Die Passion Christi

Von Benedikt Bögle

Copyright: Diogenes

Die Passion Christi beschäftigt die Menschheit seit zweitausend Jahren. Nicht nur der Glaube beschäftigt sich mit dem Leiden des Mannes aus Nazareth, sondern auch die Kunst, die Musik und die Literatur. Einen neuen Baustein zu dieser langen Geschichte liefert nun die Schriftstellerin Amélie Nothomb: „Die Passion“ ist bei Diogenes erschienen. Erzählerisch stellt sich die Autorin ein Selbstgespräch Jesu während seines Leidens vor: Von der Gefangenschaft bis zum Tod am Kreuz und einer eher nur angedeuteten Auferstehung. Diese Erzählung – sprachlich durchweg gelungen – birgt spannende Elemente. So entwirft Nothomb etwa den Gedanken, Jesu habe gewusst, was mit ihm geschehen werden, aber nicht wie es geschehen werde. Er wusste von seiner Hinrichtung, nicht aber, dass diese am Kreuz erfolgen würde. Das scheint ein theologisch nicht uninteressanter Beitrag zu der Frage zu sein, wie in Jesus – wahrer Mensch und wahrer Gott – menschlicher und göttlicher Wille, menschliches und göttliches Wissen zusammengedacht werden können.

Andere Elemente sind wenig originell. Natürlich muss Jesus eine Liebesbeziehung zu Maria Magdalena unterstellt werden. Spätestens seit „Sakrileg“ ist das weder originell noch spannend noch interessant – und trotzdem wird diese Behauptung immer wieder aufs Neue aufgegriffen, wohl, um zu jedem Preis modern zu wirken. Schade ebenfalls, dass die Auferstehung am Ende nur angerissen wird. Diese Gedanken hätten gerne noch weiter aufgegriffen werden können. So beliebt ein durchaus lesenswerter knapper Band, der in Teilen neue Aspekte des Leidens Jesu beleuchten kann, in Teilen wenig neu erscheint.

Amélie Nothomb: Die Passion
Diogenes 2022, 124 Seiten, EUR 12

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