Gottesdienst im Internet?

Von Benedikt Bögle

Copyright: Herder

Die Corona-Pandemie hat einer Entwicklung Aufschub gegeben, die schon vor Ausbruch des Virus nicht mehr zu übersehen war: Die Verlagerung gelebten und gefeierten Glaubens in das Internet. Das Internet, digitale Welten prägen heute unser ganzes Leben. Aus theologischer Sicht greift dies nun ein bei Herder erschienener Sammelband auf: „Online zu Gott?! Liturgische Ausdrucksformen und Erfahrungen im Medienzeitalter“ wurde von Stefan Kopp und Benjamin Krysmann herausgegeben. Der Band ist in der Reihe „Kirche in Zeiten der Veränderung“ erschienen und ging aus einer Tagung unter dem gleichen Titel hervor. Obwohl die Tagung bereits 2019 stattfand, haben die Autoren ihre Beiträge doch dezidiert auch auf die Entwicklungen seit Beginn diesen Jahres bezogen.

„Inzwischen dürfte es kaum einen Lebensbereich mehr geben, in den die Digitalisierung noch nicht Einzug gehalten hat. In weiten Teilen der Gesellschaft führt die digitale Technik zu großen Umwälzungen und eröffnet Möglichkeiten, die noch vor wenigen Jahren jenseits des Vorstellbaren waren“, schreibt etwa Stefan Böntert zu Beginn seines Beitrages „Gottesdienst nach dem Digital Turn“. Ja, der digitale Wandel kann auch von der Kirche nicht mehr geleugnet oder ignoriert werden. Dabei mag das für die Pastoral noch in erster Linie positiv sein: Über die sozialen Medien können schließlich neue Zielgruppen erschlossen werden. Für die Liturgie hingegen wird der digitale Lebensbereich auch zur Herausforderung.

Kann man denn Sakramente im Internet feiern? Schwierig – katholische Sakramente leben ja von Körperlichkeit. Was ist eine Taufe ohne Wasser, Firmung ohne Öl, Eucharistie ohne Brot und Wein? Wo das gemeinsame Beten über soziale Kanäle noch gut denkbar erscheint, ist das mit den Sakramenten wirklich schwierig. Der vorliegende Band stellt sich diesen theologischen Schwierigkeiten und legt den Schwerpunkt auf die Liturgie. Die Beiträge des Bandes eröffnen Gedankengänge, die sowohl für die Wissenschaft als auch die Praxis bereichernd sein können. Sie zeigen vor allem: Kirche und Digitalisierung, Gott und Internet – diese Themen sind noch nicht zu Ende gedacht. Vielmehr steht die theologische Reflexion erst am Beginn. Gut, dass Bände wie dieser erste Schritte wagen.

Stefan Kopp und Benjamin Krysmann: Online zu Gott?! Liturgische Ausdrucksformen und Erfahrungen im Medienzeitalter
Herder 2020, 236 Seiten, EUR 26

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