Über den Leib Christi

Von Benedikt Bögle

Copyright: Herder

Zwei altkirchliche Texte enthält dieser bei Herder in der Reihe „Fontes Christiani“ erschienene Band: „Adversus Valentinianos“ und „De carne Christi“ von Tertullian. Beide Schriften wenden sich gegen altkirchliche Irrlehren. „Adversus Valentinianos“ kämpft gegen die heute eher schwer zu greifende Gruppe der Valentinianer; sie stellten eine gnostische Gruppierung dar, die ein komplexes Gedankengebilde rund um ein höchstes Seiendes und seine 30 Emanationen vertritt. Spannend ist die Schrift des Tertullian, der kaum Argumente gegen diese Lehre darstellt, sondern vielmehr schon durch die Art seiner Darstellung dieser Lehre ihre Unvernünftigkeit, ja auf polemische Weise geradezu ihre Lächerlichkeit unterstreicht. Anders „De carne Christi“: Diese Schrift wendet sich gegen verschiedene, sogenannte „doketistische“ Lehren. Gemeinsam ist ihnen, dass sie davon ausgehen, Jesus Christus sei nicht wirklich Mensch geworden, habe nicht wirklich Fleisch angenommen. Es hatte nur den Anschein, es schien nur so, als sei er geboren worden, als wäre er am Kreuz gestorben. Diese Lehren versucht Tertullian zu widerlegen; ausgehend vom zu erlösenden Menschen zeigt er auf, dass es dem Gott, der das Fleischliche erlösen wollte, nicht gegen den Willen gehen konnte, gar selbst Fleisch anzunehmen – gerade, weil es so unglaublich scheint.

Beide Schriften werfen einen interessanten Blick auf altkirchliche Diskussionen, auf die Themen, die debattiert wurden und so – wenngleich im Wege negativer Abgrenzung – zu einer Reflexion über den christlichen Glauben führten. In für die „Fontes Christiani“ bewährter Weise werden beide Schriften im lateinischen Original wie auch in deutscher Übersetzung geboten, die hier von Volker Lukas besorgt wurde. Er auch hat die beiden sehr prägnanten Einführungen verfasst, die dem Leser die Schriften verständlicher werden lassen.

Tertullian: Adversus Valentinianos. Gegen die Valentinianer / De carne Christi. Über das Fleisch Christi. Eingeleitet, übersetzt und kommentiert von Volker Lukas (Fontes Christiani, 5. Folge, Band 84)
Herder 2019, 298 Seiten, EUR 45

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