Mord mit verteilten Rollen

Von Benedikt Bögle

Copyright: Atlantik

Hercule Poirot wird zu einem sehr seltsamen Fall gerufen – der eigentlich noch gar keiner ist. Seine Bekannte Ariadne Oliver, die berühmte Schriftstellerin, soll auf einem englischen Landsitz für ein großes Gartenfest einen Krimi inszenieren – eine Art Schnitzeljagd, bei die Gäste im Laufe des Tages eine Leiche finden und den Mord aufklären sollen. All das ist natürlich nur ein Spiel, eine geschickte Inszenierung. Und dennoch har Ariadne Oliver ein komisches Gefühl. Irgendetwas stimmt ihrer Ansicht nach bei diesem Fall einfach nicht. Also soll Hercule Poirot kommen, um ein mögliches Verbrechen zu verhindern. Indes, es gelingt ihm nicht. Ein junges Mädchen, das die Leiche spielen sollte, wird getötet. Die Frau des Hausbesitzers verschwindet. Bald sind sich die Polizei und Hercule Poirot sicher: Das eigentliche Verbrechen wurde an der Hausherrin verübt. Das junge Mädchen wurde Zeugin und musste sterben. Doch wochenlang kann nicht einmal der berühmte Detektiv den Fall lösen – bis es ihm wie Schuppen von den Augen fällt und sein Verstand am Ende doch triumphieren muss.

„Mord mit verteilten Rollen“ ist ein typischer Agatha-Christie-Krimi: Im Vordergrund steht die gehobene Gesellschaft, in der scheinbar alles seinen geordneten Bahnen nach geht. Im Hintergrund lauert aber wie immer das Verbrechen; nicht sonderlich grausam, nicht blutrünstig, mehr eine Aufgabe für die Gehirnzellen. Allerdings dauert es hier sehr lange, bis der Krimi in Schwung kommt. Erst nach der Hälfte des Bandes wird das Verbrechen überhaupt begangen. Auch die Ermittlungserfolge Poirots bauen sich nicht wie üblich auf, verdichten sich – sondern kommen geballt am Ende. Ein unterhaltsamer Roman. Allerdings hat Agatha Christie bessere geschrieben.

Agatha Christie: Mord mit verteilten Rollen
Atlantik 2020, 266 Seiten, EUR 12

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