Kluftingers ältester Fall

Von Benedikt Bögle

Noch immer muss Kommissar Kluftinger über einem alten Fall brüten: 1985 wurde eine junge Lehrerin getötet und in einem „Funkenfeuer“ verbrannt. Kluftinger hatte damals bereits ermittelt und einen Verdächtigten festgenommen, der für die Tat auch verurteilt wurde. Nur: Der Verurteilte hat die Tat nicht begannen, Kluftinger muss noch vor dem Tod des vermeintlichen Mörders seinen Irrtum einsehen und macht sich schwere Vorwürfe. Umso wichtiger ist ihm dieser Fall, umso dringender will er den wahren Täter finden. Seine Ermittlungen konzentrieren sich bald auf eine Clique damals Jugendlicher, deren Klassenlehrerin das Mordopfer war. Irgendetwas haben sie mit dem Mordfall zu tun – aber ist unter ihnen auch der Täter, von heimlicher Liebe zum Mord getrieben? Der Fall kommt ins Rollen, als einer der Beteiligten Selbstmord begeht. Zumindest sollen die Ermittler an einen Selbstmord glauben – in Wahrheit haben die Schuldigen von damals wieder gemordet.

Copyright: Ullstein

Für einen Kluftinger-Roman bleibt „Funkenmord“ tatsächlich bis zum Schluss spannend. Kluftinger ermittelt nicht nur, sondern muss – auch das keine Neuheit vom Autorenduo Klüpfel und Kobr – auch privat einiges regeln. Seine Frau Erika leidet unter Depressionen, der Kommissar muss eigenständig mit einer Waschmaschine umgehen, ist erstaunt über die Preise eines Thermomix und gibt sich einmal mehr seiner Vorliebe für Kässpatzen hin. Zugleich gibt es auf dem Kommissariat eine neue Kollegin, die als Ersatz für den im letzten Band getöteten Strobl dienen soll und den Männerhaufen ein wenig durcheinanderbringt. Es wirkt, als würde Kluftinger immer mehr zu einem Menschen. Während er in den ersten Bänden eigentlich nur eine wandelnde Parodie, eine völlig überzeichnete Witzfigur war, kann man mittlerweile so etwas wie einen Charakter erahnen. Das ist erfreulich. Gleichzeitig rekurriert dieser Band immer wieder auf den Vorgänger, „Kluftinger“ (2019). Selbst wer diesen Band gelesen hat, dürfte sich nicht mehr an alle Details erinnern. Das macht es teilweise schwer, der Erzählung ganz zu folgen. Insgesamt aber: Ein spannender und sehr kurzweiliger Roman.

Klüpfel / Kobr: Funkenmord. Kluftingers neuer Fall
Ullstein 2020, 489 Seiten, EUR 22,90

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