Lernmethoden für Juristen

Von Benedikt Bögle

Die richtige Lernmethode zu finden, ist nicht einfach. Wie soll man für die anstehende Klausur lernen, wie kann man das Wissen möglichst sicher lange behalten? Diese Fragen stellen sich viele Studenten, Juristen aber ganz besonders. Denn das für das erste und zweite juristische Staatsexamen zu lernende Wissen scheint bisweilen alle Grenzen zu sprengen. Also verwundert es auch nicht, dass es gerade auf dem Gebiet der Juristerei viele Lernhelfer gibt, deren Qualität oft stark variieren. Einer dieser Ratgeber: „Lernapotheke für Juristen“ von Thomas Kahn, der 2014 zum ersten Staatsexamen antrat. Sein Ratgeber ist lebensnäher als viele andere und er langweilt nicht mit seitenweisen Ausführungen zur Lernpsychologie.

Zu Beginn ist Kahn der Überzeugung, die klassische Einteilung in verschiedene Lerntypen – etwa in auditive oder visuelle Typen – tauge nichts; Recht hat er vermutlich. Der Autor beschäftigt sich dann mit der Frage: Wie sollte man richtig Karteikarten schreiben? Die Tipps sind gut, leider aber erklärt Kahn dies alles an der App „Anki“, für die der Autor selbst kostenpflichtig seine Karteikarten zu nicht ganz niedrigen Preisen anbietet. Tatsächlich liest sich das wie bezahlte Eigenwerbung. Gut sind seine Gedanken aber dennoch: Nicht zu viel auf eine Karte, nicht alles überhaupt auf Karten schreiben. Definitionen könne man sich beispielsweise hervorragend merken, wenn man sie wie ein Gedicht lern – Zeile für Zeile.

Zum Thema Konzentration beim Lernen kann Thomas Kahn seine „Pomodoro“-Methode, die im Wesentlichen aus der natürlich nicht neuen Idee besteht, einen gewissen Zeitraum – hier sind es 25 Minuten – konzentriert am Stück zu arbeiten, konsequent eine Pause einzulegen und dann weiterzuarbeiten, präsentieren. Guter Ansatz, der wohl aber viel Eigenantrieb fordert. Die „Lernapotheke für Juristen“ bietet insgesamt viele hilfreiche Tipps; revolutionär ist nicht alles, muss es aber natürlich auch nicht sein. Das Buch ist schnell gelesen und verstanden, Überflüssiges findet sich in den Ausführungen nicht. Der von Amazon besorgte Druck darf leider als windig bezeichnet werden – aber die „Lernapotheke“ wird wohl auch kein geliebter Klassiker werden, der immer wieder gelesen wird – einmal sorgfältig lesen und verstehen dürfte genügen.

Thomas Kahn: Lernapotheke für Juristen
Selbstverlag, 97 Seiten, EUR 12,95

2 Kommentare zu „Lernmethoden für Juristen

  1. Danke für Ihre Rezension! Als Autor der Lernapotheke möchte ich dazu allerdings gerne einige Anmerkungen machen und mein Buch gegen einige Kritikpunkte verteidigen:

    1. Sie schreiben: „Zu Beginn ist Kahn der Überzeugung, die klassische Einteilung in verschiedene Lerntypen – etwa in auditive oder visuelle Typen – tauge nichts; Recht hat er vermutlich.“

    Dazu nur folgender Hinweis: Meine persönliche Überzeugung entspricht dem Forschungsstand der seriösen Lernforschung. Neben den in der Lernapotheke angegebenen Artikeln siehe etwa:

    * Pashler et al.: Learning Styles: Concepts and Evidence (2009), Zusammenfassung unter: https://glcateachlearn.org/2016/06/07/learning-styles-concepts-and-evidence/

    * Coffield et al.: Learning styles and pedagogy in post-16 learning – A systematic and critical review (2004), http://www.leerbeleving.nl/wp-content/uploads/2011/09/learning-styles.pdf

    * Husmann & O’Loughlin: Another Nail in the Coffin for Learning Styles? Disparities among Undergraduate Anatomy Students‘ Study Strategies, Class Performance, and Reported VARK Learning Styles (Studie mit 426 Anatomie-Studenten, 2018), https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29533532

    2. Sie schreiben: „Der Autor beschäftigt sich dann mit der Frage: Wie sollte man richtig Karteikarten schreiben? Die Tipps sind gut, leider aber erklärt Kahn dies alles an der App „Anki“, für die der Autor selbst kostenpflichtig seine Karteikarten zu nicht ganz niedrigen Preisen anbietet. Tatsächlich liest sich das wie bezahlte Eigenwerbung.“

