Lieder des Gotteslobs ausgelegt

Von Benedikt Bögle

In der Theologie der Kirche gilt ein Grundsatz; es ist die Lehre von „lex orandi – lex credendi“. Das heißt: Was die Kirche glaubt, das kommt auch in ihrem Gebet zum Ausdruck – und umgekehrt, was sie betet, das entspricht auch ihrem Glauben. Dieser Grundsatz stellt nicht nur eine empirische Feststellung dar, sondern beinhaltet auch eine Aufforderung: Was die Kirche betet, muss auch ihrem Glauben entsprechen. Damit aber muss sich die Kirche auch immer wieder vergewissern, ob das Gebetete auch dem Geglaubten entspricht. Und dies gilt nicht nur für die „klassischen“ Gebet, sondern natürlich auch für die Kirchenlieder, die letztlich nichts anderes sind als gesungene Gebete.

Copyright: Katholisches Bibelwerk

Der Schatz der Kirchenlieder ist dabei enorm. Die einen sind beinahe zweitausend Jahre alt, wie etwa Vertonungen des Magnificat. Andere sind nur wenige Jahre oder Jahrzehnte alt. Allen aber gemeinsam ist, dass es oft einen Schlüssel zu ihrem Verständnis bedarf, der nicht selten in der Biographie ihrer Autoren, in der Entstehungszeit oder auch im Miteinander von Text und Musik liegt. Einen solchen Schlüssel bietet nun ein Werk zum Gotteslob: „Die Lieder des Gotteslob. Geschichte – Liturgie – Kultur“ wurde von Ansgar Franz, Hermann Kurze und Christian Schäfer herausgegeben. Es versammelt alle „echten Lieder“ – also ohne Antiphonen und Kehrverse, Psalmen, Gebete und Andachten aus dem Gotteslob.

Die Autoren bieten zu jedem Lied eine Auslegung, die bei fremdsprachigen Liedern eine Arbeitsübersetzung, ansonsten theologische Hinweise, Ausführungen zur Entstehungsgeschichte, zu den Quellen und zu Besonderheiten der Vertonung bietet. Was hier entstanden ist, darf als Meisterwerk bezeichnet werden. Die Anwendung dieses Buches wird vielfältig sein. Dieser Band hat seinen Platz im Bücherregal aller Gläubigen, die schon einmal über den Text eines Kirchenliedes gestolpert sind. Es gehört in das Repertoire der Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker wie der Seelsorger, die ja nicht selten eine Liedzeile aufgreifen und für die Statio oder Predigt benutzen. Die von den Autoren angefügte Einschränkung, die Lieder seien mit besonderer Berücksichtigung ausgewählter Lieder des Erzbistums Köln vertreten, möge niemanden abschrecken, der nicht zum Erzbistum Köln gehört; der Stammteil ist ja in Gänze vertreten. Ein wirklich hervorragendes Buch.

Ansgar Franz, Hermann Kurze und Christian Schäfer (Hg.): Die Lieder des Gotteslob. Geschichte – Liturgie – Kultur
Katholisches Bibelwerk 2017, 1314 Seiten, EUR 78

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