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Morlok und Michael: Staatsorganisationsrecht

Von Benedikt Bögle

Das Staatsorganisatonsrecht regelt – knapp gesagt – alle Fragen, die sich um den Aufbau und die Organisation unseres demokratischen Rechtsstaats drehen. Die Klausurrelevanz dürfte vor allem beim Staatsexamen eher gering sein. Und doch ist das Verständnis für die Funktionsweise unseres Staates unerlässlich und kann natürlich auch Stoff in Klausuren sein. Ein einführendes Lehrbuch haben die beiden Professoren Martin Morlok und Lothar Michael vorgelegt: „Staatsorganisation“ ist bei Nomos erschienen.

Copyright: Nomos

Die beiden Autoren behandeln zu Beginn ganz grundsätzliche Fragen: Wesen und Aufgabe einer Verfassung, Demokratieprinzip des Grundgesetzes, Merkmale des „sozialen Rechtsstaats“ und die Bundesstaatlichkeit. Darauf folgen die Aufgaben und Zusammensetzung von Bundestag, Bundesregierung und Bundesrat. Die wesentlichen Themen werden so alle angesprochen. Besonderen Wert liegen Morlok und Michael immer wieder auch auf ganz grundlegende Fragen und historische Entwicklungen. Das dient einem vertieften Verständnis für das Grundgesetz.

Das vorliegende Lehrbuch dürfte durchaus mehr mit einführenden Fällen arbeiten. Schemata für die Prüfung staatsorganisationsrechtlicher Fragen finden sich überhaupt nicht, dafür aber gesammelte Definitionen am Ende des Bandes. Zu jedem Kapitel gibt es Wiederholungs- und Verständnisfragen, die nur leider (nicht einmal per Verweis zur entsprechenden Randnummer) behandelt werden. Das Lehrbuch ist verständlich geschrieben und bietet eine breite Einführung; daher ist es zu empfehlen, auch wenn Prüfungsrelevanz für die Autoren nicht an erster Stelle gestanden zu haben scheint.

Martin Morlok / Lothar Michael: Staatsorganisationsrecht
Nomos, 4. Aufl. 2019, 438 Seiten, EUR 24

Miss Marples Garten

Von Benedikt Bögle

Agatha Christie ist mit Sicherheit eines der größten erzählerischen Talente des vergangenen Jahrhunderts. Ihr Einfallsreichtum erscheint manchmal grenzenlos: Immer neue Erzählungen flossen aus ihrer Feder. Ihre beiden berühmtesten Helden – Miss Marple und Hercule Poirot – gelangten zu Weltruhm. Miss Marple ist die einfache alte Dame, unscheinbar, aber intelligent. Ihre Kombinationsgabe trifft auf eine liebevolle Menschenkenntnis – zusammen sind diese Eigenschaften der Schlüssel zur Lösung so mancher Kriminalfälle. Hercule Poirot ist der belgische Ermittler, der zwar beinahe unerträglich viel von sich selbst hält – das aber irgendwie zurecht.

Geschichten der beiden versammelt nun ein Sammelband, der im Atlantik-Verlag erschienen ist: „Mörderisches Grün. Miss Marple und Poirot ermitteln im Garten“. Da ist etwa die spannende Geschichte um eine alte Dame: Kurz vor ihrem Tod hatte sie noch Poirot um Hilfe gebeten. Schützenhilfe kann der berühmte Ermittler seiner Klientin nur noch nach ihrem Tod geben. Er findet zielstrebig die Mörder der alten Frau. Seine einzige Spur: Muschelschalen in einem Garten. In einem anderen Fall kann Miss Marple die Lösung des Verbrechens nur aus einer groben Schilderung der Vorkommnisse extrahieren.

Klassische Agatha-Christie-Erzählungen sind es: Immer wieder meint der Leser, der vor ihm liegende Fall sei nicht zu lösen. Ist er dann aber natürlich doch – mit einer Prise Ironie und hohem Unterhaltungswert. Wie immer kommen viele englische Namen der gehobenen Gesellschaft vor, wie immer bei Agatha Christie spielt Gift eine herausragende Rolle. Hervorragende Unterhaltung!

Agatha Christie: Mörderisches Grün. Miss Marple und Poirot ermitteln im Garten
Anker, 2. Aufl. 2019, 199 Seiten, EUR 12

Geht Grillen nur mit Weber?

