Bienenmord

Donna Leon: Stille Wasser

Von Benedikt Bögle

Commissario Brunetti braucht Urlaub. Wobei: Eigentlich eher eine Auszeit. Sein Job wird zu viel, der tägliche Umgang mit den Ungerechtigkeiten der Welt und seinen nur beschränkten Mitteln der Bekämpfung laugen aus. Also bekommt der venezianische Kommissar seine ärztlich verordnete Ruhe. Er geht alleine in das Landhaus einer Verwandten seiner Frau: Die Natur genießen, ausspannen, seine geliebten Klassiker lesen. Auf der Insel begegnet er Casati, einem alten Freund seines verstorbenen Vaters. Gemeinsam machen sie Ausflüge mit dem Boot und sorgen sich um Casatis Bienenstöcke, die über die Lagune verteilt stehen. Donna Leon schildert wie gewohnt Land, Leute und Essen so intensiv, dass man sich in den Urlaub versetzt fühlt. Man meint fast, das Meer zu hören, das frische Brot zu schmecken, das Salz zu riechen.

© Diogenes-Verlag

Ein erholsamer Urlaub für Brunetti – bis sein Freund Casati verschwindet. Brunettis Urlaub endet jäh. Er muss sich auf die Suche nach dem Verschollenen machen und entdeckt ein erschütterndes Geheimnis der Lagune. Donna Leons Roman ist wie gewohnt spannend. Die Schriftsteller zeichnet ihren Helden als gebildeten, feinsinnigen und intelligente Mann. „Stille Wasser“ ist ein Buch, das sich mit aller Wucht der Frage nach Schuld und Unschuld, Verantwortung und Fahrlässigkeit stellt. Um das Bienensterben geht es ebenso wie um Umweltverschmutzung – „Stille Wasser“ könnte aktueller gar nicht sein.

Donna Leon: Stille Wasser. Commissario Brunettis sechsundzwanzigster Fall
Diogenes 2018, 343 Seiten, EUR 13

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