Gegen Markion

Von Benedikt Bögle

Die Irrlehre des Markion von Sinope war für die alte Kirche mit Sicherheit eine der wichtigsten Irrlehren. Der Schiffsreeder vom schwarzen Meer behauptete, der Gott, von dem das Alte Testament spricht, sei nicht der Gott Jesu Christi. Um zwei verschiedene Götter musste es sich folglich handeln: Der eine hatte die Welt erschaffen, der andere war der Gott, von dem Jesus Christus sprach. Diese Lehre war dogmatisch sehr gefährlich, gerade auch, weil die Schöpfung als böse und minderwertig abgetan wurde. Gleichzeitig aber war die Lehre für die Kirche sehr wichtig, weil sie gerade in Beschäftigung mit diesen Thesen immer sicherer wurde, die Heilige Schrift Israels auch künftig zum Basis des christlichen Glaubens zu machen.

Copyright: Herder

Der Theologe Tertullian beschäftigte sich mit Markion und versuchte, ihn in seiner berühmten Schrift „Adversus Marcionem“, „Gegen Markion“ inhaltlich zu widerlegen. In vier Bänden ist diese Schrift auf Lateinisch und Deutsch bei Herder erschienen. Der erste Band enthält eine sehr umfangreiche Einleitung von Volker Lukas, der das Werk auch übersetzt hat. Zu Beginn der Teilbände finden sich Gliederung der Schrift Tertullians, die dem Leser eine gute Übersicht und ein schnelles Auffinden gesuchter Stellen ermöglicht.

Tertullian gibt sich am Beginn seines Werkes Mühe, einerseits Markion als Person despektierlich zu machen, andererseits aber den Glauben an zwei Götter diskursiv zu widerlegen. So führt er etwa aus, der Gedanke an zwei Götter sei widersinnig. Gott müsse als das Allergrößte gedacht werden. Sobald es aber zwei Götter gebe, sei keiner der beiden mehr der „Allergrößte“, müsse er doch den ersten Platz mit einem anderen teilen. So geht es weiter: Tertullian verstößt die Lehre vom bösen Schöpfergott, wehrt sich gegen die Abwertung der Sexualität bei Markion und seinen Nachfolgern und zeigt auf, dass sich der eine wahre Gott nicht erst in Jesus Christus offenbart haben kann, sondern dies schon vorher geschehen sein muss.

Copyright: Herder

Die Bände zeigen die antike Diskussion um den wahren Glauben auf. Gerade in den ersten Jahrhunderten rangen die Christen eindringlich um die Frage, was der wahre Glaube, was die wahre Interpretation des Christentums sei. Einen wichtigen Baustein liefert dazu eben nicht nur die Lehre des Markion, sondern gerade die Erwiderung auf ihn.

Tertullian: Adversus Marcionem – Gegen Markion. Erster Teilband. Eingeleitet und übersetzt von Volker Lukas
Herder 2015, 196 Seiten, EUR 34

Tertullian: Adversus Marcionem – Gegen Markion. Zweiter Teilband. Eingeleitet und übersetzt von Volker Lukas
Herder 2016, 300 Seiten, EUR 40

Tertullian: Adversus Marcionem – Gegen Markion. Dritter Teilband. Eingeleitet und übersetzt von Volker Lukas
Herder 2017, 400 Seiten, EUR 44

Tertullian: Adversus Marcionem – Gegen Markion. Vierter Teilband. Eingeleitet und übersetzt von Volker Lukas
Herder 2017, 272 Seiten, EUR 38

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