Schrecken ohne Ende?

Von Benedikt Bögle

Vielen Christen gilt die Offenbarung des Johannes als „Buch mit sieben Siegeln“: Viel zu unverständlich sind die grausamen Darstellungen der letzten Augenblicke auf dieser Erde. Leid, Schmerz, Qualen. Warum also sollte man sich mit diesem doch längst überholten Buch der Heiligen Schrift beschäftigen? Auf den ersten Blick wirklich grausam, lohnt sich doch ein zweiter Blick auf das letzte Buch der Bibel. Ganz ohne Hilfe ist es nicht verständlich – dafür gibt es aber viel gute Literatur. Etwa die Einführung in die Apokalypse von Michael Heymel: „Die Johannesoffenbarung heute lesen“, erschienen beim Theologischen Verlag Zürich. Der promovierte und habilitierte Theologe hat eine einfach verständliche und gute Einführung in die Offenbarung vorgelegt.

Knapp und doch ausführlich genug bereitet der Autor die klassischen Einleitungsfragen auf: Wer hat die Offenbarung geschrieben? Wann ist das Buch entstanden? An wen richtet es sich? Schon hier wird deutlich, dass es sich bei der Apokalypse eben nicht um eine überzeitliche Darstellung handelt, sondern viele Motive in der ganz konkreten Situation der frühen christlichen Gemeinden in Kleinasien wurzeln. Verfolgungssituationen stellen Anfragen an das Gottesbild – die Offenbarung des Johannes geht darauf ein: „Die Christen in Kleinasien, für die Johannes seine Apokalypse schrieb oder diktierte, lebten gefährlich. In ihrer Umwelt mussten sie sich immer wieder zwischen Anpassung und Widerstand entscheiden und riskierten dabei, entweder ihre Identität zu verlieren oder verfolgt zu werden“, schreibt Michael Heymel.

Gut verständlich geht Heymel die einzelnen Abschnitte der Offenbarung des Johannes durch und verweist immer wieder auf die vielfältigen Zitate aus der hebräischen Bibel, derer sich der apokalyptische Autor bedient. Die verschiedenen Hintergründe aus der Schrift selbst erschweren heute oft die Lektüre des biblischen Buches. Heymels Einführung in das Buch schafft Abhilfe: Es bietet sich für alle an, die sich einmal neu an das letzte Buch der Bibel wagen wollen. Auch Bibelgruppen oder Pfarreien können von den Ausführungen des Autors nur profitieren.

Michael Heymel: Die Johannesoffenbarung heute lesen
Theologischer Verlag Zürich 2018, 138 Seiten, EUR 14,90

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