    Zunächst: Es gibt einen Grund dafür, weshalb ich das alles an Anki anstatt an anderen Karteikartensystemen erkläre. Es ist derselbe, weshalb ich mich Ende 2011 nach langer Recherche für Anki als Grundlage meiner Examensvorbereitung entschieden habe, weshalb ich Ende 2012 dafür mein (kostenloses) Jura-Vorlagen-Plugin veröffentlicht habe, weshalb ich es von 2014-2016 weiter für mein Referendariat genutzt habe und weshalb ich heute eben Karteikarten für Anki (anstatt für irgendwelche anderen Systeme) anbiete: Anki ist das mit Abstand beste Lernsystem für uns Juristen. Das kann ich leicht begründen:

    a) Anki verfügt über einen effizienteren Wiederholungsalgorithmus als die meisten anderen Karteikartenprogramme, die lediglich die Leitnersche Lernkartei für den PC umsetzen. Mehr dazu in meinem Aufsatz in der jurPC: https://www.jurpc.de/jurpc/show?id=20140180 (Abschnitt I.5 Traditionelle und moderne Spaced Repetition Systeme)

    b) Anki bietet die Möglichkeit, eigene Karteikartenvorlagen (sog. Notiztypen) zu erstellen. Wer einmal verstanden hat, wie diese funktionieren, weiß, wie viel schneller und leichter es damit ist, kurze, gute Karteikarten zu erstellen. Hier ein Beispiel und eine Erklärung dazu: https://youtu.be/e–wZszWXNk Die in dem Video vorgestellten Jura-Vorlagen kann sich jeder auf meiner Homepage kostenlos herunterladen: http://www.thomaskahn.de/jura-vorlagen/

    Mit anderen Worten: Ich empfehle Anki, weil es bis heute das beste Lernsystem für uns Juristen ist (und biete deshalb auch Karteikarten dafür an). Ich empfehle es nicht, weil ich zufällig ausgerechnet dafür Karteikarten anbiete.

    Ob sich dann schließlich das, was ich in der Lernapotheke schreibe, wie bezahlte Eigenwerbung liest, soll jeder selbst für sich entscheiden. Hier die insgesamt 4 (!) Stellen im Buch, in denen es inhaltlich um die Basiskarten geht: http://thomaskahn.de/2019-07-02_Verweise_auf_Basiskarten_in_der_Lernapotheke.pdf

    (Man darf allerdings die *kostenpflichtigen* Basiskarten nicht mit dem *kostenlosen* Jura-Vorlagen-Plugin verwechseln, auf das ich in der Lernapotheke häufiger verweise.)

    3. Sie schreiben: „Zum Thema Konzentration beim Lernen kann Thomas Kahn seine „Pomodoro“-Methode, die im Wesentlichen aus der natürlich nicht neuen Idee besteht, einen gewissen Zeitraum – hier sind es 25 Minuten – konzentriert am Stück zu arbeiten, konsequent eine Pause einzulegen und dann weiterzuarbeiten, präsentieren. Guter Ansatz, der wohl aber viel Eigenantrieb fordert.“

    Die Idee, nur einen gewissen Zeitraum lang an einer Aufgabe zu arbeiten, ist in der Tat nicht neu. Das ist allerdings auch nur ein Aspekt der Pomodoro-Technik. Der andere – ebenso wesentliche – ist der Einsatz eines Timers, wie ich auf S. 53 und 54 zweimal betone. Dadurch, dass man das Ziel ständig vor Augen hat, gelingt es einem, bis zur Pause weiter konzentriert zu arbeiten. Erst beides zusammen macht die Wirksamkeit dieser Methode aus.

    Ich betone das, weil Ihre Beschreibung der Pomodoro-Technik diese als etwas trivial erscheinen lässt, was sie definitiv nicht ist.

    Zudem weise ich in dem Buch auf mein kostenloses Programm ZeitForm hin ( http://thomaskahn.de/zeitform ), das es einem ermöglicht, seinen gesamten Tag in Pomodoros zu planen – alles mit dem Ziel, den erforderlichen Eigenantrieb auf ein Minimum zu reduzieren.

    Schließlich stammt die Pomodoro-Technik auch nicht von mir, sondern von Franceso Cirillo, wie ich auf S. 54 vermerke.

    4. Sie schreiben: „einmal sorgfältig lesen und verstehen dürfte genügen“

    Vielleicht empfiehlt es sich in Anbetracht der obigen Punkte ja, die Lernapotheke gelegentlich doch noch einmal zur Hand zu nehmen. 😉

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