Ein „Franziskus-Komplott“?

Von Benedikt Bögle

Copyright: Herder

Papst Franziskus ist kein unwidersprochener Papst: Es wird ja immer wieder deutlich. Der Heilige Vater geht neue Wege in der Pastoral, legt in seinen apostolischen Schreiben die Finger in Wunden, die große Teile der katholischen Kirche bisher nicht auf dem Schirm hatten. Dass dies nicht ohne Widerspruch bleiben würde, war klar – dass sich aber immer wieder auch Stimmen regen, die den Papst selbst als Häretiker bezeichnen und den Untergang der Kirche prophezeien, wäre in den vergangenen Jahrzehnten unerhört gewesen. Den Problemen, denen Papst Franzsikus ins Auge blicken muss, hat Marco Politi ein Buch gewidmet: „Das Franziskus-Komplott. Der einsame Papst und sein Kampf um die Kirche“ ist bei Herder erschienen. Der italienische Journalist und Vatikan-Kenner untersucht verschiedene Aspekte des Pontifikats von Papst Franziskus und macht Gegner der Papstes aus.

Das betrifft etwa sein Engagement für die Geflüchteten, das insbesondere in der italienischen Politik auf wenig Gegenliebe stieß. Es betrifft aber auch seine mahnende Stimme gegen die Umweltzerstörung oder seine pastoralen Ansätze zu wiederverheirateten Geschiedenen. Auch der Kampf des Papstes gegen Missbrauch hat viel Gegenwind in der Kirche erfahren. Gerade hier zeigt sich eine Stärke des Autors: Marco Politi zeigt durchaus, wo auch Franziskus mehr gegen den Missbrauch in der Kirche tun könnte; er benennt klar Fehler und zeigt auch, wo der Pontifex selbst erst lernen und begreifen musste. Politi zeigt auch, wie Franzsikus innerhalb der Kurie isoliert ist – und dass dies auch daran liegt, dass Franziskus wohl nicht mit einem festen Team arbeitet.

Marco Politi schildert so verschiedene Aspekte eines Pontifikates und zeigt Mitstreiter wie Gegenspieler auf. Der Text würde allerdings durchaus etwas mehr Theologie vertragen: In der Kirche sind tagesaktuelle Probleme ja immer auch Diskussionen um die richtige Theologie. Die vier Kardinäle etwa, die ihre „Dubia“ bezüglich „Amors Laetitia“ veröffentlichten, hatten dafür ja durchaus auch theologische Gründe. Man mag über deren Stichhaltigkeit debattieren, man mag auch über die Form der „Dubia“ streiten – die theologische Seite sollte jedoch nicht unbeleuchtet bleiben. Insgesamt jedoch kann dieser Band überzeugen; gerade weil er ausgewogen ist und nicht immer einseitig Partei ergreift. Eine erhellende Lektüre!

Marco Politi: Das Franziskus-Komplott. Der einsame Papst und sein Kampf um die Kirche
Herder 2020, 297 Seiten, EUR 24

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