Gott essen?

Von Benedikt Bögle

Das Verständnis des letzten Abendmahles gehört zum Kernbestand christlicher Theologie. Was ist bei diesem letzten Mahl Jesu mit seinen Jüngern geschehen? Und was geschieht, wenn Christen zusammen kommen und dem Auftrag Jesu gemäß dieses Mal erinnern und feiern? Ein Teil der Christen sieht Jesus als ganz gegenwärtig durch die Eucharistie, andere sehen in der Abendmahlsfeier nur eine Erinnerung an Jesus. Die Gestalt der Feier hat dabei Kulturgeschichte geschrieben und ganze Gesellschaften geprägt. Einen Beitrag zu dieser Geschichte leistet ein lesenswertes Buch von Anselm Schubert: „Gott essen. Eine kulinarische Geschichte des Abendmahls“, erschienen bei C.H. Beck.

© C.H. Beck – Verlag

Das Buch ist keine theologische Abhandlung, es beschäftigt sich vielmehr mit den Substanzen des Abendmahles. Brot und Wein – ganz einfach eigentlich, möchte man meinen. Ein Blick in die Geschichte oder das Buch von Anselm Schubert belehrt eines besseren: Immer wieder wurde über die Beschaffenheit dieser eigentlich so einfachen Substanzen gestritten. Welches Brot etwa durfte verwendet werden? Nur bestimmtes? Dürften Katholiken etwa auch mit dunklem Brot Messe feiern? Was tun, wenn Getreide zu teuer wird und Brot selten?

Auch die Entwicklungen der Moderne stellten neue Fragen. So führten Ängste vor Epidemien dazu, jedem Gläubigen abgepackt ein Stück Brot und einen kleinen Schluck Wein zu geben. Der Mahlcharakter war zwar dahin, die Hygiene aber vermeintlich gesichert. Anselm Schubert berichtet informativ, aber schön zu lesen über eine zweitausendjährige Entwicklung, die immer auch die große Sorge der Christen zeigt, möglichst würdige Materien für das heilige Mahl zu verwenden. Auch aktuelle Entwicklungen unter dem Horizont einer Mahltheologie werden nicht ausgespart. „Gott essen“ ist damit nicht nur ein historisches Buch, sondern auch die Anregung, über das Wesen der Eucharistie nachzudenken.

Anselm Schubert: Gott essen. Eine kulinarische Geschichte des Abendmahls
C.H. Beck 2018, 271 Seiten, EUR 24,95

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