Ein unbekannter Widerstandskämpfer

Von Benedikt Bögle

Augustin Rösch ist keiner der bekannten Widerstandskämpfer zur Zeit des Nationalsozialismus. Und doch leistete er einen großen Beitrag zum Widerstand des „Kreisauer Kreises“ und mühte sich nach Kräften, dem Hitler-Regime entgegenzutreten. Alfred Wolfsteiner, Leiter der Stadtbibliothek Schwandorf, beleuchtet das Leben des großen Jesuiten nun in einer Biographie, die 2018 bei Pustet in Regensburg erschienen ist.

© Verlag Friedrich Pustet, Regensburg

Rösch wurde 1883 geboren und trat direkt nach seinem Abitur 1912 in den Jesuitenorden ein. Als zwei Jahre später der Weltkrieg ausbrach, konnten viele seiner Mitbrüder durch zuvorkommende Ärzte dem Krieg entgehen. Eine leichte Krankheit wurde ihnen attestiert, die aber doch kriegsunfähig machte. Rösch wollte das nicht. Er wollte in den Krieg ziehen, war auch ganze vier Jahre als Soldat im Einsatz. Nach dem Ende des Krieges studierte Augustin Rösch Philosophie und Theologie. Augustin Rösch wurde zum Hochschuseelsorger, dann Erzieher und später Leiter des Jesuitenkollegs in Feldkirch. 1935 wird Augustin Rösch zum Provinzial der Oberdeutschen Provinz des Jesuitenordens ernannt.

Die Klöster und Ordensniederlassungen hatten damals viel zu befürchten. Immer wieder versuchten die Schergen der nationalsozialistischen Diktatur, in das Leben der Kirche einzugreifen und besonders die Ordensgemeinschaften zu unterdrücken, Niederlassungen zu schließen. Gerade die Jesuiten hatten ein starkes Vorgehen gegen sich zu befürchten. Der Jesuitenorden sollte – so ein Plan der Nazis – sogar ganz verboten werden. Rösch stellte sich mit allen Mitteln gegen die Nazis, auch wenn das nicht immer einfach war: In der katholischen Kirche selbst gab es unterschiedliche Vorstellungen, wie man sich zur Diktatur verhalten solle. Während etwa Kardinal Preysing für aktiven Widerstand und harte Worte plädierte, wollte der Breslauer Kardinal Bertram nicht den Zorn Hitlers auf die Kirche ziehen.

Die Bischofskonferenz bildete einen „Ausschuss für Ordens- angelegenheiten“. Rösch war Mitglied dieses Ausschusses, der eine „organisierte Zelle des kirchlichen Widerstandes“ war, wie Autor Wolfsteiner schreibt. Der Ausschuss entwarf auch Hirtenbriefe, die inner- halb der Bischofskonferenz aber wieder zu Auseinandersetzungen führten. Augustin Rösch beschränkte sein Engagement im Widerstand nicht auf diese Gruppe, er unterhielt auch rege Beziehungen zum „Kreisauer Kreis“, in dem er bewusst Patter Alfred Delp platzierte. Wie Delp wurde auch Rösch verhaftet, konnte aber das Hitlerreich überleben und starb 1961, nachdem er 15 Jahre lang Landesdirektor der Caritas in Bayern war.

Die Biographie, die Alfred Wolfsteiner vorgelegt hat, wirft Lich auf ein ansonsten weniger bekanntes Thema: Innerkirchlicher, organisierter Widerstand gegen das NS-Regime. Die unterschiedlichen Entwürfe, sich zu dieser Diktatur zu verhalten, machten ein starkes und gemeinsames Auftreten oft unmöglich. Und dennoch gab es diese einzelnen Personen, die ihrem Gewissen folgend gegen Hitler eintraten. Augustin Rösch war einer von ihnen. Die Biographie Wolfsteiners überzeugt und kann nur empfohlen werden.

Alfred Wolfsteiner: „Der stärkste Mann des Katholizismus in Deutschland“. Pater Augustin Rösch und sein Kampf gegen den Nationalsozialismus
Verlag Friedrich Pustet 2018, 120 Seiten
EUR 12,95

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