Von Benedikt Bögle

Grillen – im Sommer gibt es doch kaum etwas besseres. Egal, ob im großen Garten, oder auf dem kleinen Balkon. Gute Tipps gibt es jetzt von Koch Jürgen Paulitsch: „Grillaxed: Einfach. Stressfrei.Gut“, erschienen beim Leopold Stocker Verlag in Graz. Zu Beginn gibt es eine eher theoretisch anmutende Einführung in das Grillen: Wie funktionieren die verschiedenen Grilltypen? Welche Hitze sollte man beachten, was ist der Unterschied zwischen direktem und indirektem Grillen? Es folgen die Rezepte mit hervorragenden Bildern. Von Schweinebraten bis hin zum Kaiserschmarren – auf dem Grill lässt sich, vor allem, wenn indirekte Hitze zur Verfügung steht, beinahe alles kochen: Forelle, Surf & Turf, Muscheln. Ein wirklich schönes und gelungenes Kochbuch, das wohl nich nur für den Grill nützlich ist; den Kaiserschmarren kann man ja wirklich auch auf dem Herd zubereiten. Am Schluss des Bandes stehen die Lieblingsrezepte weiterer Kochprofis.

Copyright: Leopold Stocker Verlag

Leider nur hat man als Leser den Eindruck, nichts anderes als eine Werbebroschüre vor sich zu haben. Wirklich, das Kochbuch ist gelungen, das Design liebevoll. Nur: Ständig begegnet einem der „Weber’s“-Schriftzug. Beispiel: Zu Beginn finden sich Skizzen, die verschiedene Grillmethoden bildlich darstellen. Darauf zu sehen ist jedes Mal ein Grill, auf diesem Grill wiederum aber unübersehbar ein Logo von „Weber’s“; für die Sache überhaupt nicht nötig. Jeder abgebildete Koch hat natürlich auf seiner Jacke ein „Weber’s“-Logo. Am Ende kommt die Auflösung, wenn sich Autor Paulitsch für das „unkomplizierten Sponsoring“ beim Grillhersteller bedankt. Das ist an sich ja auch überhaupt kein Problem; in vielen Fällen dürfte Sponsoring eine attraktive Möglichkeit für alle Beteiligte sein – nur in diesem Fall scheint es etwas übertrieben, man fragt sich ständig, ob man etwas falsch verstanden habe und das Buch eigentlich von Weber’s herausgegeben wurde. Fühlt sich an wie Werbung. Davon abgesehen: Ein schönes Buch.

Grillaxed. Einfach. Stressfrei. Gut. Grillen leicht gemacht mit Jürgen Paulitsch
Leopold Stocker Verlag 2019, 129 Seiten, EUR 24,90

Fallbuch zum Arbeitsrecht

Von Benedikt Bögle

„Das Arbeitsrecht ist auf den ersten Blick eine unübersichtliche Materie. Ursächlich dafür sind sicherlich auch die Vielzahl an Gesetzen und Normen, die das Arbeitsrecht beeinflussen und bestimmen“, schreiben Friedrich Schade und Stephan Oliver Pfaff in ihrem Trainigsbuch „Fälle zum Arbeitsrecht“, das bei Kohlhammer erschienen ist. Das Ziel des Bandes: „Mit ihrer neuen Fallsammlung haben sich die Autoren das Ziel gesetzt, dieses komplizierte Rechtsgebiet für die Studierenden, die in Arbeitsrechtsklausuren Fälle zu lösen haben, durch verständliche und gut prüfbare Übungsfälle mit Lösungen im Gutachtenstil vorzulegen“, so die Autoren weiter.

Das ist ihnen vollumfänglich gelungen. Die beiden Autoren bieten 38 mehr oder weniger kurze Fälle zum Arbeitsrecht. Schon die Überschriften der Fälle verdienen Lob, da sie nicht – wie so oft – blumige oder gar vermeintlich lustige Titel tragen, sondern gleich in die angesprochene Materie einleiten. Die Fälle heißen dementsprechend „Direktsionsrecht, Zuweisung anderer Tätigkeit“ oder „Überraschungsklausel bei Befristung, Transparenzgebot“. Auf diese Überschrift folgt ein kurzer Fall, für den zuerst eine sehr übersichtliche Gliederung, sodann ein Lösungsvorschlag im Gutachtenstil geboten wird.

