Kommunion für den evangelischen Ehepartner?

Von Benedikt Bögle

Neu ist Debatte um die Möglichkeit des Kommunionempfangs für evangelische Christen mit Sicherheit nicht. Aufwind indes erhielt sie durch die Diskussionen der deutschen Bischofskonferenz im vergangenen Jahr, inwieweit der evangelische Partner einer konfessionsverbindenden Ehe zur Kommunion gehen dürfe. Wenn ein evangelischer und ein katholischer Christ eine christliche Ehe leben, gemeinsam Zeugnis vom Glauben an Jesus Christus ablegen, ihre Kinder in diesem Glauben erziehen – darf diese Gemeinschaft der beiden Christen dann beim Kommunionempfang enden? Mit dieser Frage beschäftigt sich nun auch ein von Jörg Bremer herausgegebener Sammelband: „Ein Kelch für zwei. Zur ökumenischen Debatte um die Kommunion bei konfessionsverbindenden Paaren“, erschienen bei Grünewald.

Deutlich wird an mehreren Aufsätzen, dass die Frage nicht nur akademischer Natur ist. Es gibt die konfessionsverbindenden Paare, für die es ein Ärgernis darstellt, innerhalb eines katholischen Gottesdienstes nicht gemeinsam zur Kommunion gehen zu dürfen. Deutlich wird auch, dass es hier schon Lösungen in der Praxis gibt, während die akademische Theologie noch debattiert. Der Journalist Hans Leyendecker – selbst aus der katholischen in die evangelische Kirche konvertiert – nimmt offensichtlich eine deutliche Diskrepanz zwischen Bewegung im Kirchenvolk und der theologischen Wissenschaft wahr, wenn er schreibt: „Der Veränderungswille der Dogmatiker in der katholischen Kirche hat Bonsai-Format.“ Man wird ihm wohl entgegnen dürfen, dass es die Aufgabe der Theologie ist, Praxis zu begründen und – notfalls eben auch kritisch oder ablehnend – zu hinterfragen. Gleichwohl hat sich die Theologie zu fragen, was sie falsch macht, wenn sie nur als unbeweglicher Hüter alter Dogmen, nicht als dynamische Wissenschaft wahrgenommen wird.

© Grünewald

Walter Kardinal Kasper schreibt über die Notwendigkeit theologischer Debatten: „Die Eucharistie ist ein zu hohes Gut, als dass man sich mit rein pragmatischen Lösungen zufriedengeben kann. Die Eucharistie ist – wie alle Sakramente – für katholische wie für evangelische Christen ein Sakrament des Glaubens“, so Kasper. Wer also zur Kommunion trete, müsse sich die Frage nach seinem Glauben stellen. Der Jesuit Ansgar Wucherpfennig fragt in seinem Beitrag, was es denn bedeute, dass Jesus Christus selbst Gastgeber der Eucharistie ist. Darf denn dann überhaupt jemand ausgeschlossen werden? Der Theologe plädiert auf eine vertiefte Diskussion: „Deshalb braucht es dringend eine neue gemeinsame ökumenische Verständigung darüber, welche Punkte im Verständnis von Eucharistie und Abendmahl essentiell sind, damit eine konfessionsverbindende Gottesdienstgemeinschaft entstehen kann.“

Es folgen weitere Beiträge über die kirchenrechtliche Vorgaben, die Absichten des Dokuments „Mit Christus gehen“ der deutschen Bischofskonferenz oder die konkrete Gestaltung konfessionsverbindender Trauungen. Der Band zeigt mit großer Deutlichkeit, dass die Positionen unterschiedlich sind und die Debatten längst noch nicht am Ende. Ein buntes Spektrum an Autoren nähert sich dem Thema, das – und gerade dies zeigt das Buch sehr eindrücklich – für viele christliche Familien ein essentielles ist.

Jörg Bremer (Hg.): Ein Kelch für zwei. Zur ökumenischen Debatte um die Kommunion bei konfessionsverbindenden Paaren
Grünewald 2019, 160 Seiten, EUR 24

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