und Marcel Welzel: Referendarausbildung in Strafsachen
C.F. Müller, 4. Aufl. 2018, 229 Seiten, EUR 24,99

Das gesamte Strafrecht

Von Benedikt Bögle

Copyright: Nomos

In fünfter Auflage ist bei Nomos der Kommentar „Gesamtes Strafrecht“ erschienen. Er fügt sich in die Reihe der Nomos-Handkommentare ein und übernimmt deren typische Gestaltung. Auf knapp 4.000 Seiten werden in erster Linie das Strafgesetzbuch (StGB), die Strafprozessordnung (StPO) und das Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) kommentiert. Das mag zunächst verwundern: Das „gesamte“ Strafrecht erweckt ja den Eindruck, auch Nebengesetze würden kommentiert – etwa das JGG oder auch das BtMG. Das aber ist auch der Fall: Die Herausgeber haben sich hier für einen Aufbau entschieden, der auch aus anderen Kommentaren bekannt ist. Norm für Norm sind die drei großen genannten Gesetze kommentiert. Die Nebengesetze werden sodann nicht unter eigener Überschrift kommentiert, wohl aber im Zusammenhang mit anderen Normen. Die Straftaten nach dem Tierschutzgesetz beispielsweise werden im Zusammenhang mit § 303 StGB (Sachbeschädigung) behandelt, die relevanten Stellen aus dem BtMG im Wesentlichen vor den §§ 211 ff. StGB (Straftaten gegen das Leben).

Dieser Aufbau überzeugt: Würden die zahlreichen Nebengesetze eigens kommentiert, wäre vermutlich jede Übersichtlichkeit verloren. Gleichzeitig ermöglicht der Band ein gutes Zurechtfinden, da am Beginn angegeben wird, an welchen Stellen die strafrechtlichen Nebengesetze einer Kommentierung zugeführt werden. Damit gilt für diesen Band, was auch für die anderen Bände der „Nomos Handkommentar“-Reihe gilt: Sie gehen bei weitem nicht so sehr in die Tiefe, wie andere Kommentare. Dafür aber bieten sie einen schnellen Überblick. Das wird noch unterstrichen durch die optische Gestaltung: Fundstellen aus der Rechtsprechung werden nicht im Fließtext, sondern als Fußnote angeboten. Das steigert die Leserlichkeit erheblich. Gerade preislich sticht die Reihe hervor. Mit 158,00 Euro ist der Band zwar alles andere als billig. Bedenkt man aber, dass schon Fischers Kommentar nur zum StGB (C.H. Beck) knapp 100 Euro kostet, ist die Handkommentar-Reihe von Nomos durchaus preislich im Vorteil – und bietet sich etwa für Studierende an, auch wenn die Nomos-Reihe im Examen kein erlaubtes Hilfsmittel ist.

Dölling/Duttge/König/Rössner (Hg.): Gesamtes Strafrecht. StGB, StPO, Nebengesetze
Nomos, 5. Aufl. 2022, 3740 Seiten, EUR 158

Talberg 1935

Von Benedikt Bögle

Copyright: Heyne

Talberg ist ein kleines, finsteres Dorf. Es liegt nicht weit von Passau entfernt, scheint aber doch in einer ganz eigenen Schattenwelt zu existieren. Die Menschen sind gezeichnet vom harten Kampf mit den wenig fruchtbaren Böden. 1935 – der erste Weltkrieg und seine Auswirkungen sind noch immer spürbar – wird plötzlich der Lehrer des Dorfes tot aufgefunden, gestürzt von einem hohen Aussichtsturm, den er selbst nur kurze Zeit zuvor errichten ließ. Der herbeigerufene Polizist glaubt nicht an einen Unfall noch an einen Selbstmord; seine Ermittlungen werden allerdings von vielen Seiten sabotiert. Das Interesse an einer Aufklärung der Tat scheint in Talberg mehr als gering; es scheint beinahe, als wären finstere Mächte am Zug. Als dann noch zwei weitere Einwohner sterben, lässt sich die Gefahr nicht mehr leugnen. Der Polizist muss gegen viele Widerstände ermitteln. Geheimnisse scheint es überall um ihn herum zu geben – und kaum jemand teilt sein Geheimnis freiwillig mit dem Ermittler.

„Talberg 1935“ ist der erste Teil einer Krimi-Trilogie von Max Korn – unter diesem Pseudonym schreibt ein offenbar erfolgreicher deutscher Schriftsteller. Eindringlich zeichnet er das harte Leben in einem abgeschiedenen niederbayerischen Dorf der 1930er Jahre. Er schildert die Charaktere gekonnt und entwickelt eine spannende Geschichte. Der Leser ahnt mehr und mehr, was zu den Todesfällen geführt haben mag – die Lösung überrascht am Schluss aber doch. Ein grandioser Auftakt für eine Trilogie!