Copyright: Kohlhammer

Inhaltlich decken Schade und Pfaff weitere Teile des Arbeitsrechts ab. Sie beginnen klassisch mit de Abgrenzung von Arbeitsverhältnis und Dienstvertrag und gehen über Teilzeitbeschäftigung, Urlaubsanspruch und Befristung bis zu den verschiedenen Kündigungsgründen. Sie haben damit ein sehr übersichtliches Fallbuch geschaffen, das auch durch seinen mit nicht einmal 100 Seiten relativ knappen Umfang überzeugt, wenngleich fast 40 Fälle hier Platz finden.

Schade ist, das die Autoren ohne eine einzige Fußnote auskommen. Weder gibt es ein Literaturverzeichnis, noch eine Liste mit Literaturempfehlungen, noch ausführliche Fundstellen der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts, noch Literaturtipps zur Vertiefung – seien es Verweise in Lehrbücher oder Aufsätze gängiger Ausbildungszeitschriften. Das ist in der Tat schade, könnten auch nur wenige Querverweise die Weiterarbeit mit dem Buch noch vertiefen. Insgesamt aber ein gut gelungenes Werk, das lediglich für seinen sehr knappen Umfang etwas teuer zu sein scheint.

Friedrich Schade / Stephan Oliver Pfaff: Fälle zum Arbeitsrecht
Kohlhammer, 3. Aufl. 2019, 93 Seiten, EUR 22

Es lebe Latein!

Von Benedikt Bögle

Die lateinische Sprache ist tot. Wer spricht sie denn noch, die Sprache der Römer, die Sprache Ciceros, Vergils und Ovids? Wo könnte man Latein als gesprochene Sprache lernen? Gibt es denn Filme auf Latein? Lateinische Beststellerautoren? Nein. Und dennoch ist die Sprache alles andere als tot. Eindrücklich beweist dies nun ein Buch, das im Herder-Verlag erschienen ist: „Wie Julius Caesar in die Fanmeile kam. Der etwas andere Einstieg ins Lateinische“ von Karl-Wilhelm Weeber. Das Ziel des ehemaligen Gymnasiallehrers ist es, die Bedeutung des Lateinischen bis heute aufzuzeigen.

Ein sehr launiges Buch hat Weeber hier vorgelegt. In vielen kleinen, gut und schnell zu lesenden Kapiteln, zeigt der Autor wo auch heute noch unsere Sprache vom Latein der Römer inspiriert ist. Erstaunlich ist immer wieder die Fülle an Lehnwörtern, die das Englische ebenso durchziehen wie die deutsche Sprache. Für den Unterhaltungsbereich gilt das – Weeber analysiert hier sogar das Fernsehprogramm – ebenso wie für die Werbebranche, unsere Monatsnamen oder auch die Wissenschaft. Faszinierend. Immer wieder hat Karl-Wilhelm Weeber ein kleines Quiz eingebaut, schreibt ironisch, immer aber informativ – wirklich ein anderer, gleichwohl aber guter Einstieg in das Lateinische.

Karl-Wilhelm Weeber: Wie Julius Caesar in die Fanmeile kam
Herder, Neuausgabe 2o18, 176 Seiten, EUR 10

Führer durch das Strafprozessrecht

Von Benedikt Bögle

„Für den beschuldigten Bürger bedeutet das Strafverfahren eine Belastung, kann sogar eine größere Belastung sein als die spätere Strafe. Die Einleitung eines Strafverfahrens ist vielfach mit negativen Bewertungen, mit Vorverurteilungen verbunden, die private und berufliche Nachteile mit sich bringen – trotz der Unschuldsvermutung bis zur rechtskräftigen Verurteilung“, schreibt Heribert Ostendorf in seinem bei Nomos erschienenen Lehrbuch zum Strafprozessrecht. Damit zeigt er die Bedeutung, die das Strafprozessrecht für den demokratischen Rechtsstaat hat: Wie hat der Staat vom Beginn der Ermittlungen bis zu ihrem Ende – der rechtskräftigen Verurteilung und im Falle einer Wiederaufnahme des Verfahrens sogar noch darüber hinaus – mit dem Beschuldigten bzw. Angeklagten umzugehen?

