Pfarrer Schießler: Jessas, Maria und Josef

Von Benedikt Bögle

Pfarrer Rainer Maria Schießler dürfte wohl der momentan bekannteste Priester Deutschlands sein. In seiner Münchner Pfarrei St. Maximilian geht der Seelsorger ungewöhnliche Wege und kommt bei den Menschen an. 2016 erschien sein erstes Buch: „Himmel, Herrgott, Sakrament“, wurde zum Bestseller und machte den Priester noch bekannter. Seitdem hält er Vorträge, begegnet Menschen und hat aus genau diesen Erfahrungen nun ein neues Buch gemacht: „Jessas, Maria und Josef. Gott zwingt nicht, er begeistert“. Auch in diesem Buch formuliert Rainer Schießler gewohnt prägnant und packend. Aus vielen Gesprächen mit Menschen auf seinen Vorträgen entwickelt der Pfarrer verschiedene Gedanken zur Lage der Kirche.

Bemerkenswert ist das klare Bekenntnis Schießlers zu seiner Kirche, die er liebt, gleichwohl aber hart kritisieren kann. Ähnlich klar ist das Bekenntnis des Autors zu seiner zölibatären Lebensform, wenngleich er den sogenannten „Pflichtzölibat“ ablehnt und seine Abschaffung fordert. Der Pfarrer erzählt von seinen Gottesdiensten, den Sakramenten, die er spendet, den Bedürfnissen der Menschen in seiner Pfarrei. Er plädiert für eine offene Kirche, die an der Seite der Menschen steht. Prägend für Schießlers Argumentation ist der Rekurs auf ein Gefälle zwischen den Seelsorgern an der Basis und der Kirchenleitung, die – so Schießlers Auffassung – in vielen Bereichen an den Bedürfnissen der Menschen vorbeigeht.

© Kösel-Verlag

Mit seinen Forderungen für eine funktionierende Zukunft der Kirche ist Schießler nicht allein. Leider verzichtet der Priester und Theologe an vielen Stellen auf eine theologische Begründung. Wenn die Kirche sich gegen die Zulassung von Frauen zum Weiheamt oder die Segnung homosexueller Partnerschaften oder die Abschaffung des verpflichtenden Zölibats für Priester verwehrt, tut sie das mit theologischen Argumenten, die teilweise über Jahrhunderte hinweg gewachsen sind. Diese theologischen Argumente mag man kritisieren, die eine oder andere Frage anders sehen. Dann aber wäre eine theologische Begründung durchaus wünschenswert, die in Schießlers Veröffentlichung leider an vielen Stellen fehlt.

Rainer Schießler spricht aus, was viele Menschen innerhalb der Kirche denken. Das macht sein Buch lesenswert, auch oder vielleicht sogar gerade wenn man seine Positionen nicht teilt. Das Ziel des Pfarrers ist eine lebendige Kirche, die Menschen anzieht und nicht abschreckt. Wie eine solche Kirche aussehen soll, ist diskutabel. Ob der Entwurf des Münchner Pfarrers für alle Katholiken gelten muss, darf dahingestellt bleiben. Was aber bleibt, ist die Stimme eines Priesters, der das Evangelium verkünden will – und dafür neue Wege geht.

Rainer M. Schießler: Jessas, Maria und Josef. Gott zwingt nicht, er begeistert
Kösel 2018, 255 Seiten, EUR 20

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