Max Korn: Talberg 1935
Heyne 2021, 396 Seiten, EUR 15

Weihnachten mit Agatha Christie

Von Benedikt Bögle

Copyright: Atlantik

Agatha Christie ist für Kriminalromane bekannt; berühmte Detektive (Hercule Poirot oder Miss Marple) ermitteln und können allein aufgrund intellektueller Anstrengung komplizierte Verbrechen aufklären. Eine ganz andere Seite zeigt die britische Autorin in „Wunderbare Weihnachten“, einem in 2. Aufl. bei Atlantik erschienenen Bändchen, das Weihnachtsgeschichten versammelt. Die Kurzgeschichten sind berührend und tasten sich zum Kern des christlichen Weihnachtsfestes vor: Der Geburt Jesu, des Sohnes Gottes. Die erste Erzählung beispielsweise berichtet von einem Engel, der Maria nur kurz nach der Geburt Jesu dessen Zukunft zeigt. Will sie nicht den Sohn wieder in die Hände Gottes legen, um ihm und sich all das Leid zu ersparen? Am Ende zeigt sich: Eine List Satans, der als Engel die Erlösung durch den Gottessohn abwenden wollte. Auffällig ist, dass das Leid Jesu immer wieder eine Rolle spielt für Christie; sie spart Passion und Kreuz nicht aus. Eine nächste Geschichte erzählt Weihnachten aus der Sicht des an der Krippe stehenden Esels, die abschließende Erzählung des Bandes berichtet dann von der Himmelfahrt Mariens.

Schöne, anrührende Erzählungen sind in dem Bändchen versammelt. Sie drehen sich nicht – wie zeitgenössische Bände das tun – um all das weihnachtliche Beiwerk, um Christbäume und Geschenke, Schnee und Rentiere. Christie stößt zum Kern des Festes vor und fragt – in jeder Erzählung aufs Neue – was es denn heißt, dass Gott bei den Menschen ist. Daher ist es auch schade, dass der Verlag diese Dimension der Erzählungen – bewusst? – außen vor lässt. Das Cover zeigt Schnee, Christbäume, Elch und Geschenke. Der Klappentext berichtet etwas von Christies Phantasie für dasjenige, „was oft neben der Alltagsrealität steht“. Ja, das stimmt, aber dieser Band ist so viel mehr; er versammelt zutiefst von christlicher Hoffnung geprägte Erzählungen, die ihrerseits Mut machen und durch die Weihnachtstage begleiten können.

Agatha Christie: Wunderbare Weihnachten
Atlantik, 2. Aufl. 2021, 95 Seiten, EUR 12

Mord im Skigebiet

Von Benedikt Bögle

Copyright: Heyne

Sebbe hat ein Angebot bekommen, das zu gut klingt: Für wenige Wochen soll er „persönlicher Assistent“ des 17jährigen Fredrik sein, der in ganz Schweden als Klavierspieler bekannt ist. Fredrik sitzt im Rollstuhl; Sebbe bemerkt aber bald, dass der Teenager eigentlich gar keine Hilfe braucht. Er soll ihm vielmehr Gesellschaft leisten: Die Eltern arbeiten viel und haben gerade vor Weihnachten viele Termine in ihrer Event-Agentur. Sebbe beschleicht das Gefühl, dass etwas nicht stimmt in dem Luxus-Haus, in dem er seine Arbeit zu tun hat. Fredrik ist deutlich selbstständiger, als auch seine Mutter glaubt. Ist er überhaupt eingeschränkt? Die Situation wird immer gefährlicher für Sebbe. Am Ende bezahlt er mit dem Leben: Leblos wird er am Fuß eines Hanges aufgefunden, scheinbar hat er sich verlaufen und ist in der Nacht in die Tiefe gestürzt. Ein bedauernswerter Unfall.

Wie es der Zufall will, ist auch Cilla Storm mit ihrer Freundin Rosie vor Ort. Sie verbringt die Weihnachtsfeiertage im berühmten Skigebiet Idre Fjäll; Rosie ist dabei, als die Leiche gefunden wird. Erst denken sich die beiden nichts, bald aber kommen sie einigen Ungereimtheiten auf die Spur. Ist die Familie von Fredrik wirklich so erfolgreich und glücklich, wie es nach Außen scheint? War der Sturz von Sebbe wirklich nur ein Unfall – oder wurde er womöglich gestoßen? Wie immer kommen die beiden der Wahrheit auf der Spur.

„Schwedischer Todesfrost“ ist der dritte Krimi von Christoffer Holst um Cilla und Rosie. Wie auch in den beiden Bänden zuvor, kann der Plot überzeugen. Der Autor baut die Spannung immer weiter auf und schafft es, verschiedene Handlungsstränge am Ende zusammenzuführen. Im Vergleich zum zweiten Band der Reihe hat auch der Kitsch abgenommen – trotzdem bleibt auch hier das Gefühl, der Autor könnte aus seiner wirklich guten Idee noch mehr Spannung herausholen. Trotzdem: Eine spannende Geschichte!

Christoffer Holst: Schwedischer Todesfrost
Heyne 2021, 316 Seiten, EUR 10,99

Ebenfalls vom Autor erschienen:
Gefährliche Mittsommernacht
Mörderischer Nordwind