Der Erlkönig

Von Benedikt Bögle

Eine Frau taucht an der französischen Küste auf. Sandrine ist mit Blut überströmt und berichtet von einer verstörenden Geschichte: Sie sei auf einer abgelegenen Insel gewesen; dort treibe der „Erlkönig“ sein Unwesen. Der zugezogenen Psychologin Véroronique und dem zuständigen Polizisten Damien ist schnell klar, dass die Geschichte nicht stimmen kann: Eine wie von Sandrine beschrieben Insel gibt es nirgends. Die Psychologin weiß bald: Sandrine hat sich ein „Refugium“ gebaut. Um einer traumatischen Erfahrung begegnen zu können, baut ihr Gehirn eine neue Realität. Nur: Welche Erfahrung könnte das sein? Bald führen erste Spuren zu einem Bauernhof, zu einem Mann, der über Jahre junge Kinder gefangen gehalten und missbraucht hat – auch Sandrine. Doch noch immer stimmt etwas nicht. Was an der Geschichte von Sandrine ist Realität, was Erfindung?

Jérome Loubry hat mir „Der Erlkönig“ einen sehr spannenden und packenden Thriller geschaffen. Die Grenzen zwischen Phantasie und Realität verschwimmen immer mehr. Die Anlehnung an das berühmte Gedicht zum Erlkönig von Johann Wolfgang von Goethe passt hier perfekt. Bis zum Schluss ist dem Leser nicht ganz klar, welche Version der Geschichte nun wahr ist, welche nicht. Loubry kann seinen Leser bis zur letzten Seite fesseln – dieses Buch will man wirklich nicht mehr aus der Hand legen.

Jérome Loubry: Der Erlkönig
Ullstein 2021, 399 Seiten, EUR 10,99

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