Staub zu Staub

Von Benedikt Bögle

Copyright: Penguin

Siem Coburg hat in den Niederlanden Widerstand gegen die Nazis geleistet. Unter großen Gefahren, immer wieder von Verrätern umgeben, hat er führende NS-Funktionäre getötet. Doch er hat seine große Liebe im Krieg verloren – und hat nach dem Krieg keinen großen Lebenswillen mehr. Da bekommt er einen Auftrag: Ein alter Bauer will, dass Coburg den Tod seines Enkels untersucht. Er war aufgrund einer Behinderung pflegebedürftig und kam im Kinderheim eines katholischen Ordens unter. Doch plötzlich starb der Enkelsohn – und der alte Bauer ist sich sicher, dass er misshandelt und zu Tode geschlagen wurde. Also macht sich Coburg auf den Weg zum Kloster und tastet sich langsam vor. Schnell merkt er: Tatsächlich gibt es einen besonders gewalttätigen Mann im Kinderheim, dem er den Totschlag an dem behinderten Enkelsohn zutrauen würde. Doch es wird für Coburg immer gefährlicher im Klosterdorf. Die Menschen leben vom Orden und seinem Kinderheim, viele sind dort in den entbehrungsreichen Jahren nach dem Krieg beschäftigt. Und keiner mag es, wenn den Ordensleuten zu genau auf die Finger geschaut wird. Am Ende wird es für Coburg knapp. Sehr knapp.

„Staub zu Staub“ von Felix Weber ist ein Kriminalroman mit einem guten Plot. Weber schafft es, Schwarz-Weiß-Zeichnungen zu vermeiden und verwebt die Geschichte des niederländischen Widerstands mit einer Kriminalgeschichte nach wahren Begebenheiten. Doch das Ergebnis kann nicht ganz überzeugen. Denn „Staub zu Staub“ ist eben nichts von beidem: Weder ein purer Kriminalroman noch ein Roman über den Widerstand in den Niederlanden. Die Verbindung beider Geschichten gelingt streckenweise eher schlecht, gerade in der Mitte des Buches zieht sich die Erzählung besonders. Daher: Guter Plot, aber nur mäßige Umsetzung.

Felix Weber: Staub zu Staub
Penguin 2020, 400 Seiten, EUR 15

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