Die Fragen sind vielfältig. Ab wann ist ein Vernommener ein Beschuldigter? Ab wann und wie genau muss er über seine Rechte belehrt werden? Was geschieht bei einer fehlerhaften Belehrung? Dürfen Beweismittel im Prozess benutzt werden, die rechtswidrig erlangt wurden? All diese Fragen beschäftigen das Strafprozessrecht und gewinnen immer wieder an Aktualität: Wie etwa müssen Vertrauenspersonen, sogenannte „V-Männer“ handeln? Dürfen sie in staatlichem Auftrag gar Straftaten provozieren, um sie im Anschluss bestrafen zu können?

Heribert Ostendorf führt auf hervorragende Weise in diese Fragen ein. Der Professor und ehemalige Generalstaatsanwalt beginnt mit den Grundlagen des Strafprozessrechts, bezieht die europäische Ebene mit ein und legt und die Verfassung der Gerichte dar. Ostendorf behandelt die Rechte der Verfahrensbeteiligten, Zwangsmittel, den Gang des Verfahrens und die Möglichkeiten von Berufung und Revision. All dies tut er gut lesbar, pädagogisch aufbereitet, versehen mit vielen Schemata und Übersichtsbildern. Ein Lehrbuch, das jedem Studenten nur zu empfehlen ist.

Heribert Ostendorf: Strafprozessrecht
Nomos, 3. Aufl., 2018, 280 Seiten, EUR 22

Neues aus dem alten Rom

Von Benedikt Bögle

Das Latinische gilt uns gemeinhin als die große klassische Sprache; die Sprache, in der Cicero und Seneca dachten und schrieben, die Sprache der komplizierten Syntax, der feingliedrigen Deklinationen und Konjugationen – schlicht: Das Lateinische ist erhaben, es zu beherrschen das große Bildungsideal der europäischen Geistesgeschichte. Nur: Natürlich sprachen die Römer nicht nur Latein, wenn sie zu philosophischen Höhen oder dichterischer Ekstase aufsteigen wollten. Sie sprachen Latein in ihrem Alltag, von morgens bis abends, vom Kaiser bis zum Bettler.

Deswegen gibt es – es verwundert ja eigentlich nicht – auch viele Graffiti aus der antiken römischen Welt. Kurze Botschaften, auf Wände gekritzelt, bis heute erhalten. Professor Karl-Wilhelm Weeber, ehemaliger Lateinlehrer, hat nun eine Auswahl lateinischer Graffiti ausgewählt: „Botschaften aus dem alten Rom. Die besten Graffiti der Antike“ ist bei Herder erschienen. Die meisten der hier wiedergegebenen Graffiti stammen aus Pompeji, wo sie durch den Ausbruch des Vesuvs am besten erhalten werden konnten.

Copright: Herder

Literarisch hochwertig ist das nicht. „Andererseits bieten auch die Graffiti einen Zugang zur römischen Welt, der nicht vernachlässigt werden darf, den Zugang nämlich zur Alltagswelt, zur Freude und zum Leid auch der kleinen Leute, die sich fernab von hoher Politik und Kunst durchs Leben schlagen müssen. Diese Welt spiegeln die Wandbotschaften frisch, frech und lebendig wider; viel authentischer, farbiger und unmittelbarer als die Darstellungen antiker Geschichtsschreiber und die Reflexionen römischer Philosophen“, wie Weeber in seiner Einleitung schreibt.

In mehreren kleinen Kapiteln bietet der Autor eine Auswahl an Graffiti: Da geht es um Liebe und Sexualität, Besuche in Gasthäusern und Bordellen. Das können ganz kurze Mitteilungen sein: „Canamus – Lasst uns singen!“ Ebenso finden sich aber auch längere Mitteilungen oder gar Wahlwerbung; die scheint in Pompeji ganz besonders beliebt gewesen zu sein. Mehr oder weniger ausführlich werben Bürger für den von ihnen bevorzugten Kandidaten. Die Auswahl ist interessant, das Buch sehr unterhaltsam – es zeigt: Latein ist eben nicht nur die Hochsprache der Gebildeten gewesen. Für eine angeblich so „tote“ Sprache sehr lebendig.

Karl-Wilhelm Weeber: Botschaften aus dem alten Rom. Die besten Graffiti der Antike
Herder 2019, 192 Seiten, EUR 10