Gott – eine Spurensuche

Von Benedikt Bögle

Sophia Fritz studiert „Drehbuch“ in München, auf Instagram postet sie als „Josephine Frey“, kurze Texte vor allem, bestehend aus nur wenigen Wörtern und Zeilen. Im Herder-Verlag ist nun ein Buch von ihr erschienen: „Gott hat mir nie das Du angeboten“. Es ist ein im wirklichen Sinn bemerkenswertes Buch: Es spiegelt die Gedanken einer jungen Frau über Gott, ihr Leben und die Bibel. Es ist, wie sie selbst schreibt, kein Buch über Gott. „Es ist auch kein Buch über die Bibel, sondern ein Buch, das beim Lesen der Bibel entstanden ist“, so Fritz. In einzelnen Kapiteln werden biblische Figuren gleichsam zum Leben erweckt, ins Heute versetzt. Sophia Fritz unterhält sich etwa mit Maria Magdalena oder schlüpft in die Rolle des „verlorenen Sohnes“, der seinem zuhause gebliebenen Bruder begegnet.

© Herder-Verlag

Das Bild einer Generation ist so entstanden; einer ruhelosen Generation, einer fragenden. Auch ein Bild des Glaubens hat Fritz gezeichnet, eines Glaubens, der sagt: „Ich erwarte von Gott irgendeine Reaktion. Ich will, dass Gott jetzt etwas sagt.“ Er sagt aber nichts – oder wird nicht gehört? Der Leser erhält Einblicke in eine junge Frau, die eine Gottesbeziehung, aber nicht unbedingt eine Beziehung zur Kirche hat; einer Frau, die schreibt: „Die wenigstens meiner Freunde sind tatsächlich regelmäßig in einer Kirche oder in einer Partei. Aber Leute werden nicht weniger politisch, nur weil sie keiner Partei beitreten. Menschen werden auch nicht weniger glauben, nur weil sie weniger in die Kirche gehen. Sie glauben heute nur anders.“

Man würde hier sicherlich theologische Nachfragen stellen dürfen. Was bleibt, ist aber die Frage, ob Kirche heute noch die richtige Sprache spricht. Wie von Gott sprechen, gerade von einem schweigenden Gott – auch angesichts von Leid und Verzweiflung in der Welt? Man wird nicht alle Positionen der Autorin teilen müssen, um diese drängenden Fragen zu verstehen – noch dazu, wenn sie in einem so eingängigen Stil gestellt werden.

Sophia Fritz: Gott hat mir nie das Du angeboten
Herder 2019, 174 Seiten, EUR 18

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